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Das Wasser in Wiesbadens Bädern bleibt warm – vorerst

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Das Hallenbad in Kostheim ist vor einigen Jahren modernisiert worden. Michael Schick
Das Hallenbad in Kostheim ist vor einigen Jahren modernisiert worden. Michael Schick © Michael Schick

Der Bäderbetrieb Mattiaqua bereitet sich auf steigenden Energiekosten vor. Die ersten Betreiber in Deutschland haben bereits die Wassertemperaturen gesenkt und denken darüber nach, bestimmte Badbereiche zu schließen.

Die Stadt Paderborn hat in ihren vier Bädern die Wassertemperatur um mindestens ein Grad reduziert, Bielefeld auch. In der niederländischen Hauptstadt Amsterdam sollen niedrigere Wassertemperaturen verhindern, dass die Bäder später mit immensen Gasrechnungen konfrontiert würden, berichtet das niederländische Fernsehen. In Wiesbaden müssen Schwimmbadbesucher:innen nicht frieren - noch nicht. Die Temperatur in den Bädern zu senken, sei derzeit nicht angedacht, aber für die Zukunft auch nicht auszuschließen, teilt Mattiaqua mit. Der städtische Eigenbetrieb ist unter anderem zuständig für die sechs Frei- und Hallenbäder sowie die beiden Thermen.

Deutschlandweit sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) bisher nur in einzelnen Schwimmbädern Temperaturen abgesenkt worden – auch, weil noch unklar sei, ob sich die Energieeinsparung überhaupt lohne. Innerhalb des Branchenverbandes beschäftigten sich zurzeit zwei Arbeitskreise mit den entsprechenden Berechnungen. Demnächst soll es einen Leitfaden geben, mit dessen Hilfe ein Betrieb während der Energiekrise ermöglicht werden kann.

Strom durch Sonne

Bäder und Thermen

Drei Hallenbäder gibt es in Wiesbaden: das Kleinfeldchen, ein kombiniertes Hallen- und Freibad, das Bad in der Mainzer Straße und das Hallenbad Kostheim.

Die Stadt zählt zudem drei Freibäder: das Kallebad, die Maaraue, Wiesbadens größtes Freibad, und das Opelbad auf dem Neroberg. Letzteres, erbaut in den 1930er-Jahren und kürzlich modernisiert, gehört mit seiner markanten Optik zu den bekanntesten Bädern Wiesbadens und gilt als das Bad mit der schönsten Aussicht.

Die Kaiser-Friedrich-Therme öffnete 1913. Von dort aus gelangt das Thermalwasser über eine Thermalwasserleitung zum Thermalbad Aukammtal, das Anfang der 2000er-Jahre umfassend saniert wurde. diu

Der Energieverbrauch von Schwimmbädern ist hoch. Die Wasseraufbereitung benötigt viel Strom und Wärme, zudem muss die Luft in den großen Hallen wohltemperiert sein, schließlich sind die Badegäste nur wenig bekleidet.

Auf circa 15 Prozent beläuft sich in Wiesbaden der Anteil der Energiekosten an den Betriebskosten. Ein recht guter Wert, findet Mattiaqua-Betriebsleiter Thomas Baum, der unter anderem darauf zurückzuführen sei, dass die Bäder und Thermen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten energetisch modernisiert worden seien. In allen Freibädern seien zum Beispiel sogenannte Solarabsorberanlagen eingesetzt, die es ermöglichten, Wasser mit Sonnenenergie zu erwärmen. Im Hallenbad Kleinfeldchen und in der Aukammtal-Therme wurden Photovoltaikanlagen installiert, die einen Teil des Stroms erzeugen. Statt Fliesen sind in den Freibädern Edelstahlbecken verbaut worden, die die Wärme besser speichern und deshalb weniger beheizt werden müssen.

Derzeit werden alle Bäder und Thermen der Stadt konventionell beheizt: zwei mit Fernwärme, ein Freibad mit Öl, die anderen mit Gas. Noch sind die Energiepreise wegen der Vertragsbindungen unverändert. Das wird voraussichtlich nicht so bleiben. Tatsächlich, sagt Thomas Baum, gebe es für Badbetreiber:innen nur wenige Stellschrauben. Dazu gehörten die Verbräuche. Oder der Eintrittspreis. Der aber sei in Wiesbaden erst im Januar angehoben worden. Spätestens dann, wenn die Verträge enden und die Preise steigen, müsse darüber nachgedacht werden, wie der Energieverbrauch gesenkt werden könne.

Nach Angaben der DGfdB wollen einige Betreiber:innen in Zukunft spezielle Angebote wie Warmbadetage reduzieren oder einstellen. Die gibt es in Wiesbadens Bädern seit längerem nicht mehr. Ein besonders kritischer Punkt seien die Ganzjahres-Außenbecken, die einen Energiebedarf bis zu 2000 Watt pro Quadratmeter Wasserfläche hätten. Auch bei den Freibädern werde es Einschränkungen geben müssen, prognostiziert die DGfdB. Dabei gehe es um den Verzicht auf die Erstbeheizung und auf die Stütztemperatur während des Betrieb.

Die meisten Bäder in Deutschland sind Jahrzehnte alt. Ein Großteil stammt aus den 1970er-Jahren. Wiesbaden bildet da keine Ausnahme. Das erste große Hallenbad in der Mainzer Straße wurde 1954 eröffnet. Dessen Tage sind allerdings gezählt. Als Ersatz soll am Konrad-Adenauer-Ring der Sportpark Rheinhöhe mit Schwimm- und Eishalle entstehen – beide nach neuesten technischen, energiesparenden Standards, mit Photovoltaik auf den Dachflächen und mit Wärmerückgewinnungsanlagen. Dort soll nicht nur die Restwärme aus dem Bad zurückgewonnen werden, sondern auch die Abwärme aus der Eishalle zur Warmwasseraufbereitung in der Schwimmhalle genutzt werden.

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