Stadtentwicklung in Wiesbaden

Die Klimastudie kommt noch

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Im Planungsgebiet Ostfeld/Kalkofen soll in Wiesbaden ein kompakter Stadtteil mit Grünzügen und Freiflächen entstehen. Für den Baudezernenten ist mit moderner Stadtplanung Klima und Stadtleben kein Widerspruch.

Ein kompakter Stadtteil mit eigenem Stadtkern und Infrastruktur für den täglichen Bedarf – so sieht das Vorzugsszenario für das Planungsgebiet Ostfeld aus, das Joachim Mengden vom Projektteam Ostfeld gestern vorstellte. Auf dem 450 Hektar großen Gelände auf beiden Seiten der A66 und links der B455 sollen einmal 8000 bis 12 000 Menschen wohnen und Wiesbaden soll neue Gewerbegebiete erhalten. Baubeginn ist frühstens in acht Jahren. Das Projekt steckt noch ganz am Planungsbeginn.

Anhand des Vorzugsszenarios müssen zunächst weiterführende Studien zur Erschließung und zum Verkehr angefertigt und die Planungen sämtlichen rechtlichen Prüfungen unterzogen werden. Auch eine kleinräumige Klimastudie ist in Auftrag gegeben, die klären soll, in welchem Ausmaß sich die Kaltluftströme aus dem Taunus verändern, sagt Mengden. Sie erfrischen an heißen Tagen Amöneburg, Kastel und Mainz. Kritiker befürchten, dass eine Bebauung die Kaltluftströme zum Erliegen bringen könnten. Mengden geht jedoch davon aus, dass die Luftströme an den Gebäuden vorbeiziehen und sie sich nur um etwa 10 Prozent verändern würden. „Die Mainzer werden immer noch Luft bekommen“, sagt er.

„Klima und Stadtleben ist kein Widerspruch“, fügt Bau- und Planungsdezernent Hans-Martin Kessler (CDU) an. Moderner Städtebau mit Freiflächen und Grünzügen würde für eine gute Durchlüftung sorgen. Im Frühjahr 2019 soll die Stadtverordnetenversammlung die Entscheidung fällen, ob das Gebiet als Baugebiet entwickelt werden soll.

Das Vorzugsszenario ist eines von drei Modellen, das die Planer als das bessere bewerteten. Es hält Abstand zur Deponieerweiterung, verschont das Biotop Kalkofen und die Siedlungsflächen liegen nicht im Sandabbaugebiet. Die Überflugschneisen der US-Airbase Erbenheim, die Qualität der landwirtschaftlichen Flächen und der Abstand zu Hochspannungsleitungen im Süden wurden dabei berücksichtigt. Außerdem sind noch zwei Gewerbegebiete vorgesehen, eines im nördlichen Teil Kalkofen und eines im südwestlichen Teil des Ostfelds neben dem Deponiehügel, wo sich auch Industrie ansiedeln soll. Die beiden Gewerbegebiete sind zusammen 49 Hektar groß. Die Wohnsiedlung nimmt 36 Hektar in Anspruch. Die Siedlung Fort Biehler wird nicht tangiert. „Dieses Szenario ist ein guter Kompromiss zwischen dem, was die Kritiker vortragen und dem, was die Stadt vorhat“, sagt Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne).

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