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Susanne Eidmanns Lastenrad soll Familien und Gewerbekundschaft gleichermaßen ansprechen .M Müller
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Susanne Eidmanns Lastenrad soll Familien und Gewerbekundschaft gleichermaßen ansprechen .M Müller

Wiesbaden

Wiesbadener Unternehmerin entwickelt Cargobike für sicheren Kindertransport

  • VonDiana Unkart
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Für viele Bedürfnisse gibt es passende Lastenräder. Aber nicht für alle, findet Susanne Eidmann und hat Cluuv entwickelt.

Radfahren in Wiesbaden hatte lange Zeit etwas Exotisches. Das ändert sich gerade. Radwege werden gebaut, Fahrradspuren entstehen, die Entwicklung der E-Mobilität ermöglicht die Fortbewegung mit dem Rad auch in der topographisch anspruchsvollen Stadt mit ihren vielen Hügeln. Zuletzt belegte Wiesbaden beim Fahrradklimatest Platz sieben in Hessen – nach Jahren auf dem letzten Rang. Nun könnte der Erfolgsgeschichte bald ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden. Im Herbst soll das erste E-Cargobike aus Wiesbaden auf den Markt kommen.

Cluuv soll es heißen. Es ist ein Kunstwort aus „clever“ und „move“: die kluge Art, sich fortzubewegen. Die Frau hinter Cluuv heißt Susanne Eidmann, ist 36 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern und passionierte Radfahrerin mit Traum vom eigenen Unternehmen. In ihrem früheren Job als Unternehmensberaterin entwickelte sie Strategien, plante Innovationen. In der Selbstständigkeit setzte sie das für sich um, überlegte, welches ihr Thema werden könnte, was sie so fasziniert, dass sie sich tagaus, tagein damit beschäftigen möchte, was Menschen zugutekommen und der Umwelt helfen könnte. „Und dann ploppte das Fahrradthema auf“, sagt sie.

Das Cargobike ist die einzige Möglichkeit, mit Kindern Rad zu fahren

Aufgewachsen in Norddeutschland zusammen mit drei Geschwistern war es das Fahrrad, nicht das Eltern-Taxi, das sie zu Freundinnen und Freunden oder zu ihren Hobbies brachte. Später, während der Abizeit und im Studium jobbte sie als Fahrradkurierin, studierte neben Betriebswirtschaftslehre Sport mit Schwerpunkt Radsport.

Irgendwann stieg sie aufs Cargobike um. „Es war die einzige Möglichkeit, mit Kindern weiter Rad zu fahren.“ Vor drei, vier Jahren, erzählt Susanne Eidmann, sei man mit einem Cargobike noch als Exotin betrachtet worden. Aber es gebe in Wiesbaden mehr und mehr Menschen, die Lastenräder nutzten.

Ziel ist ein wartungsarmes Rad

Der europäische Markt für Lastenräder wächst schnell, der Anteil an E-Lastenrädern steigt. Für viele Bedürfnisse gibt es passende Modelle. Aber nicht für alle, findet Susanne Eidmann. „Ich wollte das beste Cargobike für uns.“ Das Ergebnis ist Cluuv. Von ihr konzipiert, zusammen mit Ingenieurinnen und Ingenieuren entwickelt. Das E-Lastenrad soll einen ergonomischen und sicheren Kindertransport ermöglichen, hohe Flexibilität bieten, dabei zuverlässig, wartungsarm und reparaturfreundlich sein. Ein Fortbewegungsmittel, das über Jahre und im besten Falle Jahrzehnte genutzt werden kann. Zwei Zielgruppen gebe es, deren Bedürfnisse das Rad gleichermaßen erfüllen soll: Familien und gewerbliche Kunden, Kurierfahrer:innen zum Beispiel.

Noch existiert das Bike, in dem bis zu drei Kinder Platz haben und das bis zu einem Gesamtgewicht von 230 Kilogramm zugelassen ist, nur als Prototyp aus dem 3-D-Drucker. In den kommenden Wochen soll die Serienfertigung starten, soll das Wiesbadener Lastenrad ab September im Online-Shop vorbestellbar sein, zunächst in Schwarz, Weiß und Olivgrau. Kosten wird es knapp 7000 Euro. Realisiert werde das Vorhaben gemeinsam mit einem Partner, einem renommierten Unternehmen, mehr möchte Susanne Eidmann noch nicht verraten. In diesem und im kommenden Jahr sei die Produktion wegen Material- und Teileknappheit noch etwas eingeschränkt, danach soll sie ausgeweitet werden.

Die Teile werden in Europa gefertigt

Die Teile für das Lastenrad werden in Europa produziert und in Deutschland montiert. „Wenn ich ein Produkt möchte, das einen guten Einfluss auf Menschen hat, dann sollte es nachhaltig gefertigt sein.“ Deswegen werde auf kurze Transportwege, auf faire Produktionsbedingungen, schadstofffreie Textilien und auf eine sortenreine Fertigung geachtet.

Die Geschichte von Susanne Eidmann und Cluuv klingt nach Fügung, nach Zwangsläufigkeit, so, als habe es gar nicht anders kommen können. Tatsächlich gab es, seit die Unternehmerin 2018 das erste Patent angemeldet hat, auch Momente des Zweifelns, Situationen, in denen nicht alles glatt lief. Freude und Leid habe sie in der Selbstständigkeit intensiver erlebt als in ihren Jobs zuvor, berichtet Susanne Eidmann. „Aber die Freude darüber, das Fahrrad zu entwickeln, das ich mir wünsche, treibt mich an.“ Sie hoffe, dass sich der Trend, Rad zu fahren, fortsetze, sagt die Unternehmerin und zählt die Vorteile auf. Mit dem Lastenrad entfalle die leidige Parkplatzsuche, die Flexibilität sei höher, der Nutzen für die Umwelt und die eigene Gesundheit sowieso. „Man könnte es auch so sagen: Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun.“

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