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Die Höhenretter üben einen Luftrettungseinsatz.

Fliegende Helfer

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Feuerwehr und Polizei retten Menschen, die in luftiger Höhe in Not geraten

In 50 Metern Höhe stehen zwei Männer auf der Spitze eines Krans. Zuschauer auf dem Dyckerhoff-Gelände am Rheinufer haben ihre Köpfe in den Nacken gelegt, um das Geschehen beobachten zu können. Plötzlich ertönt das Knattern eines anfliegenden Hubschraubers. Wie in einem Actionfilm steht die Seitentür des Hubschraubers offen, und ein Mann im roten Overall lehnt sich weit heraus, stellt seine Füße auf die Kufen.

Die Höhenretter der Berufsfeuerwehr Wiesbaden, die Piloten und die Hubschrauberbesatzung der hessischen Polizei proben den Ernstfall: Ein Kranführer ist in Not und muss gerettet werden. Als der Hubschrauber direkt über dem Kran schwebt, seilt sich der Mann ab.

Eine taktische Einheit

Den Zuschauern am Boden stockt der Atem, als der Feuerwehrmann am Seil in schwindelerregender Höhe durch den Wind hin und her schwingt. Oben am Hubschrauber steht ein anderer, der das Seil an der Winde stützt. Dann erreicht der Höhenretter die Spitze des Krans, und in nur wenigen Sekunden hat er die in Notlage geratene Person fest an seinem Gurt verankert.

Der Amtsleiter der Berufsfeuerwehr, Harald Müller, ist zufrieden mit der Übung: „Ich bin immer froh, wenn nichts passiert und alles gut geht“, sagt er. „Es ist eine heikle Angelegenheit.“

Bei dieser Übung ist der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) unter den Zuschauern. Er möchte sich an diesem Tag selbst ein Bild von der Arbeit der Höhenretter machen. Denn bereits seit dem 1. Januar dieses Jahres bilden die Höhenretter der Feuerwehr Wiesbaden und die Piloten und Hubschrauberbesatzung der hessischen Polizei offiziell, per Erlass des Innenministeriums, die taktische Einheit der sogenannten Luft-Hubschraubergeschützen Höhenrettung für Hessen und Rheinland-Pfalz.

Die fliegenden Retter aus Polizei und Feuerwehr arbeiten zwar schon seit geraumer Zeit zusammen, der Erlass mache ihre Zusammenarbeit nun offiziell, gebe dem Ganzen einen Namen und regele den taktischen Ablauf, erklärt Brandoberrat Klaus Hahn. Die Höhenretter werden angefordert, wenn Menschen etwa beim Klettern in großer Höhe oder aus einer Seilbahn, von Häuserdächern oder Schiffsdecks geholt werden müssten. „Wir seilen einen Höhenretter zur verunfallten Person ab, der sorgt für die nötigen Sofortmaßnahmen und mit dem Hubschrauber transportieren wir sie zum Rettungsdienst“, erklärt Hahn. Der Hubschrauber mit der für die Höhenrettung nötigen Seilwinde sei lediglich ein Transportmittel, kein Rettungshubschrauber. Nach dem Abtransport aus dem unzugänglichen Gelände müsse also immer eine Übergabe an den Rettungsdienst folgen.

Da die Einheit nur wenige Einsätze habe, sei das regelmäßige Training umso wichtiger, sagt der Leiter der 15 Mann starken Höhenrettergruppe bei der Feuerwehr Wiesbaden, Thomas Dörwald. Er trägt für diese Übung auch seinen roten Overall, eine Art festen Klettergurt, der gespickt ist mit großen Karabinerhaken und mächtigen Ösen. „Wir müssen uns im Ernstfall voll auf das Material verlassen können und auf den Teamgeist“, sagt Dörwald. Mindestens 80 Stunden muss die Einheit zusammen den Ernstfall üben.

Amtsleiter Müller ist stolz auf die „Spezialeinheit“: „Bei der Größe der Wiesbadener Berufsfeuerwehr sehen wir uns verpflichtet, der Bevölkerung diese Sicherheit zu geben“, sagt er. Außerdem würden die Einsatzlagen immer komplizierter, und die Bevölkerung erwarte im Notfall von der Feuerwehr und der Polizei fach- und sachgerechte Hilfe, so Müller: „Mit dieser Einheit sind wir auf alles vorbereitet“, sagt er und schaut nach oben in den Himmel, denn dort erscheint schon wieder der Hubschrauber und setzt zur nächsten Übung an.

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