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Die Aufbauarbeiten laufen noch. Am Samstag soll alles fertig sein.

Ball des Sports

Die Macher von früher totgeschwiegen

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Jahrelang organisierten Sportjournalisten in Wiesbaden den Ball des Sports, jetzt erinnern sie an ihre Verdienste.

„Zu kalt.“ Die Dekoration des Ballsaals für den Ball des Sports kommt bei der früheren Sportjournalistin Dagmar Höferova-Giesse nicht gut an. Früher sei mit Blumen oder Fahnen geschmückt worden, sagt sie. Jetzt wirkt der Saal minimalistisch. Scheinwerfer an der Decke sollen ihn in Licht tauchen. „Zu kalt!“ Auch Norbert Geis, früherer ZDF-Sport-Regisseur, bringt nur diese beiden Worte heraus, als gestern die Vorbereitungen für den Ball am Samstag im Rhein-Main-Congresscenter (RMCC) vorgestellt werden. Die blaue Laufbahn liegt zwar schon um die Tische herum. In der Sprunggrube ist auch schon Sand, und der diagonal durch den Saal führende Anlauf dazu scheint nur so auf die deutsche Weitsprung-Meisterin Claudia Salman-Rath und die anderen Athleten zu warten. Der Ballsaal soll eine Leichtathletik-Arena werden, wo Sportler von Weltrang ihren Sport präsentieren und mit Größen aus Politik und Wirtschaft ins Gespräch kommen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stünden auf der Gästeliste, sagt Michael Ilgner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe, aber Angela Merkel sei wieder nicht dabei.

Höferova-Giesse und Geis schauen sich die Säle für das Gesellschaftsereignis interessiert an, denn der Ball des Sports nimmt in ihrem Leben großen Raum ein. Jahrzehntelang haben sie ehrenamtlich als Mitglieder des Sportpresseclubs Wiesbaden-Mainz gemeinsam mit Vertretern der Deutschen Sporthilfe den Ball auf die Beine gestellt. Geis war 27 Jahre als Regisseur für den Ablauf verantwortlich. Jetzt sind beide nicht mehr beteiligt, und das ist ihnen nicht recht.
So wenig wie der ehemaligen ZDF-Sportredakteurin und Club-Vorsitzenden Christa Haas, dem Journalisten Rolf Heggen und Bernhard Topper, dem ehemaligen Leiter der ZDF-Abteilung Recht und Justiz, die die FR kürzlich traf. „Wir fühlen uns totgeschwiegen und wollen daran erinnern, welche Rolle wir früher hatten“, sagt Haas. Denn sie hätten mit ihrer unbezahlten Eigenarbeit, ihren Kontakten und Ideen für das Programm zum Gelingen des Balls beigetragen, Filmmaterial geliefert und die angesagtesten Sportler als Gäste gewonnen. Sie berichten von brillanten Festen, davon, wie Hans-Dietrich Genscher mit Katharina Valente tanzte und Max Schmeling, Sepp Herberger, Rosi Mittermaier, Helmut Schön und Bubi Scholz zu Gast waren. Davon, wie 1989 Synchronturner aus Ost- und Westdeutschland an den Ringen das Publikum begeisterten und 1997 zwei Gewichtheber einen Weltrekord aufstellten. Bekannte TV-Moderatoren wie Dieter Kürten, Rudi Cerne oder Günther Jauch hätten auf ihre Vermittlung hin oft kostenlos durch den Abend geführt.

39 Jahre sei die Kooperation von Sportpresseclub und Deutscher Sporthilfe auf Vertrauensbasis und Handschlag gelaufen, 2009 sei ein Vertrag über das Bereitstellen von Filmbeiträgen erstellt worden, der in diesem Jahr ausläuft. Seit zehn Jahren entscheiden die Mitglieder des Sportpresseclubs nach eigenen Angaben nicht mehr über die Gestaltung des Balls mit. Seit vier Jahren sind sie auch nicht mehr für die Pressearbeit zuständig. Ihre Arbeit wurde nach und nach von Angestellten der Sporthilfe übernommen.

Im März werde es Gespräche über einen Vertrag geben, sagt Florian Dubbel, bei der Sporthilfe für Kommunikation zuständig, räumt aber ein, dass es schwierig sei, Personen einzubinden, die im Arbeitsalltag die Abläufe nicht mitbekämen.

Die Idee zum Ball des Sports wurde 1969 im Wiesbadener Kurhaus unter Sportjournalisten, darunter Wim Thoelke, festgezurrt. Der erste Ball des Sports 1970 unter Sporthilfepräsident Josef Neckermann in der Jahrhunderthalle Höchst sei „der schönste Ball Europas“ gewesen, soll der Schauspieler Gerd Fröbe geschwärmt haben.

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