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Auch die Weinwoche in Wiesbaden musste wegen der Corona-Pandemie bereits ihr Konzept ändern.

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Alkoholausschank in Wiesbaden eingeschränkt

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  • Gregor Haschnik
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Die Infektionszahlen in großen Städten steigen. Deshalb werden die Auflagen verschärft. Eine Sondergenehmigung bekommt das Staatstheater in Wiesbaden.

In der Landeshauptstadt wütet das Coronavirus so stark wie nie. Der Anstieg auf 125 bestätigte Fälle ist so steil, dass der Verwaltungsstab Wiesbadens sich zu weiteren Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie entschlossen hat. Von kommendem Freitag an dürfen Gaststätten und Einzelhändler zwischen null und sechs Uhr keinen Alkohol verkaufen. Zudem gilt an Bushaltestellen die Pflicht, Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Regeln gelten bis 21. September.

Gestern lag die 7-Tage-Inzidenz der bestätigten Infektionen bei 44,9. Allein 30 gingen auf eine Hochzeitsfeier eines Wiesbadener Brautpaares in Mainz zurück, sagte Gesundheitsamtsleiterin Kaschlin Butt gestern. Sie rechnet damit, dass die Gäste 30 weitere Personen angesteckt haben, ohne dass diese es wüssten. Das Gesundheitsamt arbeitet mit Hochdruck daran, die Infektionsketten zu unterbinden.

Sollten die verschärften Regeln innerhalb von 14 Tagen keine Wirkung zeigen, drohte Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) damit, eine Sperrstunde für die Gastronomie einzuführen, den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit und das Betreten städtischer Anlagen zu verbieten. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) übte scharfe Kritik an der Coronapolitik des Landes. Das Land habe den Städten zwar die Verantwortung für die Beschränkung des Infektionsgeschehens übertragen, gebe aber keine Instrumente an die Hand. „Ich wünsche mir eine Positionierung darüber, was erforderlich ist“, sagte Mende. Bund und Land hätten zudem den Umgang mit Reiserückkehrern nicht optimal geregelt, kritisierte er. Die Tests im Herkunftsland seien nicht aussagekräftig, weshalb er sich wünsche, dass die Betroffenen unter Quarantäne gestellt würden.

Wiesbaden brauche mehr Teststellen. Auch die Kassenärztliche Vereinigung sei bei der Bereitstellung von Testkapazitäten nicht flexibel genug. Dass die Dynamik des Infektionsgeschehens sich nicht in erhöhten Krankenzahlen in den Kliniken widerspiegele, liege daran, dass sich momentan zumeist Menschen mittleren Alters angesteckt hätten.

Keine Veranstaltungen mit über 50 Personen in Wiesbaden

In Wiesbaden sind seit Dienstag bereits Veranstaltungen mit über 50 Personen verboten. Das Staatstheater erwirkte die Sondergenehmigung, vor 200 Zuschauern im großen Saal und 60 Zuschauern im kleinen Saal zu spielen. Die Opernpremieren am 5., 6. und 8. September finden wie angekündigt statt. Die Vorstellungen in den kleinen Studios müssen ausfallen. Der Versuch des Intendanten Uwe Eric Laufenberg, eine höhere Besucherzahl zu erreichen, scheiterte. „Die Politik muss sich darum kümmern, dass nicht ganze Gesellschaftsteile hintenrunter fallen“, erklärte Laufenberg enttäuscht. Es könne nicht sein, dass Menschen in den Bussen dicht gedrängt stünden, aber nicht ins Theater dürften.

In Hanau sank der Inzidenzwert am Mittwoch, lag aber immer noch bei 58,2 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Für den gesamten Main-Kinzig-Kreis wurde der Wert auf 24,5 beziffert, die Gesamtzahl der Fälle auf 1115.

Am Dienstag war die 7-Tage-Inzidenz in Hanau auf 70 gestiegen. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sprach von einem „neuen, bedauerlichen Rekordwert“. Wenn die Schwelle von 75 erreicht werde, müsse „das Land Hessen in die weitere Bekämpfung der örtlichen Pandemie eingeschaltet werden“. Am Montag hatten Hanau und der Kreis verschärfte Auflagen für die 98 000-Einwohner-Stadt und die Westkreis-Kommunen Maintal, Nidderau, Bruchköbel, Erlensee, Neuberg beschlossen, etwa Schulsport-Verbot, Sperrstunde in der Gastronomie und Beschränkung von Treffen in der Öffentlichkeit auf höchstens fünf Leute. Weil Hygiene- und Abstandsregeln bei der Entsorgung von Gartenabfällen nicht eingehalten wurden, setzt Hanau jetzt zudem Sicherheitspersonal an den Grünschnitt-Annahmestellen ein.

Acht neue Infektionsfälle in Offenbach

Nach der Hohen Landesschule ist in Hanau auch die Otto-Hahn-Schule von Infektionen betroffen. Die beiden positiv getesteten Geschwister sind laut Main-Kinzig-Kreis diese Woche aber vorsorglich zu Hause geblieben. Das Gesundheitsamt habe sofort begonnen, die Kontakte aus den Klassen zu ermitteln und zu informieren.

Das Gesundheitsamt in Offenbach meldete am Mittwoch acht neue Infektionsfälle, die Anzahl der akut Infizierten wuchs auf 115 Menschen – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Die 7-Tage-Inzidenz lag bei 59 Neuinfektionen pro 100 000 Personen. Unter den neu positiv Getesteten war ein Kind aus der Erich-Kästner-Schule in der Innenstadt, das Gesundheitsamt schickte deshalb 13 Kinder und drei Lehrkräfte in Quarantäne.

Die Offenbacher Landtagsabgeordnete Nadine Gersberg (SPD) forderte die Landesregierung am Mittwoch abermals dazu auf, einen Schichtbetrieb an den Schulen einzuführen, so dass sich weniger Kinder gleichzeitig begegnen. Die nötigen Abstände könnten so besser eingehalten werden, so Gersberg. mre/gha/fab

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