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Einst Sänger-Treff, dann ein Beat-Club

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Jugendstil in Wiesbaden: Die Wartburg an der Schwalbacher Straße.
Jugendstil in Wiesbaden: Die Wartburg an der Schwalbacher Straße. © FR/Oeser

Die Wartburg in Wiesbaden wird derzeit nach historischem Vorbild renoviert. Einen Vorgeschmack auf das Ergebnis erhalten Besucher am "Tag der Architektur". Von Sonja Jordans

Von Sonja Jordans

Inzwischen spricht Sven Burghardt sehr liebevoll über sein "Baby", wie er es nennt - auch wenn es ihn anfangs reichlich Nerven gekostet hat. "Es war wie eine Wundertüte mit negativem Inhalt", sagt der Architekt und seufzt. Aber das habe er vorher nun mal nicht gewusst. Dennoch: "Es hat mich sehr gefreut, dass wir uns dem Projekt widmen dürfen."

Das "Projekt" ist eine Wiesbadener Institution: die 1906 im Jugendstil erbaute "Wartburg", in der heute ein Restaurant sowie eine externe Spielstätte des Staatstheaters untergebracht sind. Einst erbaut für den Wiesbadener Männergesangverein, hat das Haus mit der imposanten Fassade eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

"Als Jugendlicher war ich oft dort, in der Wartburg waren eine Diskothek und eine Bar drin", erinnert sich Burghardt. Dessen Vater wiederum kannte die Wartburg bereits, "als da noch ein Beat-Club untergebracht war", so der Architekt. Heute, viele Jahre später, ist Burghardt erneut regelmäßig in dem Haus an der Schwalbacher Straße zu Besuch. Diesmal kommt er allerdings nicht zum Musik hören: "Wir sind mit den Planungen für die Renovierungsarbeiten betraut", erläutert Burghardt, einer der Geschäftsführer des Architekturbüros Zaeske und Partner.

Vier Millionen Euro Kosten

Bis Oktober dieses Jahres soll an und in dem geschichtsträchtigen Gebäude noch renoviert und restauriert werden. In Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde wird die Wartburg nach historischem Vorbild hergerichtet. Zwei alte Fotos zeigen dem Architekten, wie das Gebäude einst ausgesehen hat. Einen Vorgeschmack auf das Ergebnis können Besucher bereits am "Tag der Architektur" an kommenden Wochenende erleben: Dann öffnet das Gebäude für zwei Stunden seine Türen.

Vier Millionen Euro kosten die Arbeiten an der Wartburg, "und damit müssen wir definitiv auskommen", betont Burghardt. Das ursprüngliche Budget von 3,5 Millionen musste bereits aufgestockt werden - wegen Problemen, von denen vorher niemand etwas geahnt habe: "Fast sämtliche der alten Stahlbetondecken im Keller waren verrostet", erläutert Burghardt. Der Grund: Unter dem Keller des Hauses befand sich ein Bachlauf, der die Räume im Laufe der Jahrzehnte immer wieder überflutete. "Und da das Haus nie richtig gewartet wurde, war alles angerostet." Also mussten die Decken erneuert und das Fundament der Wartburg verstärkt werden. "Da standen wir plötzlich vor einem neuen Problem", sagt der Architekt. "Wir stellten fest, das sich unter der Wartburg kubikmeterweise Beton befand." Burghardts Erklärung: Beim Bau des benachbarten Parkhauses sei vermutlich nicht ganz sorgfältig gearbeitet worden, Beton sei unter die Wartburg gelaufen. Dieser hatte eine Wand "weggestemmt" und stand nun den Restaurationsarbeiten im Weg. "Also weg damit", sagt Burghardt. Doch all diese Überraschungen gingen ins Budget, das daraufhin einmalig vom Bauherr - die Stadt Wiesbaden - aufgestockt wurde.

Inzwischen sind die Arbeiten am letzten Bauabschnitt angekommen. "Die schwierigste Phase haben wir hinter uns", ist Burghardt zuversichtlich. Nach Unter- und Erdgeschoss, Treppenhaus, Fassade und Dach müssen nun noch die Obergeschosse des vierstöckigen Hauses renoviert werden. "Dort sind die Theatergarderobe, eine Probebühne und der Theatersaal untergebracht", sagt Burghardt. Der Saal im Belle-Epoque-Stil werde mit einer Lüftungsanlage ausgestattet. Die Probebühne bekomme einen neuen Boden. "Auch diese ganzen feuerpolizeilichen Dinge liegen im Argen", weiß der Planer. Dann seien die Arbeiten bereits so gut wie beendet. Auf Urlaub wird der Architekt zwar in den nächsten Wochen verzichten müssen. Aber das sei nicht schlimm. Denn die Wartburg "ist was richtig Schönes".

Am Tag der Architektur können sich Besucher selbst ein Bild von dem mehr als 100 Jahre alten Gebäude machen: Die Wartburg, Schwalbacher Straße 51, hat am Samstag von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

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