Kommentar zu OB-Wahl-Kandidat

Mit Charme und Chancen

Sven wer? Gerich? Nie gehört. Wer ist das? – Wer nicht Tag für Tag mit der Stadtpolitik beschäftigt ist, dem ist der Fraktionsvorsitzende der SPD-Rathausfraktion kein Begriff. Und damit ist Gerichs beste Eigenschaft, nämlich die, jung und unverbraucht zu sein, zugleich sein größtes Manko für einen Personenwahlkampf.

Von Gaby Buschlinger

Sven wer? Gerich? Nie gehört. Wer ist das? – Wer nicht Tag für Tag mit der Stadtpolitik beschäftigt ist, dem ist der Fraktionsvorsitzende der SPD-Rathausfraktion kein Begriff. Und damit ist Gerichs beste Eigenschaft, nämlich die, jung und unverbraucht zu sein, zugleich sein größtes Manko für einen Personenwahlkampf.

Vor Gerich liegt die Herkulesaufgabe, sich bekanntzumachen. Das wird nicht leicht. Bei allem jugendlichen Charme und trotz seines tatsächlich „gewinnenden Auftretens“ lastet auf ihm die Zustimmung zu dem umstrittenen Teilverkauf der Horst-Schmidt-Kliniken. Dieser Wortbruch seiner Partei wird ihm wohl bei jeder Gelegenheit vorgehalten.

Und trotzdem: Die SPD-Spitze hat eine gute Wahl getroffen. Auch wenn die Auswahl begrenzt war, da es der SPD – wie den anderen Parteien auch – an charismatischen Führungsmitgliedern mangelt. Nachdem der allseits beliebte Bürgermeister Goßmann abgewinkt hatte, blieb nur noch Gerich. Seine Chancen, CDU-Amtsinhaber Müller nach sechs Jahren vom Chefsessel zu schubsen, mögen auf den ersten Blick gering erscheinen. Doch der Ausgang der OB-Wahlen in Frankfurt und Mainz zeigt, dass Newcomer durchaus für Überraschungen sorgen können.

Vielleicht läuft es in Wiesbaden in einem Jahr – wie jetzt in Frankfurt – auf eine Müller-Verhinderungswahl hinaus. Schließlich behagen dessen permanente Gründungen von städtischen Betrieben und Holdings nicht jedem. Müllers Hang zu Geschäften mit privaten Investoren wie beim Sporthallenbau auf dem Platz der deutschen Einheit oder etwa dem HSK-Teilverkauf mit vertrackten Geheim-Verträgen kommt nicht überall gut an. Ebenso wie seine großzügig verteilten Zuschüsse bei Image-Projekten wie der privaten Hochschule EBS, die Bambi-Verleihung und der Ball des Sports.

Gerich muss nun die Herzen der Wiesbadener gewinnen. Mit seiner lockeren und flotten Art könnte ihm das gelingen. Müller hatte 2007 die Wahl nicht gewonnen, weil ihn alle so toll fanden, sondern weil die SPD so dusselig war, ihren Kandidaten nicht anzumelden. Viele Wähler waren aus Protest zu Hause geblieben – denn es war eine Wahl ohne Gegner. Gerich könnte einer werden.

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