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Drei Mal zu spät in der Schule: 50 Euro

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Von: Arne Löffel

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Süßes Nichtstun und Schwänzen kann für Dürer-Schüler teuer werden.
Süßes Nichtstun und Schwänzen kann für Dürer-Schüler teuer werden. © Michael Schick

Mit Bußgeldverfahren will die Albrecht-Dürer-Schule in Wiesbaden Druck auf Schüler und Eltern ausüben. Kommt ein Schüler drei Mal zu spät, sind 50 Euro fällig. Sollte die Person wieder zu spät zum Unterricht erscheinen, könne das Bußgeld auf bis zu 600 Euro angehoben werden.

Die Schülerinnen und Schüler der Albrecht-Dürer-Schule nehmen’s mit der Pünktlichkeit nicht ganz so genau. „Wir haben eine Zeit lang alle Zuspätkommer im Sekretariat vorsprechen und den Grund ihrer Verspätung erfassen lassen. 95 Prozent gaben an, verschlafen zu haben“, berichtet die Schulleiterin, Anna Marx, der FR und befürchtet schlimme Folgen für den weiteren Lebensweg ihrer Schützlinge, wenn sich das Verhalten nicht ändert. „Was sollen denn die Arbeitgeber später einmal sagen, wenn die Angestellten ständig zu spät kommen“, sorgt sich Marx.

Aus diesem Grund diskutiere die Schule in den Gremien derzeit über eine konsequentere Durchsetzung eines Bußgeld-Systems. Prinzipiell ist es möglich, dass eine Schule bei andauernden Verspätungen und Unterrichtsversäumnissen beim staatlichen Schulamt einen Antrag auf Bußgeld stellt. Dieses Bußgeld müssen die Eltern der Schüler zahlen, die der allgemeinen Schulpflicht nicht nachkommen. Sozusagen als Erinnerung an die Erziehungsaufgaben der Eltern.

Dass diese Möglichkeit besteht, wissen alle Schülerinnen und Schüler seit Anfang des Schuljahres. Ein entsprechendes Schreiben, das in Kopie der Redaktion vorliegt, wurde an alle Schüler verteilt. Aus dem Schreiben geht hervor, dass bei wiederholtem unentschuldigten Fehlen die Eltern informiert und gegebenenfalls zum Gespräch in die Schule gebeten werden.

Sollten sich die Eltern hier hartleibig und uneinsichtig zeigen, sich das Verhalten der Tochter oder des Sohnes nicht bessern, droht die Schulleitung in diesem Schreiben mit Bußgeld und Ordnungswidrigkeitsverfahren. Das kann die Schule aber nicht selbst verhängen, sondern braucht hierfür die Unterstützung des staatlichen Schulamts Wiesbaden.

Jakob Kirfel, der Sprecher des „Stadtschüler_Innenrats Wiesbaden“ hält die Reaktion der Schulleitung auf die Zuspätkommer für „überzogen“. Der Interessensvertretung der Wiesbadener Schülerinnen und Schüler sei berichtet worden, „dass die Klassenleitung in mindestens einer Klasse darauf hingewiesen habe, dass nach dreimaliger Verspätung die betreffende Person ein Bußgeld von 50 Euro zu zahlen habe. Sollte die Person wieder zu spät zum Unterricht erscheinen, könne das zu zahlende Bußgeld auf bis zu 600 Euro angehoben werden“, so Kirfel in einer Pressemitteilung.

Marx räumt ein, dass manche Dinge gegenüber dem einen oder anderen Schüler drastisch dargestellt werden müssen, damit sie ankommen. „Wir verhängen kein Bußgeld, weil jemand fünfmal zu spät kommt. Im ganzen vergangenen Schuljahr haben wir zwei Anträge auf Bußgeld beim Schulamt gestellt, die auch umgesetzt wurden“, berichtet Marx. In beiden Fällen habe es sich um Langzeitschwänzer gehalten, die mehr als vier Wochen dem Unterricht ferngeblieben seien.

Falscher pädagogischer Weg

Marx geht es bei der Androhung des Bußgelds nach eigener Aussage vor allem um den pädagogischen Aspekt. „Zum Teil werden uns die Schülerinnen und Schüler von der Polizei in die Schule gebracht, weil sie während der Schulzeit irgendwo aufgegriffen wurden. Da muss man als Schule gegenüber Eltern und Schülern deutlich werden, das zeigt ansonsten keine Wirkung“, sagt sie der FR.

Kirfel nimmt seine Altersgenossen in Schutz: Die Verspätungen an der Dürer-Schule seien zu einem Gutteil auf eine „katastrophale Busanbindung“ zurückzuführen. Hier habe der Schülerrat bereits Gespräche mit Eswe Verkehr anberaumt. Das Signal der Bußgeldandrohung halte er zudem für den falschen pädagogischen Weg. Schule, so Kirfel, solle Spaß machen. „Mit Geld- und Freiheitsstrafen bekämpft man keine sogenannten ,Schulvermeider‘. Dies tut man durch die Verbesserung des Schulklimas und durch Gestalten von ansprechenden Inhalten“, betont Kirfel.

Marx gibt sich indes enttäuscht von Kirfels Gang an die Öffentlichkeit. „Wir befinden uns mitten in Zeugniskonferenzen und hatten darum gebeten, das Thema im Anschluss zu bearbeiten. Wir pflegen hier eine demokratische Kultur und binden selbstverständlich die Schülervertretung mit ein“, so Marx.

„Die Schulleitung nannte dem Vorstand bisher keinen Gesprächstermin und zeigte sich auch sonst wenig kooperativ“, rechtfertigt Kirfel das Einbinden der Öffentlichkeit. „Es ist unsere Pflicht, uns für die Schülerinnen und Schüler Wiesbadens einzusetzen.“

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