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Rund um den Veranstaltungsort in der Nähe des Hauptbahnhofs hatte sich Gegenprotest formiert. Foto: Rolf Oeser
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Rund um den Veranstaltungsort in der Nähe des Hauptbahnhofs hatte sich Gegenprotest formiert.

„Querdenken“ in Wiesbaden

Corona-Protest ohne Masken und Abstand in Wiesbaden

  • VonDiana Unkart
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Die verschwörungsideologische Szene hat in Wiesbaden eine Kundgebung abgehalten. Weil sich danach mehrere Gruppen Richtung Landtag bewegten, sperrte die Polizei das Areal ab.

Rund 800 Menschen, darunter Anhänger der „Querdenken“-Bewegung und sogenannte Reichsbürger:innen, haben in Wiesbaden gegen die Corona-Verordnungen demonstriert – und dabei vielfach gegen die Abstands- und Hygienevorschriften verstoßen. Konsequenzen zeitigten die Verstöße nicht. Der Veranstalter, das „Bündnis Deutschland steht zusammen“, durfte die Demonstration, für die ursprünglich 350 Teilnehmer:innen angemeldet waren, am Samstagnachmittag ohne größere Unterbrechungen zu Ende bringen. Danach zogen einige Teilnehmer:innen zum Landtag. Zuvor hatten Gerüchte von einem Sturm auf das Gebäude die Runde gemacht. Die Polizei sperrte den Bereich ab. Auch das Rhein-Main-Congress-Center mit dem Impfzentrum und einem Corona-Testcenter wurden von der Polizei geschützt.

Circa 200 Gegendemonstrantinnen und -demonstranten verschiedener Initiativen und Parteien hatten sich in der Nähe des Veranstaltungsortes versammelt. Ihr Motto lautete: „Querdenken wegbassen“. Dass sie die Musik entsprechend laut aufdrehen durften, hatten sie zuvor gerichtlich erstritten. Vor dem Bahnhof und in der Wiesbadener Innenstadt seien Mahnwachen und kleinere Versammlungen abgehalten worden, berichtete die Polizei.

Unter den Slogans „Es reicht“ oder „Es reicht uns“ hatten Gruppierungen bundesweit zu Protesten gegen die Corona-Verordnungen aufgerufen. Mobilisiert hatten sie via Messenger-Dienst Telegram. Nach Wiesbaden waren auch Demonstranten aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gekommen, zum Teil in Bussen. Das Publikum rekrutierte sich aus unterschiedlichen Milieus. Die einen warnten, bekleidet mit Arztkitteln, vor Impfungen, andere versahen ihre Maske mit der Aufschrift „Nötigung“ oder trugen einen Button „Querdenken“ am Revers. Eine Regenbogenflagge mit der Aufschrift „Frieden“ wehte neben einer schwarz-weiß gestreiften mit Adler und einer schwarz-rot-goldenen mit Bananen.

Was an diesem Nachmittag verbreitet wurde, war diffus und anschlussfähig an extrem rechte Positionen. Dafür sorgte schon die Auswahl der Redner:innen. Zu ihnen gehörte die Organisatorin der „Gelbwesten“-Bewegung und der Bewegung „Wir sind viel mehr“ in Wiesbaden, Sandra Scheld. Für diese Gruppierung hatte der Politikwissenschaftler und Kenner der rechten Szene, Fabian Jellonnek, 2019 den Begriff „seltsame Rechte“ geprägt. Mit Thorsten Schulte und Heinrich Fiechtner waren bekannte Gesichter der verschwörungsideologischen rechten Szene nach Wiesbaden gereist. Fiechtner ist Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg. Er gehörte dort zu den Mitbegründern der AfD, zog in den Landtag ein und trat 2017 aus der Partei aus. Eine Recherche, die die FR kürzlich veröffentlicht hat, zeigt seine Vorliebe für Trump. Gemeinsam ist beiden ein Hang zu Provokationen. In seinem Telegram-Channel teilt er Meldungen aus dem Umfeld des rechtsextremistischen Qanon-Kults. Schulte gehörte zu jener Gruppe, die im November 2020 auf Einladung der AfD in den Bundestag gelangt war und dort Abgeordnete belästigt und beschimpft hatten. In Nuancen verschieden, einten die Redner:innen jedoch mehrere Punkte: unter anderem die Ablehnung der Bundesregierung und von Politiker:innen der in Deutschland vertretenen Parteien. Zudem verbreiteten sie die Verschwörungstheorie einer Pandemie, die es nicht gebe und die von den Mächtigen der Welt inszeniert werde, um eine totalitäre Herrschaft aufzubauen. Auf Schlagworte wie „Klimahysterie“ oder „Lügenpresse“ reagierte das Publikum mit lautem Buhen.

Nach Angaben der „Omas gegen Rechts Wiesbaden“ wollen mehrere Initiativen eine gemeinsame Protestnote verfassen. Sie kritisieren, dass in Zeiten steigender Infektionszahlen mehr Menschen als angemeldet auf das Gelände gelassen wurden. Massive Verstöße gegen die Abstands- und Hygieneregeln hätten zudem nicht zu einem Abbruch der Veranstaltung geführt.

Viele der rund 800 Teilnehmerinnen trugen keine Masken und hielten auch die Abstandsregeln nicht ein.

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