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Auch die Schwalbacher Straße soll von der Citybahn profitieren. Mehr Kunden bringen mehr Umsatz.

Wiesbaden

Citybahn als Wirtschaftsfaktor für Wiesbaden

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Eine Studie zur Citybahn zeigt die positiven Effekte des Schienenprojekts auf Handel und Immobilien auf. Auch mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit sei zu rechnen.

Sollte die Citybahn gebaut werden, ist mit positiven Effekten für die Wirtschaft und den Standort Wiesbaden zu rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Frankfurter Instituts SCM@ISM, die im Auftrag der Citybahn-Gesellschaft erstellt wurde. Insbesondere verspricht die Untersuchung mehr Kundinnen und Kunden für den Einzelhandel, Wertsteigerungen der Immobilien entlang der künftigen Bahnstrecke und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Die Schienenbahn ist in Wiesbaden umstritten. Nachteile für den örtlichen Handel und die Hausbesitzer:innen waren immer wieder als gegnerische Argumente angeführt worden. Ob die Bahn, die von Mainz über Wiesbaden nach Bad Schwalbach führen soll, verwirklicht werden kann, wird der Bürgerentscheid am 1. November in Wiesbaden zeigen. Gestern legte Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) die Studie „Wirtschaftliche Effekte durch die Citybahn für die Region Wiesbaden, Rheingau-Taunus-Kreis und Mainz“ vor. Es ist eine Systemanalyse, die sich auf Marktuntersuchungen und wissenschaftliche Studien stützt. Sie betrachtet die Situation nach der Fertigstellung der Citybahn.

Die Autorin Anna Quitt räumt mit dem Vorurteil auf, dass Kunden und Kundinnen, die mit dem Auto vorfahren, mehr Geld in den Geschäften ausgeben, als solche, die mit dem Rad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Eine entsprechende Studie für Wiesbaden habe den zeitlichen Ablauf nicht berücksichtigt. Menschen ohne Auto würden zwar kleinere Einkäufe machen, dafür aber mehrmals. In der Summe ließen sie fast gleich viel Geld oder sogar etwas mehr an der Kasse.

Der entscheid

Die Bürgerinnen und Bürger aus Wiesbaden dürfen am Sonntag, 1. November, darüber abstimmen, ob die Citybahn gebaut wird. Aufgerufen sind rund 210 000 Wahlberechtigte. Briefwahlunterlagen wurden bislang von 34 500 Personen angefordert. Damit das Quorum von 15 Prozent der Wahlbrechtigten erreicht wird, müssen für eine Seite mindestens 31 500 Personen stimmen. mre

Ihre Modellrechnung geht davon aus, dass die Citybahn mindestens 2260 Personen pro Haltestelle am Tag ins innerstädtische Gebiet befördern wird. Für den Einzelhandel im Bereich Rheinstraße, zu dem laut Kowol auch die Kirchgasse, Luisen- und Schwalbacher Straße zählen, bedeutet dies laut Quitt 33 072 zusätzliche Kundenkontakte im Monat pro Haltestelle; für den Biebricher Stadtkern macht sie 8208 zusätzliche Kontakte aus.

Auch die Hauseigentümer:innen dürfen sich freuen. Die Studie belegt den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr als Werttreiber. Je näher die Immobilie an der Schienentrasse liege, desto höher falle die Steigerung aus, ein Effekt, der sich für Bushaltestellen nicht nachweisen lasse. Quitt hält ein Plus zwischen drei und sieben Prozent für Immobilien im Umkreis von einem Kilometer zu einer Haltestelle für wahrscheinlich.

Städte würden durch die Anbindung an eine Schienenbahn unterschiedlich profitieren, sagt Quitt. Die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden sieht sie als Arbeits- und Einkaufsstädte gestärkt. In mit Wiesbaden vergleichbaren Städten sei seit Einführung einer Schienenbahn die Arbeitslosigkeit innerhalb von sieben Jahren um 3,3 Prozent gesunken.

Für Taunusstein sieht sie eine wachsende Attraktivität als Wohnstandort, da die Stadt weitere Wohngebiete plane. Da auch neue Gewerbegebiete vorgesehen seien, hält sie eine wachsende Kaufkraft und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit auf lange Sicht für möglich. Für das Heilbad Bad Schwalbach gingen neben dieser Entwicklung von der Citybahn auch Impulse für die Stadt als Ausflugsziel aus. Gastronomie, Einzelhandel und Freizeitangebote würden profitieren.

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