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Ernst Kluge am Salzbach.
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Ernst Kluge am Salzbach.

Wasserschutz

Der Wiesbadener Salzbach soll renaturiert werden

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Zurzeit fließt das Gewässer in einem gemauerten Bett. Viel Platz bietet sich für das Unterfangen nicht.

Im 19. Jahrhundert verschwand der Salzbach aus den Augen der Wiesbadener. Der wichtigste Bach der Stadt wurde in unterirdische Kanäle verlegt. Er entsteht aus dem Zusammenfluss von Rambach und Schwarzbach, später fließt der Wellritzbach hinzu, alles unter der bebauten Stadt. Das gesamte Wasser von den Hängen rund um Wiesbaden findet seinen Weg zum Salzbach, bevor dieser in den Rhein mündet. Nur das Teilstück vom Hauptklärwerk bis zum Industriepark Infraserv fließt unter freiem Himmel, aber eingezwängt in ein gemauertes Bett. Das könnte sich bald ändern.

Denn das Umweltamt plant, den Unteren Salzbach in den nächsten Jahren zu renaturieren. Wie das Amt auf Anfrage mitteilt, wurde für den Doppelhaushalt 2022/2023 das Geld für die Planung beantragt, 2023 oder 2024 könnten die Bauarbeiten beginnen. Bereits 2014 hatte es entsprechende Überlegungen gegeben. Das Regierungspräsidium ließ eine Machbarkeitsstudie erstellen, doch lange war nicht mehr die Rede davon.

Der Weg zum Unteren Salzbach führt durch dichtes Gestrüpp. Fast könnte man meinen, es sei unberührte Natur. Ein richtiger Bach ist der Salzbach jedoch nicht. Er gibt ein trauriges Bild ab. Das Wasser fließt in einer kleinen Rinne, von Fachleuten Trockenwettergerinne genannt. Sie wird von einem gemauerten offenen Kanal umfasst, dem Hochwassergerinne, in dem das Wasser bei starken Regengüssen enorm anschwillt und mit rasender Geschwindigkeit abwärts saust.

Wie hoch das Wasser steigen kann, zeigen Fetzen von Toilettenpapier, die sich in den Büschen am Ufer verfangen haben – bis auf Schulterhöhe. Das dürfte nicht sein. Bei Regen wird Abwasser über große Hauptsammler zur Kläranlage geleitet. Leider sei „der sich automatisch reinigende Rechen, über den das Abwasser vor Ableitung in den Bach von gröberen Inhaltsstoffen gereinigt wird, defekt“, schreiben die Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt (ELW) auf Anfrage. Die Reparatur werde veranlasst.

Eine vollständige Renaturierung des Unteren Salzbachs sei nur schwer vorstellbar, erklärt Ernst Kluge, früherer Abteilungsleiter des Wiesbadener Umweltamts. Dieses Teilstück des Bachs liegt zwischen Bahngleisen und Klärwerk auf engem Raum. Kluge schätzt, dass das Gewässer innerhalb der Ufermauern auf etwa fünf Metern Breite ein renaturiertes Bett erhalten könne. Weiter unten, südlich des Hauptklärwerks, könnten es fünf bis zehn Meter sein, auf die sich der Bach ausbreitet, vielleicht auch mehr. Es sei ein anspruchsvolles Unterfangen, den Bach so zu verändern, dass er bei Regenwetter den Fluten standhält. Felsen und Baumstämme könnten bei Hochwasser wie in den Alpen das Wasser bremsen.

Die Renaturierung dieses Teilstücks ist laut Kluge nicht genug. Anlässlich des Jahres des Wassers, das die Landeshauptstadt 2022 begehen möchte, wünscht er sich, die Stadt möge mehr für ihre Gewässer tun. Der Fachmann für Wasserwirtschaft und Wasserökologie spricht sich dafür aus, das Kanalsystem, in dem das Regenwasser abfließt, von den Bächen zu trennen. Aktuell laufen nach seinen Worten 30 Prozent des Kessel- und Wellritzbachs durch die Kläranlage. Unnötig, wie Kluge findet. 15 Prozent würden reichen und das Klärwerk entlasten. Auch das Thermalwasser, von dem 700 000 bis 800 000 Kubikmeter jährlich im Abwasser landen, habe in der Kläranlage nichts zu suchen, sondern müsse in die Bäche geführt werden. Auch in den Salzbach.

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