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Eine Stadt geht auf die Bühne

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Von: Christina Franzisket

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Bei „Move“ tanzen und musizieren Jung und Alt gemeinsam auf der Bühne des Großen Hauses im Staatstheater.
Bei „Move“ tanzen und musizieren Jung und Alt gemeinsam auf der Bühne des Großen Hauses im Staatstheater. © Michael Kretzer

Das Jugendreferat am Staatstheater Wiesbaden startet mit dem Projekt „Move“ in ein turbulentes Jahr 2014. Bei „Move“ kommen Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen zusammen und erarbeiten gemeinsam ein Bühnenkunstwerk.

Das Staatstheater Wiesbaden erwartet ein turbulentes Jahr. Im August wird der neue Intendant Uwe Eric Laufenberg seine Arbeit aufnehmen. Doch schon jetzt hat er seine Finger im Spiel, macht Ansagen für die Zukunft, setzt Künstler vor die Tür und streicht Programmpunkte.

Zum Beispiel trennt sich Laufenberg zum Sommer von Ballettdirektor Stefan Thoss und streicht außerdem die klassischen Produktionen von „Hänsel und Gretel“ und „La Bohème“ aus dem Spielplan, die am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden seit 31 und 27 Jahren aufgeführt werden. Laufenberg hat angekündigt neue Akzente zu setzen, personell und mit neuen Inszenierungen.

Erstmals mit Behinderten

Das Jugendreferat darf sich jedoch in gewohnter Besetzung wieder ans Werk machen: „Der neue Intendant hat Vertrauen in unsere Arbeit“, sagt Priska Janssens, Leiterin des Jugendreferats. Seit 2002 gibt es das Jugendreferat am Staatstheater, von Anfang an unter der Leitung von Janssens. Die nahenden Veränderungen durch Laufenberg erwartet sie mit Spannung: „Daraus werden sich auch für unsere Arbeit neue Impulse ergeben“, sagt sie. „So ein Intendantenwechsel verleiht einem Theater immer ein neues Gesicht.“

Das erste Projekt das Janssens und ihre Kollegin Christine Rupp-Kuhl im neuen Jahr beschäftigt, nennt sich „Move“ und geht bereits zum vierten Mal an den Start: Bei Move kommen Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen, verschiedenen Alters und zum ersten Mal auch Menschen mit Behinderungen zusammen und erarbeiten gemeinsam ein Bühnenkunstwerk. Für die neue Produktion proben bereits über 250 Teilnehmer: „Wir haben offene Gruppen in den Bereichen Komposition, Tanz und Bühnenbild. Hier treffen Menschen zwischen acht und 80 Jahren aufeinander“, sagt Janssens. „Das Spektrum ist riesig und macht die Arbeit so spannend.“

Rupp-Kuhl hat ein Netzwerk zu den Schulen der Stadt aufgebaut. An den Schulen werden Gruppen aus Kindern und Erwachsenen mit und ohne Behinderung gebildet: „Regel- und Förderschulen kooperieren für Move“, sagt Rupp-Kuhl. Auch die EVIM-Behindertenhilfe ist Partner, ebenso das Kulturamt oder die Mainzer Streckerstiftung.

„Jeder macht einen kleinen Teil“

Jeweils ein Künstler vom Staatstheater kommt dazu und leitet die Gruppe: „Ein echter Profi vom Staatstheater ist natürlich ein Anreiz mitzumachen“, sagt Janssens. Die Teilnehmer erstellen eigene Kompositionen, Choreografien oder Klanginstallationen. „Jeder macht einen kleinen Teil“, erklärt Janssens. „Bei den Bühnenproben setzen wir alles zu einem Ganzen zusammen.“ Gezeigt wird das Ergebnis mit musikalischer Begleitung des Orchesters des Staatstheater auf der Bühne im Großen Haus.

„Das Tolle an Theater ist, dass alles erlaubt ist“, sagt Rupp-Kuhl. „Es kommt auch nicht darauf an, was man können soll, sondern was man kann.“ So fände sich für jeden Teilnehmer, ob mit oder ohne Handycap, eine passende Aufgabe. Move sei einzigartig, weil es unterschiedliche Menschen und unterschiedliche Ausdrucksformen zusammen auf eine Bühne bringe, so entstehe ein „Ansturm entfesselter Kreativität einer ganzen Stadt“ und ein unterhaltsamer Abend für groß und klein.

Premiere von Move ist Samstag, 5. Juli, im Großen Haus. Eine weitere Aufführung ist am Sonntag, 6. Juli. Weitere Informationen im Netz unter www.staatstheater-wiesbaden.de

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