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Von: Madeleine Reckmann

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Die Journalistin Nina Römer stammt aus der Ukraine.
Die Journalistin Nina Römer stammt aus der Ukraine. © Rolf Oeser

Journalistin aus Wiesbaden diskutiert mit ihren Freundinnen über die Zukunft der Ukraine.

Im Internet bin ich über ein Video von n-tv gestolpert. Da diskutieren drei Minuten lang die Herren Jakob Augstein und Nikolaus Blome über die Ukraine. Einer will, dass die Ukrainer kapitulieren und dadurch ihre Dörfer und Städte vor der Zerstörung und Menschen vor dem Tod durch die Russen retten. Der andere ist eher skeptisch.

Ich habe mit meinen Freundinnen besprochen, warum eigentlich Mariupol, Kharkiv und andere Städte nicht sofort aufgegeben werden. „Ja, genau, das wäre schön“, sagt Iryna schmunzelnd.„es gäbe dann, wie es sich Herr Putin wünscht, mein Land nicht, mein Volk nicht, ja, es gäbe dann auch mich nicht. Nur Russen und Russland. Vielleicht auch bis nach Lissabon. Warum nicht? Alles ist möglich. Die beiden Herren müssen noch diese Option diskutieren.“

Aber Iryna ist Buchhalterin und sie spricht gleich über die Zahlen:„Wir haben bereits durch den Krieg über 500 Milliarden Euro verloren. Die Russen haben Tausende Kilometer Straßen, dutzende Bahnhöfe, Flughäfen, Brücken, Fabriken, Ölraffinerien und Treibstofflager sowie zehn Millionen Wohnfläche und 200000 Autos zerstört, um nur einiges zu nennen. Putin ist es egal, ob wir kapitulieren oder nicht. Er will uns in jedem Fall „demilitarisieren“.

„Gibt es in Deutschland Geschichtsunterricht in Schulen? Oder Internet?“ fragt Elena. „Mit Wiki kann man einige Wissenslücken auffüllen.“ Es gab schon einmal kluge Franzosen. Bei ihnen wurde kaum was zerstört und Hitler konnte sich bequem vor dem Eiffelturm fotografieren lassen. Bei den törichten Engländern dagegen wurden durch deutsche Luftangriffe viele Städte, Flugplätze und Flugzeugwerke zerstört und zig Tausend Menschen getötet. Und warum? Nur weil ein dummer Sir Winston meinte, dass Engländer ihre „Insel verteidigen müssen, was immer es uns auch kosten möge“, und kämpfen mussten, und zwar „auf den Meeren und Ozeanen, in der Luft, in den Dünen, auf den Landungsplätzen, auf den Feldern und in den Straßen.“

„Und weiter? Nach der Kapitulation?“ fragt Oksana. „Es werden Reichskommissariate errichtet? Oder Gaue mit Gauleitern? Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei, Einsatzkommandos und Sonderkommandos, das alles haben die Ukrainer schon mal erlebt. Jetzt will Putin uns „denazifizieren“. Schon heute verschwinden Menschen in den russisch besetzten Gebieten. Es werden Bürgermeister, Aktivisten, Volontäre und Journalisten entführt. Es wird über Folter und Mord berichtet. Was würde uns in der hellen, schönen, russischen Welt erwarten? 15 Jahre Haft für „falsche“ Aussagen? „Nina, kannst du dir das vorstellen? Wir haben alle vier Jahren einen neuen Präsidenten frei gewählt. Wer will unter einem „Führer“, der allein und über alles entscheidet, uns noch dazu hasst und als Volk vernichten will, leben? Wünschen sich die Deutschen so ein „sorgloses“ Leben?“

Es scheint, dass die Ukrainer so dumm sind wie die Briten.

Die Journalistin Nina Römer schreibt in unregelmäßigen Abständen von ihren Verwandten und Freund:innen in der Ukraine. Römer stammt von dort, lebt aber seit mehr als 20 Jahren in Deutschland, zurzeit in Wiesbaden.

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