Das ist die Mainzelbahn. So ähnlich könnte auch die Citybahn aussehen.
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Das ist die Mainzelbahn. So ähnlich könnte auch die Citybahn aussehen.

Wiesbaden

Citybahn fürs Ostfeld

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Sollte das Schienenprojekt in Wiesbaden im Bürgerentscheid am 1. November abgelehnt werden, gibt es noch eine zweite Streckenvariante, die gebaut werden könnte.

Auch wenn der Bürgerentscheid am 1. November gegen die Citybahn ausfällt, bedeutet das nicht, dass Wiesbaden keine Straßenbahn bekommen wird. Sie wird nur über eine andere Strecke laufen. Für Bau- und Planungsdezernenten Hans-Martin Kessler (CDU) stellt die aktuelle Abstimmung keine Grundsatzentscheidung für oder gegen eine Tram dar. „Dieser Entscheid betrifft nur eine konkrete Trasse“, sagte er gestern.

Im Zusammenhang mit den Planungen zum Entwicklungsgebiet Ostfeld sei es zwingend angebracht, über eine Schienenanbindung nachzudenken, und zwar auch bei einem negativen Votum, im Idealfall bei einem positiven. Das neue Wohngebiet für etwa 10 000 Menschen und die beiden neuen Gewerbegebiete seien nicht anders mit dem öffentlichen Nahverkehr anzubinden, so Kessler. Nur Schienenfahrzeuge hätten im Unterschied zu Bussen ausreichend Kapazitäten, um die vielen Menschen komfortabel zu befördern. „Ohne eine Citybahn kann auch das Bundeskriminalamt nicht ausreichend verkehrlich angebunden werden“, ergänzte Andreas Kowol (Grüne). Das BKA plant, im nördlichen Gewerbegebiet Kalkofen neben dem Ostfeld seine diversen in der Stadt verteilten Standorte in einem neuen Standort mit 7000 Arbeitsplätzen zusammenzufassen.

Die Machbarkeitsstudie

Die Ostfeldlinie könnte vom Quartiersboulevard über den BKA-Standort, Ostfeld, Petersweg, Kastel-Krautgärten, Bahnhof Kastel nach Mainz führen.

Die Untersuchung hat Arbeitsvarianten entworfen, die im Verfahren noch geändert werden können.

Die veranschlagten Baukosten belaufen sich 130 bis 140 Millionen Euro, von denen Bund und Land 90 Prozent zahlen. Der Haltepunkt Ländchesbahn kommt auf eine Million. mre

Für Kowol spricht ein weiterer Aspekt für die Schienenanbindung. Er möchte nicht, dass sich Wiesbaden von Mainz den Schneid abkaufen lässt und die Kaufkraft der Menschen die zukünftig im Ostfeld wohnen und die der Stadtteile Amöneburg, Kastel und Kostheim (AKK) nach Mainz abfließt. Die Stadtplanung des Rathauses hofft, dass die drei traditionell nach Mainz tendierenden Wiesbadener Stadtteile sich in den nächsten Jahren enorm entwickeln und neue Einwohnerinnen und Einwohner anziehen. Diese sollen bitteschön in Wiesbaden einkaufen und ausgehen.

Dass eine Straßenbahn nicht einfach nur das Ostfeld an die Wiesbadener Innenstadt, sondern die östlichen Vororte AKK und Erbenheim an den öffentlichen Nahverkehr mit Mainz, Niedernhausen und Frankfurt anschließen könnte, zeigt eine Machbarkeitsstudie zum öffentlichen Nahverkehr für das Ostfeld, die die DB Engineering Consulting und die PTV Transport Consult im Auftrag der Stadt erstellten. Sie knüpft ein Netz mit der jetzt zur Abstimmung stehenden Citybahn-Strecke von Mainz über Biebrich in die Innenstadt mit der neuen nördlicher verlaufenden Citybahn-Strecke, der Ländchesbahn, der Wallauer Spange und einigen Buslinien. Am geplanten BKA-Standort, so dieser erste Arbeitsentwurf, könnten die Fahrgäste in die Ländchesbahn nach Niedernhausen umsteigen, am Ostfeld etwa in Busse nach Biebrich, am S-Bahnhof Kastel nach Frankfurt und dem Flughafen.

Diese zweite Citybahnstrecke könnte in der Konradiner Allee parallel zur Mainzer Straße von der Innenstadt zum Ostfeld führen und dann das Gewerbegebiet Petersweg anfahren, um in einem Bogen über Kastel-Krautgärten und den S-Bahnhof Kastel über die Theodor-Heuss-Brücke am Mainzer Hauptbahnhof und der Mainzer Universität anzukommen. Der Schwenk über Kastel hat laut Petra Strauß von PTV Transport Consult den Vorteil, dass die 8000 Einwohnerinnen und Einwohner und Tausende die pendeln, die Bahn nutzen könnten. In einem nächsten Schritt könnten die beiden Citybahn-Linien am Otto-Suhr-Ring verbunden und weitere Strecken nach Erbenheim und Kostheim gebaut werden.

Wo diese Ostfeld-Strecke in der Innenstadt verlaufen könnte, dazu hat Strauß mehrere Varianten entworfen, die über den Hauptbahnhof zum Dern’schen Gelände oder zur Schwalbacher Straße führen. Im besten Falle stößt sie auf die Strecke, die jetzt zur Abstimmung steht.

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