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Die Salzbachtalbrücke in Wiesbaden schiebt sich Stück für Stück übers Tal

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Von: Madeleine Reckmann

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Auf dem Weg nach drüben: Da hat das Brückenelement den ersten Pfeiler noch nicht ganz erreicht.
Auf dem Weg nach drüben: Da hat das Brückenelement den ersten Pfeiler noch nicht ganz erreicht. © Rolf Oeser

Meilenstein im Brückenbau: Die Stahlkonstruktion erreicht langsam den ersten Pfeiler.

Die Attraktion des gestrigen Tages zu bestaunen, erfordert Geduld und ein ruhiges Auge. Der erste Abschnitt des Südteils der Salzbachtalbrücke sollte bis zum ersten, 78 Meter entfernt stehenden Pfeiler geschoben werden, kündigt die Autobahngesellschaft des Bundes an, die den Neubau der Salzbachtalbrücke managt. Es handelt sich um den ersten Verschub von vieren, bis das Brückenteil auf der anderen Seite des Tals angekommen ist, laut Autobahngesellschaft ein Meilenstein. Wann sieht man schon mal eine sich durch die Luft bewegende Stahlkonstruktion?

30 Meter hatte der autobahnblaue Stahlkoloss seit sechs Uhr bis zum Vormittag schon zurückgelegt, erklärt Matthias Achauer, bei der Autobahngesellschaft zuständig für den Brückenbau und das Baustellenmanagement. Nun hängt die 940 Tonnen schwere Konstruktion auf halbem Weg im Freien. Vorne ist ein rote, leichtere Stahlkonstruktion, die im Fachjargon „Vorbauschnabel“ heißt, zu erkennen. Es ist ein Behelfsteil, das Gleichgewicht herstellt und dafür sorgt, dass der Pfeiler richtig getroffen wird.

Die Brücke, auf der die A66 verläuft, war im November 2021 wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Nun wird am Neubau geschuftet. Die ersten beiden der drei Pfeiler für die Südbrücke sind schon fertig, der erste Teil der Stahlkonstruktion ebenfalls. Das Riesenteil liegt auf dem Montageplatz auf der Ostseite des Tals, wo Arbeiter die riesigen Stahlteile zusammenbauen und -schweißen und von wo die Brücke in Richtung Westen aufgebaut wird. Jetzt soll das Stahlkonstrukt bis zum ersten Pfeiler geschoben werden. Da ist doch nichts zu sehen – meint man.

Nur wer genau hinschaut, beobachtet, wie sich der Koloss langsam übers Tal bewegt. „Die Hydraulikanlage schafft einen halben Meter in zwei Minuten“, erklärt Achauer. Dann ist Pause. Die Konstruktion muss mit enormen Gewichten ballastiert werden, damit sie gerade auf den Pfeiler zuwandern kann. Die Hydraulikanlage zieht das Brückenteil an 24 Stahlseilen, die Seile werden am Fuße der Böschung neben dem Montagefeld aufgerollt. Damit das Brückenteil lautlos dahingleiten kann, liegt es auf Teflonkissen; zusätzlich streicht ein Bauarbeiter die Unterseiten der Stahlbrücke ständig mit Schmierseife ein, damit es schön glitscht. So kann die Brücke zehn bis 15 Meter in der Stunde zurücklegen.

Salzbachtalbrücke

Die 1963 erbaute Salzbachtalbrücke ist am sechsten November 2021 gesprengt worden, nachdem im Nordteil Risse im Bauwerk aufgetreten waren. Der Südteil war wegen Baufälligkeit bereits stillgelegt gewesen. Die Südbrücke sollte ursprünglich abgetragen und neu aufgebaut werden, während der Verkehr auf dem Nordteil rollen sollte.

Seit der Sperrung im Juni 2021 ist die Autobahn 66 zwischen Frankfurt und dem Rheingau nicht durchgängig befahrbar.

Der Bund investiert rund 150 Millionen Euro in den Ersatzneubau der Salzbachtalbrücke. mre

Auf dem Brückenpfeiler soll eine sogenannte Wippe zunächst den Vorschubschnabel und dann das Brückenteil in Empfang nehmen. Ist das gelungen, beginnen die Arbeiter heute schon damit, das zweite Brückenteil zusammenzubauen. Die Teile lagern auf der Baustelle. Dann wird das Brückenelement auf den ersten Pfeiler geschoben, während das erste Stück auf den zweiten Pfeiler wandert. Mitte November könnte es soweit sein. So geht das vier Mal, bis die Südbrücke komplett ist.

Eigentlich war der erste Verschub für Ende August geplant. Wegen der großen Hitze in diesem Sommer seien die Schweißarbeiten jedoch nicht so schnell vorangekommen, erläutert Achauer. Das Deckblech sei teilweise so heiß gewesen, dass die Arbeiter den Korrosionsschutz nicht aufbringen konnten.

Trotz der Verzögerung halten Anne Rethmann, Geschäftsführerin Finanzen der Autobahn GmbH des Bundes, und Ulrich Neuroth, Direktor der Niederlassung West, am seit November 2021 geltenden Zeitplan fest. Ende 2023 soll die Südbrücke in Betrieb gehen.

Dann soll der Verkehr wenigstens auf der einen Brückenhälfte in beide Richtungen laufen. Der Nordteil der Salzbachtalbrücke soll 2025 fertig werden. Der erste Pfeiler steht schon, am Fundament für den zweiten wird gearbeitet.

Bauarbeiter kontrollieren den Verschub genau.
Bauarbeiter kontrollieren den Verschub genau. © Rolf Oeser

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