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Wie in einem Schloss

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Wiesbadener Schüler zu Besuch in der Moschee in der Dotzheimer Straße.
Wiesbadener Schüler zu Besuch in der Moschee in der Dotzheimer Straße. © FR/Schick

Dritt- und Viertklässler der Goetheschule besuchen die Moschee in der Dotzheimer Straße. Schule und islamische Gemeinde wollen so Vorurteile abbauen. Von Franziska Richter

Von Franziska Richter

Die Kronleuchter haben es den Schülern angetan. Wie schwer sie seien, wollen die Dritt- und Viertklässler der Goetheschule wissen. Die Grundschüler knien auf dem bunten Teppich in der Moschee in der Dotzheimer Straße, ihre Schuhe haben sie am Eingang gelassen. Einige Mädchen haben sich ein Tuch über die Haare gelegt. Über ihren Köpfen hängen zwei pompöse Leuchter. Dass sie 400 Kilo wiegen, werden sie später erfahren.

"Macht es euch gemütlich, ihr könnt euch ganz normal hinsetzen", sagt Zafer Sahin zur Begrüßung. Er ist Mitglied der Wiesbadener Gemeinde des Verbandes islamischer Kulturzentren und stellt den Schülern die Moschee vor. "Wir wollen Hemmschwellen abbauen und zeigen, was wir hier machen", sagt Sahin.

Es ist das erste Mal, dass Goetheschüler aus den ersten bis vierten Klassen die Gemeinde besuchen. Bis vor zwei Jahren hatte sich eine türkische Lehrerin um Besuche in Moscheen gekümmert. Nach ihrer Pensionierung seien diese leider "sehr stiefmütterlich behandelt worden", sagt Schulleiterin Gabriele Stolla.

Angst vorm Islam abbauen

Dabei stünde der regelmäßige Besuche in katholischen, evangelischen, griechisch-orthodoxen und muslimischen Einrichtungen im Schulprogramm. Einen neuen Anlauf habe es mit der seit einem Jahr tätigen Kriminalhauptkomissarin und Migrationsbeauftragten im Polizeipräsidium Westhessen, Döndü Yazgan, gegeben. "Gerade in diesem Alter ist es wichtig, den Kindern die Angst vor dem Islam zu nehmen", sagt sie. Die Kinder könnten sich ihre eigene Meinung bilden und zu Hause von ihren Erfahrungen erzählen. "Allerdings brauchen wir interkulturelle Kompetenz auf beiden Seiten." Skepsis von muslimischen Eltern könnten, so Stolla, durch Gespräche abgebaut werden.

Gülten (11) und Ecehan (10) sitzen in der letzten Reihe und schauen sich um. Sie sind Musliminnen, haben Islamunterricht, lernen Koranlesen, allerdings in einer anderen Gemeinde. Sie finden es gut, dass ihre Mitschüler etwas über ihre Religion erfahren.

"Ich habe mal ein Referat über die Türkei und den Islam gehalten und gezeigt, wie wir beten", erzählt Gülten. Ihre Klassenkameradin Lana, neun Jahre alt und evangelisch, fand das toll. "Aber eine Moschee habe ich mir ganz anders vorgestellt, diese ist wie ein Schloss." Tatsächlich sieht die stuckverzierte Decke herrschaftlich aus. Die arabischen Schriftzeichen an den Wänden, ein Vorbeterplatz und der bunt verzierte Gebetsstuhl machen aus dem Saal eine Moschee. Lana hat sich darin wohlgefühlt. Ihre Mitschüler haben am Ende noch tausend Fragen. Nicht nur zu den Kronleuchtern, auch zum Islam an sich.

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