Mehr Autofahrer in die Busse, das ist das Ziel der Piraten.
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Mehr Autofahrer in die Busse, das ist das Ziel der Piraten.

Öffentlicher Personennahverkehr

Busfahren soll kostenlos sein

Die Piraten fordern einen gebührenfreien öffentlichen Personennahverkehr. Sie verweisen auf die Erfolge kostenfreier Angebote in anderen Städten. Wiesbaden würde das kostenlose Busfahren mindestens 56 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Von Gaby Buschlinger

Umsonst Busfahren – im Juni war die gemeinsame Fraktion von Linken und Piraten mit diesem Ansinnen gescheitert, doch zumindest die Piratenpartei lässt nicht locker. Nach dem Erfolg der Werbeaktion der Stadt Leipzig, Autofahrer durch kostenlose Angebote zum Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu motivieren, fordere die Partei erneut einen gebührenfreien Nahverkehr in der Landeshauptstadt, teilte deren Kreisvorsitzender Bernd Fachinger mit.

Günstigere oder „idealerweise kostenlose“ Busfahrten waren ein Punkt der „11 Themen für Wiesbaden“, mit denen die Piraten im vergangenen Jahr erstmals in den Kommunalwahlkampf gezogen waren.

In Leipzig durften kürzlich Fahrgäste, die das Auto stehen ließen, vier Tage lang Busse und Straßenbahnen kostenlos nutzen, so Fachinger. Als Fahrschein diente die Fahrzeugzulassung. Nach Angaben der Leipziger Volkszeitung nutzten mehr als 220.000 Personen dieses Angebot.

Piraten-Chef Fachinger schlussfolgert aus diesem großen Zuspruch, „dass viele Autofahrer durchaus gewillt sind, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen“. Allein die „derzeitige Preisgestaltung der Verkehrsbetriebe“ halte sie davon ab, weil es sich meistens finanziell nicht lohne – trotz der ins Astronomische gestiegenen Benzinpreise. Erst im Dezember hatte Eswe-Verkehr die Fahrpreise erhöht, die Einzelfahrt für Erwachsene kostet seitdem 2,50 Euro, Kinder zahlen 1,50 Euro.

Autoverkehr in der City nimmt ab

In der belgischen Stadt Hasselt, in der 1997 Bustickets abgeschafft wurden, hat sich laut Fachinger die Beteiligung am öffentlichen Personennahverkehr vervielfacht und der innerstädtische Autoverkehr minimiert. Sogar die Umsätze des Einzelhandels hätten dadurch gesteigert werden können.

Dass die Forderung nach Busfahren ohne Ticket „zu kritischem Stirnrunzeln“ führen kann, ist dem Piraten bewusst. Dennoch hält Fachinger sie nicht für „teuren Idealismus“. Es gebe „sinnvolle Konzepte, ein solches Angebot über Steuern oder Umlagen zu finanzieren“. Genauer wurde Fachinger nicht. Langfristig könnten die öffentlichen Haushalte sogar von diesem Einnahmeverzicht profitieren, weil Umwelt und Infrastruktur geschont und die Innenstädte für Konsumenten attraktiver würden.

Das kostenlose Busfahren würde die Stadt mindestens 56 Millionen Euro pro Jahr kosten. Im Geschäftsjahr 2010 – aktuellere Zahlen liegen bei Eswe-Verkehr noch nicht vor – brachten die knapp 50 Millionen Fahrgäste der Eswe-Verkehrsgesellschaft einen Umsatz von knapp 42 Millionen Euro.

Dieser geht hauptsächlich auf den Fahrscheinverkauf zurück.

Trotzdem machte das Busunternehmen noch ein Defizit von 13,8 Millionen Euro, das von der städtischen Holding WVV ausgeglichen wird.

Eswe-Sprecher Holger Elze befürchtet, dass es bei dem Zuschuss von rund 56 Millionen Euro nicht bleiben wird. Wären alle Busfahrten kostenlos, würde die Nachfrage steigen, „und das wäre mit dem heutigen Abgebot nicht zu stemmen“. Also müssten mehr Busse und Fahrer eingesetzt – und bezahlt – werden. Darüber hinaus sei die Eswe-Verkehr als Mitglied des Rhein-Main-Verkehrsverbunds an dessen Tarifstruktur gebunden.

Das alles nehmen die Piraten nicht als gottgegeben hin: Sie diskutieren nun, welches konkrete Modell eines gebührenfreien ÖPNVs zu bevorzugen ist.

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