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Ein Atelier im Wald bei Wiesbaden

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Von: Andrea Rost

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Wie die Stäbchen: Künstlerin Christiane Seitz hat im Wald eine „Mikado-Variation“ gebaut, die auch umfallen kann.
Wie die Stäbchen: Künstlerin Christiane Seitz hat im Wald eine „Mikado-Variation“ gebaut, die auch umfallen kann. © Michael Schick

Kunstschaffende lassen sich im Goldsteintal von der Natur inspirieren.

Das Reisig, das auf dem Tisch vor Doris Bardong liegt, haben sie und ihr Mann auf dem Boden im Schatten der alten Buchen gesammelt. Der Mischwald oberhalb der Hubertushütte im Wiesbadener Stadtteil Rambach ist auch der Ort, wo die Schlangenbader Künstlerin gerade arbeitet. Auf alte Holzplatten montiert sie die zarten Zweige, an denen zum Teil noch Knospen zu sehen sind und flicht das Reisig zu pittoresken Skulpturen. Eine sieht aus wie ein Vogelnest, eine andere ähnelt einem Kopf mit struppigen Haaren.

„Ich verwende fast ausschließlich Material aus der Natur, lasse mich von der Umgebung inspirieren“, sagt Bardong. Ihr bevorzugtes Material sei normalerweise Ton. „Die Arbeit hier ist für mich eine ganz neue Erfahrung.“

Doris Bardong ist eine von sieben Kunstschaffenden, die sich seit Mitte Juni an der Aktion „Mensch-Natur-Kultur im Goldsteintal“ beteiligen. Die Teilnehmenden hat der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Wiesbaden (BBK) nach einer beschränkten Ausschreibung ausgewählt.

Die Aktionsfläche liegt am Weg, der von der Hubertushütte ausgehend am Goldsteinbach entlang führt, inmitten eines artenreichen Mischwaldes. „Wir haben den Ort mit vielen Buchen bewusst ausgesucht“, sagt Organisatorin Ute Kilian. Die Buche sei der Baum des Jahres 2022. Der Stadtwald, der naturnah bewirtschaftet werde, sei an dieser Stelle nicht „aufgeräumt“ und damit eine Fundgrube für Künstlerinnen und Künstler.

Ute Kilian hat bis Mitte vergangenen Jahres den Wiesbadener Tierpark Fasanerie geleitet. Jetzt ist die ausgebildete Försterin und freischaffende Künstlerin im Ruhestand. Bereits während ihres Studiums habe sie sich mit dem Thema „Baum und Wald in der Kunst“ beschäftigt, erzählt sie. Die enge Verbindung von Natur und Kultur habe sie durch ihr ganzes Arbeitsleben begleitet. „Der Mensch ist ein kulturschaffendes Wesen und zugleich Teil der Natur, da gibt es keine Trennung, das ist eine Einheit“, findet sie.

Gemeinsam mit dem Mainzer Künstler Andreas Korridas organisiert sie die Veranstaltungsreihe „Mensch-Natur-Kultur“ im Wiesbadener Stadtwald, die im vergangenen Herbst mit einer Aktion auf dem Goldstein startete. 23 Künstlerinnen und Künstler beteiligten sich daran. Gründflächenamt und Kulturamt unterstützen die Aktion.

Verantwortung spüren

„Wir wollen Menschen die enge Verbindung von Kultur und Natur nahe bringen, sie ihre Verantwortung für beides spüren lassen“, sagt Ute Kilian. Wanderer könnten im Goldsteintal jederzeit mit den Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch kommen, ihnen bei der Arbeit zusehen, die Kunstwerke, die sich teilweise direkt in die natürliche Umgebung einfügen, betrachten.

Die Vielfalt der Arbeiten ist groß. Klaus Seibold etwa schafft riesige Rahmen, durch die sich in die in Landschaft schauen lässt. Die Wiesbadenerin Uta Weil lenkt durch selbst gestaltete Rahmen den Blick auf Details in der Nähe. Renate Schwarz-Kraft aus Mainz hat aus Draht die Silhouette einer Hirschkuh geschaffen. Die Mainzer Künstlerin Christiane Steitz lässt Passant:innen mit künstlerisch gestalteten großen Mikadostäben spielen und so die Sensibilität des Ökosystems erfassen. Mit dabei sind auch Tine Kaiser aus Wiesbaden und Usch Quednau aus Köngernheim.

Gearbeitet wird im Goldbachtal noch bis zum 10. Juli. Öffentliche Führungen finden am Sonntag, 3. Juli, 16 Uhr, sowie am Samstag, 9. Juli, 16 Uhr, statt. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die aktuelle Projektfläche der Aktion „Mensch-Natur-Kultur“ ist mit der Buslinie 16, Haltestelle Goldsteintal und einem 30-minütigen Spaziergang durch das Goldsteintal zu erreichen. Alternativ kann man mit dem Auto zum Parkplatz hinter der Hubertushütte fahren. Von dort dauert der Fußweg zehn Minuten.

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