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Das neue Europa-Hauptquartier der US-Armeen in Wiesbaden-Erbenheim.

US-Armee Wiesbaden

Neues Europa-Hauptquartier für US-Armee

Mit viel Pomp eröffnet die US-Army ihre neue Kommandozentrale und beginnt damit offiziell den Umzug des Europa-Hauptquartiers nach Wiesbaden. Einblicke hinter die Kulissen einer abgeschotteten Welt. Eröffnung der US-Kommandozentrale

Von Bastian Beege

Mit viel Pomp eröffnet die US-Army ihre neue Kommandozentrale und beginnt damit offiziell den Umzug des Europa-Hauptquartiers nach Wiesbaden. Einblicke hinter die Kulissen einer abgeschotteten Welt. Eröffnung der US-Kommandozentrale

"Your passport, please.“ Hinter dem Stacheldrahtzaun mit dem Armeepolizisten am Durchgang beginnt eine neue Welt – und das mitten in Wiesbaden: Deutsch gilt hier als Fremdsprache, US-Soldaten in Uniform spazieren lachend die Straße entlang, die von tristen Wohnanlagen gesäumt wird. Zivilisten von der Welt außerhalb des Zauns, zumal Journalisten, dürfen sich hier keine Sekunde lang unbegleitet bewegen. Willkommen in der Top-Secret-Area.

In einem Festzelt haben sich bereits viele Menschen versammelt: Die Amerikaner tragen ihre Ausgeh-Uniformen, die „Ausländer“ gewöhnliche Anzüge. Als einer der letzten trifft Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) ein, sucht mit scheuem Blick nach einem freien Platz – keine Frage, in seiner eigenen Stadt ist er hier nur Gast.

Gastgeber hingegen ist ein gewisser Mark Hertling, der hoch dekorierte kommandierende Generalleutnant der US-Streitkräfte in Europa. Er wird mit ohrenbetäubendem Kanonenfeuer begrüßt. Die Schüsse hallen noch in den Ohren, als Hertling später sagt, von der neuen Kommandozentrale aus könne „im Ernstfall ein Krieg koordiniert werden“ .

„Mit der Eröffnung der Zentrale beginnt offiziell der Start unseres Umzugs nach Wiesbaden“, verkündet der Generalleutnant. Ist das Hauptquartier aus Heidelberg in einigen Jahren komplett umgesiedelt, werden hier 19000 Amerikaner stationiert sein.

Familien beziehen vor aller Augen ihr neues Heim

Die müssen dann freilich auch irgendwo wohnen: Da trifft es sich gut, dass Hertling gleich noch eine neue Wohnsiedlung eröffnet, genannt Newman Village. Unter den Augen der Öffentlichkeit bekommt die erste Familie ihren Hausschlüssel überreicht: Mama und die drei kleinen Töchterchen lächeln schüchtern in die Kamera, bevor sie im Inneren verschwinden. Währenddessen nimmt Papa, ein stämmiger Kerl in Kampfmontur, noch rasch einen Präsentkorb mit Rheingauer Spezialitäten in Empfang.

Bei der anschließenden Pressekonferenz bezieht OB Müller erst auf Nachfrage zaghaft neben dem stramm stehenden Hertling Position. Den seit Wochen in der Öffentlichkeit heiß diskutierten Fragen der Journalisten kann er nicht entkommen: „Was bringen die Amerikaner der Stadt Wiesbaden?“, „Wie ist das mit der Lärmbelästigung?“, „Haben die Bürger keine Angst, dass Wiesbaden jetzt zum Anschlagsziel von Terroristen werden könnte?“

Seine Stadt habe der Präsenz der US-Army viel zu verdanken, antwortet Müller. Künftig werde Wiesbaden noch internationaler. „Es ist schön, wenn deutsche und amerikanische Kinder zusammen aufwachsen.“ Man kann das so sehen, muss es aber nicht. „Die laufen sowieso nicht in der Stadt rum, sondern schotten sich ab“, murmelt einer der Umstehenden.

In punkto der zu erwartenden Flugbewegungen weist Generalleutnant Hertling darauf hin, dass der Umzug keine neuen Flugzeuge mit sich bringe – bloß einige Hubschrauber. „Es gibt also keinen weiteren Lärm durch Kampfjets“, beruhigt Müller. „Ach, und die neuen Hubschrauber machen keinen Lärm?“, schießt eine Journalistin zurück. Und wie war das doch gleich mit der Gefahr durch Terroristen? – Die Soldaten würden gerade „für mehr Sicherheit in der Stadt sorgen“, behauptet der Oberbürgermeister.

Man muss das verstehen: Denn tatsächlich hat die Stadtverwaltung wenig bis gar nichts mitzureden, wenn es um die Belange der Amerikaner geht. Da passt es symbolisch ins Bild, dass diese den Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim erst einmal in „Clay Kaserne“ umgetauft haben.

„Wir waren immer an den Planungen beteiligt und haben auch bei strittigen Themen stets gemeinsam nach Lösungen gesucht“, betont Müller in seiner Rede vor versammelter Runde: „Und ich bin sicher, dass das mit der Kooperation auch so weitergeht.“ Nach diesen Worten schenkt er dem General ein kleines Bäumchen aus städtischer Produktion, das künftig einen Platz vor der Kommandozentrale einnehmen soll – es sieht nach einem zaghaften Versuch aus, den Einfluss Wiesbadens wenigstens auf diese Weise ein bisschen zu wahren.

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