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Die Sibirische Schwertlilie hatte es dem Pflanzenmaler Emil Pfeiffer besonders angetan.
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Die Sibirische Schwertlilie hatte es dem Pflanzenmaler Emil Pfeiffer besonders angetan.

Wiesbaden

Doktor Pfeiffer aus Wiesbaden und seine Pflanzen

  • VonMirjam Ulrich
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Der Arzt Emil Pfeiffer malte botanische Aquarelle. Mehr als 1110 davon sind in der naturwissenschaftlichen Sammlung des Museums Wiesbaden zu sehen.

Die Krankheit, die seinen Namen trägt, kennen Viele: Pfeiffersches Drüsenfieber. Wenige wissen jedoch, dass der Internist und Kinderarzt Emil Pfeiffer, der die Erkrankung 1889 erstmals beschrieb, ein waschechter Wiesbadener war. Und kaum jemandem ist heutzutage noch bekannt, dass der Mediziner auch ein leidenschaftlicher Botaniker und Pflanzenmaler war. Mehr als 1100 seiner Pflanzenaquarelle blieben erhalten und befinden sich in den naturwissenschaftlichen Sammlungen des Museums Wiesbaden. „Emil Pfeiffer wies etwa 2000 Pflanzen in der Region nach“, sagt der Biologe Fritz Geller-Grimm, Leiter der Sammlung. „Dass jemand Pflanzen aber nicht nur listet, sondern auch aquarelliert, ist eine Besonderheit und ein Schatz für das Museum.“

Emil Ludwig Wilhelm Pfeiffer kam am 1. März 1846 in Wiesbaden als viertes von acht Kindern zur Welt. Sein Vater Johann Philipp Bernhard Pfeiffer war Revisor im nassauischen Finanzministerium und ein wohlhabender Mann. Seine Mutter Elisabetha galt als Naturliebhaberin und Kennerin der Pflanzenwelt. Wahrscheinlich weckte sie sein Interesse an der Botanik. Bereits als Schüler des Gelehrten Gymnasiums – seit 1951 Diltheyschule – fertigte er Pflanzenaquarelle an.

Nach dem Abitur 1865 studierte er Medizin in Bonn, Würzburg und Berlin, wo er vier Jahre später promovierte. 1870 erhielt er die Approbation und verpflichtete sich im Juni als freiwilliger Arzt beim preußischen Militär – eine Möglichkeit, den Wehrdienst abzukürzen. Im Juli 1870 erklärte Frankreich Preußen den Krieg, an dem der 24-Jährige als Feldassistenzarzt teilnahm. Eine prägende Erfahrung, er lehnte den preußischen Militarismus ab. Ohnehin vertrat er eine liberale Haltung.

virtuelles museum

Die Pflanzenaquarelle von Emil Ludwig Wilhelm Pfeiffer lassen sich online betrachten unter der Adresse pfeiffer.museum-wiesbaden.de.

Der Botaniker Sylvain Hodvina hat als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Museums Wiesbaden das Werk Emil Pfeiffers wissenschaftlich aufgearbeitet.

Der Mäzen Alfred Weigle finanzierte mit seiner Stiftung diese Arbeit und machte so Pfeiffers Werk öffentlich zugänglich. miu

Emil Pfeiffer ließ sich 1872 als praktischer Arzt in Wiesbaden nieder und wurde bald darauf auch städtischer Armenarzt. „In den folgenden neun Jahren malte er nur noch sechs Pflanzenaquarelle, dann mehr als drei Jahrzehnte lang gar keine mehr“, weiß Kurator Fritz Geller-Grimm. Erst einmal konzentrierte sich Pfeiffer auf seinen Beruf und andere Interessen, doch trat er 1874 dem Nassauischen Verein für Naturkunde bei. Im selben Jahr heiratete die 19-jährige Auguste Henriette Wilhelmi, jüngste Tochter des evangelischen Landesbischofs. Sie bekamen drei Kinder in fünf Jahren.

Die Sonntage verbrachte die Familie in dem großen Garten, den der Mediziner an der Mainzer Straße pachtete. Dort pflanzte er Obstbäume an und züchte zahlreiche Schwertlilien. Bevor morgens sein 16-stündiger Arbeitstag begann, ging er in seinen Garten. Später besaß er noch einen zweiten Garten an seiner Villa, die er 1897 an der Parkstraße, gegenüber des Kurparks errichten ließ. Da war der Arzt durch seine vielen Publikationen längst im In- und Ausland bekannt.

1881 veröffentlichte er „Die Trinkkur in Wiesbaden“ und etablierte sie damit wieder neben der Badekur. Sein Werk „Wiesbaden als Curort“ förderte den Ruf seiner Heimatstadt als Weltkurstadt. Es wurde sechsmal aufgelegt und ins Englische, Französische und Russische übersetzt. Er regte die Gründung des „Wiesbadener Kurvereins“ an und beteiligte sich am Bau des luxuriösen Auguste-Victoria-Bads an der Frankfurter Straße.

1881 zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, deren Sekretär er bis 1914 war. Zudem engagierte er sich 18 Jahre lang als Sekretär der Gesellschaft für Kinderheilkunde. Seit Anfang der 1880er-Jahre beschäftigte er sich mit der hohen Säuglingssterblichkeit. In seinen Schriften propagierte er das Stillen. Seine Bücher über Gicht brachten ihm eine Einladung des persischen Schahs nach Teheran ein, der sich von ihm behandeln ließ. Erst ab 1915 fand Emil Pfeiffer wieder Zeit für seine Aquarelle. Fortan arbeitete er wieder an seiner gemalten Flora von Wiesbaden. Am 13. Juli 1921 erlitt er in seinem Garten einen Schlaganfall und fiel von der Leiter. An dem Schädel-Basis-Bruch starb er noch am selben Tag im Krankenhaus.

Emil Pfeiffer, Arzt und Pflanzenmaler.

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