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Es war einmal in Wiesbaden

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Von: Christina Franzisket

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Auf den Spuren der Wiesbadener Geschichte und Geschichten: die Autorin Martina Frey.
Auf den Spuren der Wiesbadener Geschichte und Geschichten: die Autorin Martina Frey. © Michael Schick

Martina Frey schreibt vom Leben im 19. Jahrhundert und von mutigen Frauen

Martina Frey schreibt vom Leben im 19. Jahrhundert und von mutigen Frauen

Im Jahr 1847 keimt in Wiesbaden eine kleine Revolution. Wütende Menschen haben sich auf dem Schlossplatz versammelt und rufen nach mehr Freiheit. Sie fordern Presse-, Jagd- und Versammlungsfreiheit. Das Volk kämpft für die ersten Grundlagen der Demokratie.

In diesen turbulenten Zeiten lebt auch Fräulein Eugenia in Wiesbaden. Ihr Vater ist Arzt, die bürgerliche Familie genießt hohes Ansehen. Doch Eugenia bereitet ihrem Vater große Sorgen, denn sie ist ebenso aufrührerisch wie die Zeit, in der sie lebt. Entgegen aller gesellschaftlichen Regeln verliebt sie sich in einen Bauern.

Sechstes Buch in Planung

Der neue Roman „Die Tochter eines Arztes“ von Martina Frey handelt nicht nur von den Zeiten der Veränderung in Wiesbaden im 19. Jahrhundert, sondern erzählt auch von der Bürgerlichen Eugenia, die mutig um ihre Liebe und ein selbstbestimmtes Leben kämpft. „Ich schwimme im Leben selbst gerne gegen den Strom“, sagt die Autorin. Die 42-jährige, gebürtige Wiesbadenerin veröffentlicht mit diesem Roman bereits ihr fünftes Buch, in diesem Herbst soll das sechste folgen.

Fast immer ist es die Geschichte, die Frey interessiert und zum Schreiben inspiriert. „Es werden so viele Dinge vergessen, wer nimmt sich schon ein Geschichtsbuch und liest es“, sagt sie.

In ihrem neuen Roman lässt sie das alte Wiesbaden vor dem inneren Auge des Lesers wieder aufleben: „Ich habe recherchiert, wie die Stadt zu der Zeit aussah“, sagt sie. In Archiven, Büchereien, im Internet und mit Hilfe des Wiesbadener Geschichtsvereins Mattiaker erfuhr Frey über Stadtbild, Politik, Bürger und die Lebenswirklichkeit junger Frauen, die um 1847 in Wiesbaden lebten. „Die Andersartigkeit des Lebens damals fasziniert mich“, sagt sie. „Das Leben einer Bürgerlichen war vorbestimmt, sie lernte kochen, nähen, musste sich tadellos benehmen, wurde verheiratet und kümmerte sich um die Kinder. Das war’s.“

Beschreibungen der Stadt möglichst geschichtsgetreu

Frey erfindet ihre Charaktere frei, bei den Beschreibungen von Stadt und Lebensumständen versucht sie hingegen, möglichst geschichtsgetreu zu bleiben: „Nur wenn etwas nicht dokumentiert ist, nutze ich meine Freiheit als Autorin und interpretiere“.

Eigentlich arbeitet die Mutter zweier Söhne im öffentlichen Dienst. Romane schreiben sei ihr Hobby, ihre Leidenschaft, sagt sie. Zeit zum Schreiben findet sie, wenn ihre beiden Söhne, zehn und zwölf Jahre alt, zu Bett gehen. „Andere schauen fern, ich setze mich mit dem Laptop auf die Couch und tauche ein in meine Geschichten“, sagt sie. „So schalte ich ab.“ Für Recherchen müsse sie sich hin und wieder auch einen Tag frei nehmen.

Dass sie sich für „Die Tochter eines Arztes“ an Wiesbadens Geschichte bedienen würde, war schnell klar: „Warum auch in die Ferne schweifen, meine Heimatstadt hat eine sehr interessante Vergangenheit“, sagt sie. Leser, die sich in Wiesbaden auskennen, fänden im Buch bekannte Orte wieder, etwa die Wilhelmstraße oder das Kurhaus.

Vor Kurzem hat Frey von ihrem Verlag, dem Frankfurter Dryas Verlag, den Auftrag für einen weiteren Roman erhalten: „Das Brunnenmädchen“ soll er heißen: „Es wird wieder im 19. Jahrhundert in Wiesbaden spielen“, verrät sie. Diesesmal geht es um ein armes Brunnenmädchen, das eigentlich reiche Kurgäste bedienen sollte. Frey lässt ihre Protagonistin jedoch feine Kleidung anziehen und so gelangt das Mädchen in den Kreis der Gutbetuchten und verliebt sich.

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