Die Betonplatte für die Unterführung.
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Die Betonplatte für die Unterführung.

Schwalbacher Straße

Deckel drauf, Klappe zu

  • Ute Fiedler
    vonUte Fiedler
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Die Unterführung der Schwalbacher Straße wird nun endgültig versiegelt. Die Kosten für ihren Erhalt nahmen am Ende so überhand, dass ein Betonverschluss als beste Lösung dasteht.

Sorgfältig trägt Maic Apitz blaue Isoliermasse, die aussieht wie zäher Kaugummi, auf die Betonplatten auf. Er und seine Kollegen von der Firma Brömer haben bereits ganze Arbeit geleistet: Von der Unterführung unter der Schwalbacher Straße, durch die Fußgänger von der Faulbrunnenstraße zum Platz der deutschen Einheit gingen, ist kaum mehr etwas zu sehen.

Gut eine Woche sind die Arbeiter bereits am Werk und bekommen immer wieder Gesellschaft von neugierigen Passanten, die natürlich wissen wollen, was da los ist. „Die einen finden es schade, dass die Unterführung endgültig dicht gemacht wird“, sagt Apitz und streicht eine kleine Welle in der Masse mit der Kelle glatt. „Aber viele sagen auch, dass sie gut finden, dass das Dreckloch verschwindet.“

Die billigste Lösung

Apitz rümpft die Nase. So wie früher die Passanten, wenn sie durch den Schacht unter der Straße gingen. Denn die Unterführung war immer wieder als öffentliche Toilette missbraucht worden. Und nicht nur das. Oft wurde dort auch randaliert. 2010 war die Passage schließlich geschlossen worden – vorerst.

Doch jetzt heißt es endgültig: „Klappe zu.“ Um die Kosten für den Betrieb, die Sauberhaltung und für die Reparatur von Vandalismus-Schäden zu sparen, hatte das Stadtplanungsdezernat beschlossen, einfach einen Deckel auf die Unterführung zu setzen. Zudem entsprach die Passage, die nur über Treppenauf- beziehungsweise -abgänge zu erreichen war, nicht mehr den Standards der Barrierefreiheit und hätte entsprechend umgerüstet werden müssen.

17.000 Euro kostet das Unterfangen. Es ist die billigste Lösung. Würde man die Fußgängerunterführung wieder herstellen, kämen auf die Stadt Kosten von rund 400.000 Euro zu. Bei einer Verfüllung hätte sie 320.000 Euro aus dem Stadtsäckel zaubern müssen.

Kaum noch genutzt

Der Ortsbeirat ist zufrieden. „Die Unterführung wurde sowieso kaum noch genutzt. Ich glaube nicht, dass sie jemand vermissen wird“, sagt Peter Schickel, Sprecher der SPD-Fraktion im Ortsbeirat. So hätten sich die Mitglieder mit klarem Votum für die Versiegelung ausgesprochen. Schickel will auch beobachtet haben, dass Unterführungen im Allgemeinen nicht mehr so stark genutzt würden wie früher. „Am Hauptbahnhof gehen nur die hindurch, die es besonders eilig haben.“ Schickel führt diese Entwicklung unter anderem auf das Sicherheitsbedürfnis der Menschen zurück.

Zufrieden ist der Ortsbeirat auch, dass die neue Fläche nun als Fahrrad-Stellplatz genutzt werden soll. „Es war mal darüber diskutiert worden, dass die Westend-Künstler in der Unterführung ihre Werke ausstellen sollten. Aber das ist verworfen worden.“ Und so werde etwas für die Radfahrer getan – was in Wiesbaden ja nicht gerade selbstverständlich sei.

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