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Maske auch im Unterricht – darüber wird viel diskutiert.

Wiesbaden

Eltern gegen Maskenpflicht

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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In der Landeshauptstadt Wiesbaden protestieren Eltern gegen die Maskenpflicht für Erst- bis Viertklässler. Auf welcher Grundlage die Verordnung gefasst ist, sei völlig unklar.

Die Landeshauptstadt hat im Unterschied zu Städten die Maskenpflicht an Grundschulen Anfang November eingeführt. Für die Mütter und Väter, die sich in der Initiative „Familien in der Krise“ engagieren, ist dies unzumutbar. Wenn Kinder nach der Schule in eine Nachmittagsbetreuung gingen, müssten sie sechs bis acht Stunden eine Maske aufhaben, sagt die Wiesbadenerin Diana Siegloch, Sprecherin der bundesweit aktiven Gruppe und Mutter dreier Kinder, auf FR-Anfrage, „das ist eine große Belastung“.

Was Siegloch ärgert, ist, dass unklar ist, auf welcher Grundlage die Entscheidung gefasst wurde. Die Gesundheitsämter Frankfurt und Offenbach hätten ihre Daten zu Ansteckungen mit dem Coronavirus in Grundschulen ausgewertet mit dem Ergebnis, dass sich unter ein Prozent der Kinder in der Schule angesteckt hätten. „Wir fordern, dass das Wiesbadener Gesundheitsamt auch diese Zahlen herausgibt“, sagt Siegloch. Noch nicht einmal Maskenpausen wie in Bayern gebe es.

Gesundheitsamtsleiterin Kaschlin Butt erklärt auf Anfrage, dass Gesundheitsämter Anordnungen abhängig vom örtlichen Infektionsgeschehen treffen dürften. Zahlen zu Ansteckungen seien nur zu erheben, sofern sich Infektionsketten gut zurückverfolgen ließen. Dies sei aktuell aber nicht zu gewährleisten. Um den Präsenzunterricht an den Grundschulen nicht zu gefährden, habe sich die Stadt in Abstimmung mit den Schulträgern für die Maskenpflicht entschieden.

Auch die frühere Bundesfamilienministerin Kristina Schröder setzt sich dafür ein, dass Grundschulkinder ohne Mund-Nasen-Schutz in die Schule gehen können. „Ich glaube nicht, dass die Kinder gesundheitlichen Schaden erleiden, man muss das nicht dramatisieren“, sagt die Wiesbadenerin der FR. Dennoch sei das Maskentragen unangenehm und vor allem unnötig. Sie plädiert für ein Kohortensystem in den Grundschulen. Wenn die Lerngruppen getrennt voneinander in die Pause gingen und die Grundschullehrer:innen auch fachfremd unterrichteten, könne auf die Maske verzichtet werden. Auch sie verweist auf eine Untersuchung des Düsseldorfer Gesundheitsamts, das nur verschwindend geringe Infektionszahlen in Schulen aufweise. Sie sei nicht gegen die Maskenpflicht, versichert Schröder. Aber sie sei für Mädchen und Jungen in der Grundschule nicht verhältnismäßig. „Die Erwachsenen müssen die Hauptlast tragen“, sagt sie.

Die Initiative „Familien in der Krise“ sammelte kürzlich nach Angaben Sieglochs 1900 Unterschriften gegen die Maskenpflicht an Wiesbadener Grundschulen. Ob sich die Politiker davon beeindrucken lassen, ist offen. Aus dem Ordnungsamt ist zu hören, dass die Allgemeinverfügung bis zu ihrem regulären Ende am 27. November nicht aufgehoben werde. Für welche Verordnungen sich der Verwaltungsstab für die Zeit danach entscheide, hänge von der Höhe der Infektionszahlen ab.

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