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Bufdis brauchen Anreize

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Marie Vogelmann ist die erste, die ihren  Bundesfreiwilligendienst beim Patientensender der Horst-Schmidt-Klinik leistet.
Marie Vogelmann ist die erste, die ihren Bundesfreiwilligendienst beim Patientensender der Horst-Schmidt-Klinik leistet. © Michael Schick

Der Bundesfreiwilligendienst läuft in Wiesbaden zögerlich an. Manche Dienstleistungen wie etwa „Bücher auf Rädern“ werden eingestellt, weil sich kein Freiwilliger findet. Die Einrichtungen, die früher Zivildienstleistende beschäftigten, müssen heute um Bufdis werben.

Von Gesa Fritz

Wie sie sich nennen soll – der Bufdi? Oder vielleicht eher: die Bufda? Die 19-Jährige kaut auf den Worten herum. „Nein: Ich bin einfach die Marie“, sagt sie dann. Marie Vogelmann arbeitet seit September 2012 für das Radio Klinikfunk Wiesbaden. Sie ist die Erste, die beim Patientensender der Horst-Schmidt-Klinik (HSK) ihren Bundesfreiwilligendienst leistet.

Vor rund einem Jahr beendeten die letzten Zivis in der Landeshauptstadt ihren Dienst. Seit Juli 2011 sind die ersten Bundesfreiwilligendienstleistenden, die Bufdis, im Einsatz. 53 sind es nach Angaben des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben derzeit in Wiesbaden, fast genauso viele Männer wie Frauen. Sechs bis 18 Monate sind die Freiwilligen im Einsatz. Der Zivildienst dauerte zuletzt nur noch sechs Monate. Obwohl der neue Freiwilligendienst auch älteren Menschen offen steht, sind rund 80 Prozent unter 27 Jahren.

Zu Zivi-Zeiten saßen immer wieder Ersatzdienstleistende am Regler des HSK-Patientensenders. Allerdings nur für drei Monate, den Rest des Zivildienstes leisteten sie in der Klinik ab. Marie Vogelmann ist für sechs Monate hier – Kontinuität für den Sender. Neben ihr arbeiten dort nur Ehrenamtliche, sie ist als einzige täglich acht Stunden vor Ort.

Freiwillige sind motivierter

In Wiesbaden gab es einmal mehr als 141 Einrichtungen, die Zivis eingesetzt haben, mit über 400 Stellen. Für manche Bereiche werden Bufdis gar nicht mehr nachgefragt. Weil sich keine Freiwilligen finden oder weil Planungssicherheit notwendig ist.

Der Arbeiter-Samariter-Bund Wiesbaden musste bereits 2011 kostenfreie Dienstleistungen wie „Bücher auf Rädern“, wo Zivis Bücher brachten, komplett einstellen. Für den Hausnotrufservice wurden Mitarbeiter fest eingestellt. Das St. Josephshospital meldet derweil Entspannung: Früher taten in dem Krankenhaus bis zu 25 Zivis Dienst, Bufdis wurden noch vor einem Jahr händeringend und erfolglos gesucht. „Jetzt haben wir neun Bufdis und sind ganz zufrieden“, sagt Pflegedienstleiter Thomas Reckmeyer. Eingesetzt werden sie wie die Zivis bei Fahr-, Begleit- oder technischen Diensten.

„Man kann nicht mit Feldjägern drohen“

Problemlos verlief der Übergang von den Zivis zu den Bufdis beim Evangelischen Verein für Innere Mission Nassau (Evim). „Die Freiwilligen sind in der Regel motivierter. Sie haben sich diese Arbeit ausgesucht – und werden nicht dazu verpflichtet wie die Zivis“, sagt Karin Falkenstein von Evim. Die Bufdis helfen in Kindergärten, leisten Senioren Gesellschaft oder begleiten Behinderte. Umstellen müssten sich vor allem die Einrichtungen, glaubt Falkenstein. Sie müssten den Bufdis Anreize bieten, sie wertschätzend behandeln. „Zugespitzt: Man kann den Freiwilligen nicht mit den Feldjägern drohen, damit sie kommen“, sagt sie.

Marie Vogelmann hat Spaß. Sie besucht Pressekonferenzen, schneidet Beiträge, moderiert, knüpft den Kontakt zu den Patienten. „Eigentlich bin ich die Chaos-Queen“, sagt sie. Selbstbewusstsein habe sie hier gesammelt, und gelernt, sich nicht so zu verzetteln. Marie Vogelmann hofft, dass das Bufdi-Jahr sie ihrem Traum näherbringt: Als Sängerin mit einer Band auf der Bühne zu stehen. Oder vielleicht will sie doch studieren – vielleicht Kommunikationsdesign oder so. Für sie ist es ein halbes Jahr der Orientierung.

Informationen über Bufdi-Stellen gibt es im Internet unter www.bundesfreiwilligendienst.de/platzboerse.html

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