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Erfolgsmodell "Soziale Stadt"

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Der Wiesbadener Schelmengraben steht auch im Fokus des Programms Soziale Stadtplus.
Der Wiesbadener Schelmengraben steht auch im Fokus des Programms Soziale Stadtplus. © Michael Schick

Im Wiesbadener Westend und in Biebrich Südost hat sich städtebaulich einiges getan. Mit der Förderung des Bund-Länder-Programms "Soziale Stadt" konnten einige Projekte realisisert werden. Nun laufen viele soziale Projekte aus.

Von Syilvia Bielert

Mit rund zehn Millionen Euro lässt sich in einem bunten Stadtteil wie dem Wiesbadener Westend so einiges anstellen. Ute Ledwoyd, Stadtteilmanagerin und Projektleiterin beim Trägerverein Kubis, ist sehr zufrieden mit dem, was seit 1999 mit dem Fördergeld aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ entstanden ist.

Nun ist das Programm ausgelaufen. Letzte Mittel sind noch für den Faulbrunnenplatz reserviert. Die Stadtteilzeitung, die mit Hilfe der Fördergelder vier Mal im Jahr erschien, gibt es seit 2013 nicht mehr. Kurzfristige Projekte, die im Rahmen von Lokales Kapital für soziale Zwecke (LOS) finanziert werden konnten, sind beendet. Trotzdem: Die Sprachkurse für Migranten, Computerkurse für Senioren oder Kunst-Workshops hätten „schöne Ergebnisse gebracht“, sagt Ledwoyd. Und das Programm hat mit „Stärken vor Ort“ einen Nachfolger. Doch nicht alle Projekte im Westend sind nun ad acta gelegt. „Den Bürgerservice, der 2007 eingerichtet worden ist, gibt es noch“, sagt Ledwoyd.

Er hilft Bürgern weiter beim Ausfüllen von Formularen, bei der Korrespondenz mit Behörden oder beim Schreiben des Lebenslaufes. „Ein kleines Projekt, das aber sehr gut läuft.“ Besonders nachhaltig wirken auch die städtebaulichen Investitionen, für die im Westend rund 9,5 Millionen Euro zur Verfügung standen. So wurden Gewerbetreibende durch Zuschüsse motiviert, die Fassaden ihrer Läden zu verschönern, im Café Wellritz werden auch in Zukunft Langzeitarbeitslose für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht und im Georg-Buch-Haus fanden das Kinderzentrum und viele Künstler in der „Atelieretage“ ein Zuhause.

Positives Fazit

„Das Programm bot uns die Möglichkeit, zusammen mit den Bewohnern Ideen zur Stadtteilbelebung auszuprobieren“, sagt Ledwoyd. „Nun müssen wir neue Wege finden, Gelder zu akquirieren, um Projekte weiterzuführen.“ Dabei sorgt sie sich besonders um das Projekt Grundschulpaten, bei dem Kinder aus Migrantenfamilien bei den Hausaufgaben und beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützt werden. Dessen Finanzierung steht auf der Kippe. „Im März ist Ende Gelände“, sagt Ledwoyd. „Wir konnten noch keine neue Geldquelle auftun, um das Projekt fortzuführen.“ Auch Biebrich Südost hat stark vom Programm Soziale Stadt und zwölf Millionen Euro Fördergeldern seit 2000 profitiert. Vor allem städtebaulich hat sich in Zusammenarbeit mit den Wohnungsbaugenossenschaften viel getan. Wohnhäuser wurden energetisch saniert und optisch aufgemöbelt, neuer Wohnraum geschaffen. Um eine grüne Grenze zum Industriegelände von Infraserv zu schaffen, wurden Menschen umgesiedelt.

Auch in Biebrich stand die Bürgerbeteiligung im Vordergrund, wie Quartiersmanager Walter Barth mitteilt. Die Erwerbs- und Bildungsbeteiligung sei gesteigert, die Beschäftigung im Stadtteil und die Integration von Zugezogenen aus anderen Kulturen gefördert worden. Zusammen mit der Hochschule RheinMain untersuchten die Stadtteilmanager die Lebenslage von Migranten. Dafür gab es den Integrationspreis 2012. Und das Elternbildungsprojekt „Fit für die Schule“, das Eltern lehrt, wie sie sich stärker am Schulleben ihrer Kinder beteiligen können, habe Modellcharakter auch für andere Stadtteile, sagt Barth. Sein Fazit ist deshalb rundum positiv: „Die Soziale Stadt ist ein Erfolgsmodell wegen der vielfältigen Beteiligung, und das ist ein Glücksfall für die Stadt.“

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