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Susanne Böhm-Wölfinger ist Oberärztin im Wiesbadener Weaning-Zentrum.

Gesundheit

Covid-Erkrankte lernen atmen

  • vonDiana Unkart
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In speziellen Zentren werden Patientinnen und Patienten von der künstlicher Beatmung entwöhnt. Der Prozess ist oft schwierig und langwierig.

Im Weaning-Zentrum an der DKD Helios Klinik in Wiesbaden erwarten die Mediziner demnächst mehr Covid-19-Erkrankte, die nach langen Aufenthalten auf Intensivstationen von der Beatmung entwöhnt werden müssen. Die Zahlen werden in den kommenden Wochen und Monaten deutlich steigen, prognostiziert Susanne Böhm-Wölfinger, geschäftsführende Oberärztin des Zentrums. Grund für die zeitliche Verzögerung sei der häufig langwierige Krankheitsverlauf.

Derzeit werden in Hessen 360 Covid-19-Erkrankte intensivmedizinisch behandelt, 212 von ihnen müssen künstlich beatmet werden. Vor allem Menschen, die längere Zeit an Beatmungsmaschinen angeschlossen waren, benötigen spezielle Hilfe.

Das Weaning-Zentrum in Wiesbaden besteht aus einer komplett ausgestatteten Intensivstation mit 14 Behandlungsplätzen in Einzelzimmern. Schritt für Schritt und kontrolliert sollen Menschen, deren Atemmuskulatur infolge der künstlichen Beatmung schwach geworden ist, das Atmen wieder lernen. Der Prozess der Entwöhnung wird nach der englischen Bezeichnung Weaning genannt. Schwer an Covid-19 Erkrankte, sagt Oberärztin Böhm-Wölfinger, litten häufig nicht nur unter Lungenproblemen. Die Krankheit führe zu Folgeschäden des Herzkreislaufsystems wie Thrombosen oder Embolien, der Niere sowie zu schweren Muskel- und Nervenschwächen, die einen langen Intensivaufenthalt zur Folge hätten. Dementsprechend schwierig und langwierig gestalte sich später die Beatmungsentwöhnung.

Im Schnitt verbringen Patienten vier Wochen im Weaning-Zentrum. „Nach unserer Erfahrung brauchen Covid-Patienten aber deutlich mehr Zeit“, sagt Susanne Böhm-Wölfinger. Grund sei nicht zuletzt eine durch das Virus bedingte Gewebserkrankung, die häufig zu Umbauprozessen der Lunge führe. Die bildeten sich – wenn überhaupt – oft nur sehr schleppend zurück. Bei einer vorgeschädigten Lunge komme es zudem häufiger zu bakteriellen Infektionen.

Während der Therapie wird nicht nur die Atemmuskulatur trainiert. Die Patienten erhalten spezielle Physio- sowie eine Schluck- und Sprechtherapie. Beides müsse neben dem Atmen wieder erlernt werden. Auch ein speziell auf das Training ausgelegtes Ernährungskonzept ist Teil der Therapie. Zum Team des Weaning-Zentrums gehören deshalb Experten verschiedener Disziplinen.

Den Prozess vergleicht Susanne Böhm-Wölfinger mit einem Marathontraining. Für jede Patientin, für jeden Patienten wird ein individueller Plan erstellt. „Um von null auf 42 Kilometer zu kommen, müssen zu Beginn kleine Trainingsintervalle mit steigender Dauer und Intensität durchlaufen werden. Der Patient soll gefordert, aber nicht überfordert werden.“ Auch Ruhepausen gehörten zum Training.

Wie erfolgreich die Therapie ist, hänge von der Schwere der Grunderkrankung und den Begleiterkrankungen ab. Die überwiegende Zahl der Patientinnen und Patienten könne erfolgreich entwöhnt werden und anschließend mit der Rehabilitation beginnen. Gelingt die Entwöhnung nicht, müssen die Patienten weiter beatmet werden – zu Hause oder in speziellen Einrichtungen.

Wegen der Zunahme der Zahl künstlich beatmeter Patient:innen in den vergangenen Jahren, kommt den Weaning-Zentren eine immer größere Bedeutung zu.

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