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Playmobilfiguren zeigen die Aufteilung und Gleichförmigkeit des 600 Mann starken Heeres. 480 davon waren Fußsoldaten.
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Playmobilfiguren zeigen die Aufteilung und Gleichförmigkeit des 600 Mann starken Heeres. 480 davon waren Fußsoldaten.

Wiesbaden

Die Waffen der Römer

  • VonAnke Hillebrecht
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Das Saalburgmuseum zeigt Sammlung rekonstruierter Geschütze.

Es ist ein kleiner Raum, die Armamentaria, die Waffenkammer der Saalburg – und doch sind hier große, beeindruckende Exponate zu sehen. 16 Nachbildungen antiker Geschütze – sie sind rund 120 Jahre alt – lehren Besucher:innen des Römerkastells nun das Fürchten. Die neue Dauerausstellung, die am heutigen Freitag eröffnet wird, befasst sich mit Bewaffnung und Waffentechnik der römischen Grenztruppen.

Es ist eine weltweit einzigartige Sammlung rekonstruierter antiker Geschütze, wie Saalburg-Direktor Carsten Amrhein erläutert, und erstmals vollständig zu sehen. Geschütze aus dem Depot stehen neben Leihgaben eines anderen Museums. Gebaut hat sie seinerzeit Artillerie-Oberst Erwin Schramm mit großzügiger Unterstützung des waffenbegeisterten Kaisers Wilhelm II.

Was auf den ersten Blick aussieht wie eine große Armbrust, funktioniert aber nicht wie Pfeil und Bogen – die Kunst der Verteidigung war zu hellenistischer und römischer Zeit schon weiter. Bereits seit dem 3. Jahrhundert vor Christus gab es Geschütze wie die hier dargestellten: Durch Torsion – das Drehen elastischer Seile aus Pferdehaar oder Tiersehnen - entstand eine ungeheure Kraft, die in den frühen „Maschinengewehren“ gespeichert und zum richtigen Zeitpunkt abgerufen werden konnte. Gefeuert wurden Steinkugeln unterschiedlichen Kalibers. Da die Geschosse punktgenau landen konnten, handelte es sich um Präzisionswaffen.

Wie übermächtig der größte Geschütztyp der Antike wirkte, veranschaulicht ein fünf Meter hohes Wandbild, das ein dreitalentiges Geschütz in Originalgröße zeigt. Drei kräftige Soldaten brauchte man, um es zu bedienen. Die Geschütze kamen etwa bei Belagerungen zum Einsatz – auch am Limes.

Neu in der Ausstellung sind die zeitgemäßen didaktischen Elemente. „Unsere Besucher, vor allem die jüngeren, mögen gern etwas zum Anfassen“, weiß Amrhein. Und so kann man jetzt nicht nur Exponate anschauen, sondern auch an einem Modell spüren, wie hoch der Torsionsdruck ist; man kann Schwerter in die Hand nehmen und an einer Replik auch mal erspüren, wie schwer (und ölig) ein Kettenhemd war. Zudem gibt es digitale „Medienstationen“, die per Fingerdruck mit bunten Grafiken Näheres über die Historie erzählen.

Möglichst wenig Gedrucktes, dafür mehr fürs Auge: Das war die Maxime für die neue Schau, erläutert Amrhein. So steht man zuerst zwei römischen Soldaten samt ausgestopftem Pferd gegenüber. Wer erstaunt ist, dass der Söldner blond ist, dem sei gesagt, dass sich das Römische Reich bekanntlich bis nach Nordwesteuropa erstreckte – die Saalburg wurde um 135 n. Chr. von der 2. Raetischen Kohorte ausgebaut. Die Räter lebten nördlich der Alpen. Weiteres Fußvolk wurde in unseren Breiten rekrutiert. „Das waren Leute wie du und ich“, sagt der Museumsdirektor.

Apropos: Besagtes Heer aus 480 Fußsoldaten und 120 Reitern ist von allen Seiten zu bewundern – als Playmobilfiguren. Eine Wandgrafik erklärt Näheres. Der Nachbau eines Limes-Wachturms im Maßstab 1:2 zeigt, wie die Soldaten lebten. In einer Vitrine sind 150 Geschossspitzen zu sehen – alles Originale. Weitere echte Fundstücke sind: ein grünlicher Helmbügel, eine zierliche Gewandfibel, der Teil eines Schwertes – und ein Häuflein Metall, das ein Kettenhemd aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. ist: Es sind diese Exponate, gefunden in der (Taunus-)Erde und seit mehr als 2000 Jahren erhalten, die am meisten verblüffen.

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