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Daniela Georgi

Wiesbaden

CDU Wiesbaden tritt erstmals mit Frau an der Spitze an

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Nach der Zeit der Skandale möchte die Partei mit frischen Gesichtern neu anfangen. Mit Daniela Georgi steht erstmals eine Frau an der Spitze der CDU in Wiesbaden.

Die Wiesbadener CDU möchte erstmals in ihrer 75-jährigen Geschichte mit einer Frau als Spitzenkandidatin in den Kommunalwahlkampf ziehen. Die stellvertretende Parteivorsitzende Daniela Georgi, 41, wurde vom Parteiausschuss auf den ersten Listenplatz gesetzt. Auch die folgenden Plätze bergen Überraschungen. Auf den ersten 20 Positionen stehen zwölf Personen, die zurzeit nicht Teil der Fraktion sind, darunter neun Frauen und sieben Kandidaten und Kandidatinnen unter 35 Jahren.

„Die Liste steht für einen glaubwürdigen Neuanfang“, sagt der Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Ingmar Jung. Das kommunalpolitische Image habe durch die Vorwürfe gegen einige der altgedienten Christdemokraten, insbesondere den langjährigen früheren Fraktionschef Bernhard Lorenz, gelitten. Lorenz wurden Filz und undurchsichtige Machenschaften vorgeworfen, die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen ihn aber ergebnislos beigelegt. „Früher hat alles auf Lorenz geschaut, und der hat entschieden. Das tut einer Fraktion auf Dauer nicht gut“, sagt Jung. Neue Gesichter sollten ein Signal dafür setzen, dass die Partei mit flacheren Hierarchien arbeite.

Dass Lorenz nicht auf der Kandidatenliste für die Kommunalwahl steht, verwundert daher niemanden. Die Partei hat ihm schon vor Monaten beigebogen, dass seine Mitwirkung unerwünscht ist.

Aber auch der Jurist Hans-Joachim Hasemann-Trutzel und Renate Kienast-Dittrich, die beide als Lorenz’ Gefolgsleute gelten, fehlen auf der Liste. Kienast-Dittrich, die als stellvertretende Revisionsausschussvorsitzende bekannt wurde, hat ihre Konsequenzen gezogen: Sie verlässt schon zum 1. Oktober die CDU-Fraktion und schließt sich der Fraktion Freie Wähler/Bürgerliste Wiesbaden an. Sie tritt sogar aus der CDU aus, wie es in einer Mitteilung der Freien Wähler heißt.

„Mit Hasemann-Trutzel haben mehrere Gespräche stattgefunden“, sagt Jung auf Anfrage. Offen ließ Jung, ob Hasemann-Trutzel für den ehrenamtlichen Magistrat, für den die Kandidaten später aufgestellt werden, infrage komme. Bernd Wittkowski, der die Fraktion seit dem Ausscheiden von Lorenz führt und zu dessen Kritikern zählt, habe mit der Position 15 auf eigenen Wunsch nur einen der mittleren Plätze angestrebt.

Das Aufstellen der Liste sei schwierig gewesen, räumt Jung ein, „nicht alle haben gejubelt“. Lob ernte die Parteiführung aber von den Mitgliedern an der Basis, die sich erfreut zeigten.

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