1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Eine Börse für gute Taten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ute Fiedler

Kommentare

Willkommenskultur in Rhein-Main.
Willkommenskultur in Rhein-Main. © Michael Schick

Hunderte informieren sich im Schlachthof, wie sie Flüchtlingen helfen können.

Er sei praktisch veranlagt, sagt Ulrich Schmidt. „Es ist ohne Bedeutung, ob man Flüchtlinge mag, oder nicht – es ist unsere Aufgabe, uns zu engagieren. Sonst fällt uns das Ganze auf die Füße.“

Ulrich Schmidt und seine Frau Marina sind zwei von Hunderten Besuchern der Willkommensbörse am Samstag in der Schlachthofhalle. Mit vielen Flyern in der Hand gehen sie gerade in Richtung Ausgang. „Wir wollten schauen, was wir machen können“, sagt Marina Schmidt. „Ich denke, wir werden eine Patenschaft übernehmen.“ Das sei der „wirkungsvollste Ansatz“, den Menschen zu helfen, wieder eine Heimat zu finden, fügt Ulrich Schmidt hinzu.

Der Andrang ist gewaltig, und nicht wenige der Besucher staunen, wie viele Angebote es für Flüchtlinge und Menschen, die sie unterstützen wollen, in Wiesbaden gibt. Da bietet zum Beispiel das Unternehmen „Rething“ einen Nähkurs für Flüchtlingsfrauen an und junge Ehrenamtliche vom Stadtjugendpfarramt organisieren Deutschkurse für Flüchtlinge im Alter ab 18 Jahren an. Da sucht die Initiative Rückenwind nach Helfern und Spenden, um Flüchtlingen das Fahrradfahren beibringen zu können. Da vermittelt das Evangelische Dekanat Freizeitpatenschaften für Grundschulkinder. „Das Projekt gibt es seit einem Jahr, begonnen haben wir in der Lutherkirchengemeinde“, erläutert Stadtkirchenpfarrerin Annette Majewski. Geht es nach ihr, soll es sich über die gesamte Stadt ausdehnen.

Repair-Café und Patenschaft

An jedem Stand liegen Listen aus, in die sich Interessierte eintragen können, so auch an dem des „Mobilen Repair-Cafés“. Geduldig erklärt Martin Wellsandt, wie die Initiatoren sich ein solches Angebot vorstellen. „Wir wollen mit einem Bus zu den Flüchtlingsunterkünften fahren und vor Ort Dinge reparieren“, sagt er. „Natürlich sollen Flüchtlinge einbezogen werden“, fügt er hinzu. Denn unter den Menschen gebe es schließlich auch viele Ausgebildete, mit besonderen Fähigkeiten.

Kerstin K. hört sich die Erläuterungen aufmerksam an. Das klinge sehr spannend, sagt sie. Sie habe sich jedoch dafür entschieden, Menschen zu begleiten, beispielsweise ins Theater. „Ich finde es ganz wichtig, dass wir uns um die Ankömmlinge kümmern“, sagt sie. „Man muss sie so schnell wie möglich integrieren, damit keine Parallelgesellschaften entstehen.“

Fast ein bisschen überrascht von der großen Resonanz, zeigt sich Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD). Er hatte die Börse initiiert, damit neue Kontakte geknüpft werden, Menschen sich engagieren können. „Die Hilfsbereitschaft ist irre“, sagt er und erzählt von einer älteren Frau, die gerne ein Zimmer an eine geflüchtete Frau vermieten wolle. „Sie sagte, dass ihre Wohnung zu groß sei und sie gerne helfen wolle“, erklärt Gerich und während er spricht, kommt eine Frau auf ihn zu. Sie arbeite bei Ikea und habe Geld zur Verfügung gestellt bekommen. Damit möchte sie gerne einen Klassenraum im Simeonhaus ausstatten. „Wir werden das notieren“, sagt Gerich.

Auch Aline van den Borg vom Bürgerreferat ist vor Ort. Sie hat die Börse organisiert. „Es sind noch lange nicht alle Projekte heute hier. Wir haben mehr als 50 Initiativen angeschrieben. Einige mussten leider absagen“, sagt sie. In der kommenden Woche würden die Ergebnisse der Börse ausgewertet. Dann werde man überlegen, ob noch einmal ein Treffen für die Projekt-Initiatoren organisiert wird. „Viele hatten keine Zeit, sich mit den anderen zu unterhalten“, sagt van den Borg. Der Andrang an den Ständen sei einfach zu groß gewesen.

Auch interessant

Kommentare