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Astrid Wallmann ist mit 29 Jahren die jüngste CDU-Abgeordnete im hessischen Landtag.

Astrid Wallmann

Landtags-Neuling mit berühmtem Namen

Der Onkel Ministerpräsident, der Vater Bürgermeister - Astrid Wallmann hat einen bekannten Namen. Trotzdem wird sie wohl zunächst in der Landtags-Hinterbank Platz nehmen müssen. Von Sabine Müller

Von SABINE MÜLLER

Nein, ihr Büro im Landtag kennt Astrid Wallmann noch nicht. Und auf welchem Plenarsaal-Sitz sie am 5. Februar erstmals Platz nehmen wird, weiß die 29-jährige CDU-Direktmandatsgewinnerin aus Wiesbaden auch noch nicht. "Irgendwo hinten", vermutet sie. Vielleicht sogar ganz hinten. Wenn die letzten Bänke wieder alphabetisch verteilt werden.

Wallmann stört das nicht. Schließlich sei sie eine Newcomerin, eines von insgesamt drei neuen Gesichtern in der CDU-Landtagsfraktion. Da fange man eben klein an, sagt die jüngste weibliche Abgeordnete der CDU.

Ambitionen hat sie aber durchaus. Im Schulausschuss würde sie gerne mitarbeiten. Erstens weil sie jung ist. Zweitens weil sie sich da auskennt. Zwei Jahre arbeitete die gelernte Bankkauffrau und studierte Diplom-Verwaltungswirtin im Schuldezernat des Main-Taunus-Kreises.

"G8 halte ich für völlig richtig", sagt sie. Aber die Lehrpläne sollten angepasst werden, in Mittel- wie Oberstufe. Und für die Hauptschulen müssten neue Ideen her. Niemand schicke Kinder auf Schulen, deren Abschluss für nur zehn Prozent der Berufe tauge. "Da müssen wir Lösungen finden."

Die Wiesbadenerin will dabei mithelfen. Wenn sie darf. Klappt das nicht, dann hofft die Vorsitzende der Jungen Union (JU) Wiesbaden auf Mitarbeit im Umwelt- oder Innenausschuss.

Überraschende Nominierung

Zuletzt arbeitete Wallmann im hessischen Innenministerium, beschäftigte sich mit dem Glücksspielstaatsvertrag der Länder. Der Job endet am Freitag, 30. Januar. Ihr Status als Beamtin ruht dann erstmal. Bis sie zurückkommt. Der Sprung in den Landtag ist für Wallmann beruflich betrachtet risikofrei.

Allerdings: "Im Innenministerium zu arbeiten war immer mein Traum", sagt Wallmann. Dass der sich schneller als erwartet ausgeträumt hat, irritiert sie schon ein wenig. "Ich habe das alles noch nicht so richtig realisiert", sagt sie.

48 Stunden Bedenkzeit

Das mit ihrer Nominierung sei eben so überraschend und so schnell gekommen: Der Anruf des Wiesbadener Parteivorsitzenden Horst Klee Mitte November, das Gespräch mit ihm und Fraktionschef Bernhard Lorenz, dann 48 Stunden Bedenkzeit - und zuletzt ihre "lebensverändernde Entscheidung": Pro Kandidatur. Pro große Chance. Pro mehr Gehalt.

Ihr Vater, der ehemalige Wiesbadener Bürgermeister und Baudezernent Wilhelm Wallmann, habe nicht gerade "überschwänglich" reagiert, sagt sie. Aber er stehe hinter ihr. Genau wie ihre Mutter, ihre Zwillingsschwester und ihr Bruder.

Klar, der Name Wallmann, den ja auch ihr Onkel Walter, der ehemalige Frankfurter Oberbürgermeister und ehemalige Ministerpräsident Hessens trägt, habe bei den Wählern eine Rolle gespielt, sagt Astrid Wallmann.

"Aber letztlich ist es gut angekommen, dass ich eine junge Frau bin", glaubt sie. Parteifreunde sagen, Wallmann habe Charme, komme sympathisch rüber, gehe offen und freundlich auf Menschen zu und sei darüber hinaus apart anzusehen. Was auch immer die Gründe gewesen sind, unbestritten ist, dass sie den SPD-Gegenkandidaten Ernst-Ewald Roth mit 5500 Stimmen mehr als deutlich übertrumpfte.

Ihren Sitz im Stadtparlament will Wallmann nicht aufgeben. "Ich will den kommunalen Problemen verhaftet bleiben, eine Landtagsabgeordnete zum Anfassen sein." Auch dem Ortsbeirat Bierstadt bleibt sie erhalten und der JU als Vorsitzende. Zeitlich werde sie das schon hinbekommen, sagt Wallmann. Sie gilt als sehr pflichtbewusst. Auf einen heimlichen Austausch à la Doppeltes Lottchen mit ihrer Zwillingsschwester Birgit, die in Lippstadt als Richterin arbeitet, kann sie jedenfalls nicht bauen: "Wir sehen uns nur wie Geschwister ähnlich."

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