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Seit 2017 müssen Bordelle eine Konzession vorlegen.
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Seit 2017 müssen Bordelle eine Konzession vorlegen.

Wiesbaden

Die Not der Wiesbadener Prostituierten

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Frauenbeauftragte schildert die Situation in Bordellen und möchte Strafen für Freier einführen.

Als das Prostituiertenschutzgesetz 2017 in Kraft trat, war für Saskia Veit-Prang die Enttäuschung groß. Die Wiesbadener Frauenbeauftragte, die sich seit 30 Jahren mit dem Thema Prostitution befasst, hatte sich mehr Kontrollen erhofft, damit die neuen Auflagen für Prostituierte und Bordellbetreiber eingehalten würden. Stattdessen beobachtet sie, wie das Geschäft zunehmend grausamer wird und das neue Gesetz die Frauen aufgrund des Gewaltcharakters der Prostitution nicht schützen kann.

In Wiesbaden seien zwar 2018 und 2019 mit jeweils 260 Genehmigungen eine relativ kleine Zahl an Prostituierten im Geschäft. Aber eine weitaus größere Zahl sei illegal tätig. Schätzungen zufolge arbeiteten in Deutschland zehnmal so viele Frauen illegal wie legal. „Bitte glaubt nicht, Wiesbaden habe kein Problem mit Prostitution, nur weil sie nicht sichtbar ist“, sagt Veit-Prang, die das Gesetzgebungsverfahren 2016 als Bundessprecherin der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands begleitet hatte. Das Internet habe es ermöglicht, dass sich die unerlaubte Wohnungsprostitution in ganz Wiesbaden ausbreite.

Das GEsetz

Das Prostitutionsgesetz von 2002 erklärt erstmals die Geschäftstätigkeit der Prostituierten nicht mehr als sittenwidrig und definiert sie als Erwerbstätigkeit. Die Zuhälterei ist erlaubt, so lange keine Ausbeutung besteht. Es wird davon ausgegangen, dass sich Prostituierte renten-, kranken- und sozialversichern.

Die Gesetzesänderung von 2017 sieht eine Anmeldepflicht für Prostituierte, Erlaubnispflicht für das Gewerbe, Gesundheitsberatung und Kondompflicht vor.

Das Nordische Modell gilt in Schweden, Norwegen und Island. Es verbietet Prostitution, stellt die Prostituierten aber straffrei. Freier und Zuhälter werden bestraft. mre

Illegal arbeitende Prostituierte befänden sich in akuten Notsituationen, berichtet die Frauenbeauftragte, sie würden von Zuhältern in Reisebussen von Stadt zu Stadt gefahren, um den Freiern Abwechslung, „Frischfleisch“ nennt sie dieses Geschäftsmodell, zu bieten. In der Regel stammten sie aus Osteuropa, der Dominikanischen Republik oder Kuba, wüssten nicht, in welcher Stadt sie sich befänden, sprächen kein Deutsch und müssten wie Sklavinnen Akkordarbeit verrichten – mindestens fünf Freier am Tag, um allein die Zimmermiete für etwa 200 Euro am Tag zu bezahlen. In mehrstöckigen Groß-Bordellen, die in jeder Etage „unterschiedliche Themenfelder“ anböten, werde die ausweglose Lage der Frauen ausgenutzt. „Die meisten sind nicht krankenversichert“, sagt Veit-Prang, „es gibt kein Mitgefühl für sie.“

Für die Frauenbeauftragte steht daher fest, dass das Gesetz geändert werden muss. „Solange Prostitution als ‚Beruf‘ oder ‚Sexarbeit‘ betrachtet wird und kein Verständnis darüber besteht, warum Frauen in der Prostitution landen“, könne ihnen nicht geholfen werden. Sie plädiert dafür, das Nordische Modell, das die Freier aber nicht die Prostituierten bestraft, einzuführen. Auf kommunaler Ebene sei es wünschenswert, bei Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz nicht den Frauen, sondern den Feiern das Bußgeld aufzuerlegen. Zudem wünscht sie sich niedrigschwellige Hilfen.

In Wiesbaden sei es gelungen, die legale Prostitution besser zu überwachen. Ein interdisziplinäres Netzwerk, in dem alle beteiligten Behörden und Institutionen zusammenarbeiten, schaffte es laut Veit-Prang „bundesweit als eines der Best-Practice-Beispiele“ das Gesetz von 2017 gut umzusetzen. Die Konzessionen für Bordelle, die Arbeitsgenehmigungen der Prostituierten und die Auflagen zur Hygiene und Gesundheit würden überprüft. Unter Federführung des Ordnungsamtes sei es gelungen, die Zahl der Bordelle von 70 auf acht zu verringern. Dennoch komme die Stadt nicht gegen die kriminellen Machenschaften der international agierenden Zuhälter an.

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