+
Nicht nur bei Regen sieht die Fußgängerzone traurig aus. Einige Ladengeschäfte stehen leer.

Wiesbaden

Stadt soll Geschäftshäuser kaufen

  • schließen

SEG-Chef Andreas Guntrum fordert mehr städtisches Engagement für die City.

Der Schuhladen Buffalo hat sich aus Wiesbaden zurückgezogen. Viele andere Geschäfte schließen, die Einkaufsstraßen werden trist. Außerdem schießen die Parkgebühren in die Höhe. Wer in Wiesbaden shoppen gehen möchte, legt in den Parkhäusern schnell über zehn Euro hin.

Dieser Entwicklung sollte die Stadt nicht tatenlos zusehen, sagt Andreas Guntrum, Geschäftsführer der SEG Stadtentwicklungsgesellschaft, und plädiert für mehr kommunale und langfristige Steuerung. Damit die Kirch- und Langgasse weiterhin zu den Topeinkaufsadressen Wiesbadens gehörten, sollten in Zukunft mehr Grundstücke und Gebäude gekauft und später wieder verkauft werden. Das ermögliche der Stadt zu bestimmen, welche Geschäfte einzögen.

Außerdem solle die Stadt versuchen, die Parkhäuser in eigene Hände zu bekommen und selbst zu bewirtschaften. „Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht und die Parkhäuser an Investoren gegeben“, räumt Guntrum ein. Die hohen Parkgebühren würden die Leute jedoch aus der Stadt treiben.

„Wir sollten mutig sein und öfter als Kommune die Immobilie erwerben“, sagt Guntrum. Wenn die Entwicklung dem freien Markt überlassen werde, stiegen zwar die Mieten, das Angebot werde jedoch flacher. Das Ergebnis lasse sich auch in Wiesbaden beobachten: In der Fußgängerzone seien fast nur noch Filialisten großer Ketten anzutreffen. „Das hat nichts mit Entwicklung zu tun. Wir müssen Bereiche für den inhabergeführten Einzelhandel schaffen“, sagt Guntrum. Mit dem Quartier Fünfgassen, das auf dem Gelände der jetzigen Citypassage entstehen soll, sei der Stadt ein Leuchtturmprojekt gelungen.

Die kommunale WVV Holding hatte die Immobilien 2016 von einem glücklosen Investor erworben. Heute plant Development Partner dort ein offenes Quartier, in dem der Einzelhandel eine untergeordnete Rolle spielt, dafür Hotel, Gastronomie, Wohnen und Sport größeres Gewicht erhalten. In kleinen Ladengeschäften soll der inhabergeführte Einzelhandel jedoch eine Chance bekommen. Das Parlament soll im ersten Quartal das Okay für den Bau geben. Die Verödung der Innenstädte ist nicht nur in Wiesbaden Thema. „In allen Städten verliert der Einzelhandel außerhalb der erstklassigen Lagen an Boden“, sagt Leif Krägenau von der BBE-Handelsberatung. Der öffentliche Raum werde zunehmend zum Begegnungsraum, wo die Kunden Freizeitangebote und Kultur erwarteten. Diesem Trend folgen die Pläne für das Fünfgassen-Quartier. Laut Guntrum soll das zurzeit leerstehende Walhalla-Theater weiterhin als Anziehungspunkt dienen.

Auch Bürgermeister Oliver Franz (CDU) hat bereits von einer Ankaufstrategie der Stadt gesprochen, um Liegenschaften zu erwerben und für einen attraktiveren Branchenmix zu sichern. Zudem möchte auch er die Innenstadt mit niedrigen Parkgebühren für Autos zugänglich halten. „Der Einzelhandel braucht die Kunden von außerhalb, es muss weiterhin möglich sein, mit dem Auto dorthin zu gelangen “, sagte er.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare