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Bei der Weihnachtsfeier des Schwimmvereins Delphin in Wiesbaden kommt der Weihnachtsmann im Schlauchboot.

Wiesbaden

Preis für Schwimmverein

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Der SV Delphin erhält eine Anerkennung für sein Engagement. Das ist auch nötig, denn immer weniger Kinder in Deutschland lernen zu schwimmen

Am Ende kommt der Weihnachtsmann übers Wasser und verteilt kleine Geschenke. In der Trainingshalle des Kleinfeldchens feiert der Schwimmverein Delphin Wiesbaden den Abschluss der Vereinsmeisterschaft. Grund zum Feiern ist aber auch sein erfolgreiches Engagement für den Sport und die Gesellschaft, das nun finanziell anerkannt wird. So habe die Wiesbadener Sportförderung „Wispo“ Fördermittel zugesagt, berichtet Gerhard Strauch, der Vereinsvorsitzende. Von der Naspa-Stiftung gab es im Herbst eine Spende in Höhe von 1500 Euro und von Lotto Hessen einen Anerkennungspreis für die Integration von Flüchtlingen.

Der 1996 gegründete Verein ist mit etwa 560 Mitgliedern der kleinere der beiden Wiesbadener Schwimmvereine. Acht Schwimmerinnen und Schwimmer zählen in 20 Disziplinen bundesweit zu den Top Ten ihrer Altersklasse und nehmen regelmäßig an Deutschen Meisterschaften teil. Inzwischen sind sie sogar international unterwegs. Zum dreiköpfigen Team, das gerade am internationalen Popov-Cup 2018 im russischen Jekaterinenburg teilnimmt, gehört die 13-jährige Masniari. „Das Talent hat sie nicht von mir“, sagt ihr Vater Harald Wolf.

Eben hat sein neunjähriger Sohn Parulian bei den Vereinsmeisterschaften in der Mehrkampfwertung den ersten Platz belegt. Im Alter von sieben Jahren haben ihn die Eltern in der Schwimmschule des SV Delphin angemeldet. „Uns war es wichtig, dass sich unsere Kinder fit und selbstständig im Wasser bewegen können“, sagt Harald Wolf. Später sei das viel schwieriger zu lernen.

Zahl der Nichtschwimmer hoch

„Es können immer weniger Menschen schwimmen“, sagt Gerhard Strauch. Eine repräsentative Umfrage der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft DLRG im Jahr 2017 ergab, dass in Deutschland 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer sind. Das heißt, sie erfüllen nicht mindestens die Anforderungen an das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, den Freischwimmer.

Der Anteil der Nichtschwimmer und unsicheren Schwimmer in der Bevölkerung beläuft sich laut Umfrage auf 52 Prozent. Die Folgen: In den ersten acht Monaten des Jahres 2018 sind nach Angaben der DLRG allein in Hessen 35 Menschen ertrunken, 21 mehr als 2017. Insgesamt sind bis Ende August 2018 in deutschen Gewässern mindestens 445 Menschen ertrunken, 148 mehr als im Vorjahreszeitraum. Das ist der höchste Stand seit zehn Jahren. „In Schulen fällt der Schwimmunterricht häufiger aus, und es fehlen die Lehrer“, sagt Strauch. Der Verein könnte mehr Kurse anbieten, doch gebe es in Wiesbaden nicht genug Wasserflächen, bedauert er. Für die Schwimmkurse des SV Delphin gibt es deshalb Wartelisten; auch die anderen Angebote wie Aqua-Jogging und Aqua-Zumba sowie Kurse für Schwangere sind sehr gefragt.

Der neunjährige Haysam hat in der dritten Klasse schwimmen gelernt. „Danach wollte er in einen Schwimmkurs, um seine Ausdauer und Technik zu verbessern“, erzählt seine Mutter Nora Naser. Sie selbst möchte auch gern schwimmen lernen. Am Schwimmkurs für geflüchtete Frauen montagabends kann sie aber nicht teilnehmen, sie macht derzeit an der Abendschule ihren Realschulabschluss. Seit 2016 bietet der SV Delphin Schwimmkurse für Flüchtlinge an, etwa 100 haben bislang daran teilgenommen. Für dieses Engagement hat der Verein beim „Oddset Zukunftspreis des hessischen Sports 2018“ 2000 Euro bekommen.

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