Wiesbaden

Büros in der Innenstadt gefragt

  • vonDiana Unkart
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Büroimmobilien kommen in Wiesbaden vergleichsweise gut durch die Krise. Das liegt an Strukturen, die der Stadt das Image einer langweiligen Beamtenstadt eingebracht haben.

Wenn Immobilienspezialist Carlo Schöps vom Wiesbadener Unternehmen Two Rivers Kunden berät, die Büros mieten möchten, dann legt er ihnen zwei Planungen vor: eine konventionelle und eine mit Corona-Abstandsregeln. Die Pandemie hat den Markt für Büroimmobilien verändert. Die Nachfrage ist zurückgegangen, in Wiesbaden allerdings nicht so stark wie in anderen Städten. Im dritten Quartal habe sie bereits wieder angezogen, berichtet Ann-Skrollan Persicke vom Immobilienberater Colliers International.

Dass Wiesbaden weniger stark betroffen ist, liegt auch an der Struktur, die der Stadt den Ruf einer Beamtenstadt eingebracht hat: Viele der circa 83 000 Bürobeschäftigten arbeiten im öffentlichen Dienst, Behörden des Bundes, Landes und Ämtern der Stadt. Der öffentliche Dienst ticke anders, was Corona und Homeoffice betreffe, sagt Schöps. Das Arbeiten zu Hause sei dort nicht so einfach umzusetzen.

Wie sich der Büromarkt entwickeln werde, sei noch nicht abzusehen. Es gebe Unternehmen, die Homeoffice auch nach der Krise fortsetzen möchten. Andere, vorrangig im Kreativ- und Dienstleistungsbereich mit häufigen Kundenkontakten, möchten ihre Mitarbeiter vor Ort haben. Das mobile Arbeiten werde künftig integriert, prognostiziert Skrollan Persicke. Das bedeutet, Angestellte arbeiten teils zu Hause, teils im Büro.

Großabschlüsse hatten 2019 für Rekorde auf dem Büroimmobilienmarkt gesorgt. Laut Colliers International wurde mit dem Flächenumsatz von 100 000 Quadratmetern das höchste Ergebnis der zurückliegenden Dekade erzielt. Mit einem ähnlichen Ergebnis habe man für dieses Jahr auch vor Corona nicht gerechnet, sagt Persicke. Sie geht davon aus, dass der Umsatz bei etwas über 60 000 Quadratmetern liegen wird. Unverändert nachgefragt würden Flächen in der City. Dort seien nicht mehr viele Büros verfügbar.

Dass die Corona-Krise zu einem Preisverfall führen wird, glauben die Experten nicht. In den vergangenen drei Jahren seien viele alte Bürogebäude abgerissen worden, sagt Schöps. Zudem wüchsen viele Behörden seit Jahren und suchten weiter nach Flächen, sagt Persicke, genauso wie Firmen aus dem IT-, Versicherungs- und Gesundheitssektor. „Alle Büros, die 2020 fertig wurden, sind komplett vermittelt.“

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