So frei und umgrünt wie jetzt soll die Wandelhalle bleiben.
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So frei und umgrünt wie jetzt soll die Wandelhalle bleiben.

Bürger sollen Park retten

Bürgerliste startet Sammlung von Unterschriften zum Erhalt der Herbert-Anlagen

Von Gaby Buschlinger

Die erste Schlacht hat David gegen Goliath wie erwartet verloren: Die große Koalition will die neuen Rhein-Main-Hallen neben die alten bauen lassen, und dafür notfalls „ein paar Quadratmeter“ der angrenzenden denkmalgeschützten Herbert-Anlagen opfern.

Die Oppositionsfraktion der Bürgerliste Wiesbaden (BLW) aber gab sich nicht geschlagen: Sie startete am Freitag prompt ein Bürgerbegehren zum Schutz des Gartenkunstwerks. Unterstützt wird die BLW von Grünen, Linken und Piraten. Ab der nächsten Woche werden Unterschriften gesammelt, sagte BLW-Fraktionsvorsitzender Michael von Poser.

SPD und CDU lehnten es in der Sondersitzung des Stadtparlaments am Donnerstagabend nach einer zweistündigen Debatte ab, den Verbindungsweg zwischen Kronprinzenstraße und Friedrich-Ebert-Allee noch vor dem Architektenwettbewerb als Baugrenze für die neuen Rhein-Main-Hallen festzulegen. „Die Architekten sollen die Möglichkeit haben, mehr zu bauen als einen Schuhkarton oder ein Hochhaus“, sagte der SPD-Fraktionschef und designierte OB-Kandidat Sven Gerich. Es sei abzuwarten, wie weit funktionstüchtige und architektonisch ansprechende Entwürfe die Anlagen überhaupt tangierten.

Da der Messebetrieb in den alten Hallen während der dreijährigen Bauarbeiten nicht beeinträchtigt werden soll, um keine Kunden und Arbeitsplätze zu verlieren, muss der Neubau auf dem Ladehof ansetzen. Das neue Gebäude, das eine Grundfläche von rund 100 mal 70 Metern hat, reicht dann bis fast an die historische Wandelhalle heran.

Da über den Siegerentwurf die Bürger abstimmen sollen, „entscheiden diese am Ende, ob für sie die wirtschaftliche Bedeutung des Messe- und Kongressbetriebs wichtiger ist oder der Erhalt der Grünanlagen“, sagte Gerich. Im Wahlkampf hatte die SPD derweil noch eine Teilbebauung der Herbert-Anlagen als Tabu bezeichnet.

Alle Oppositionsfraktionen hatten dem Wunsch der Bürgerliste Wiesbaden, den Fußweg als Baugrenze festzulegen, zugestimmt. Sie warfen den Koalitionären vor, mit den Architekten und dem Bürgervotum über den Siegerentwurf den Denkmalschutz aushebeln zu wollen und das „einmalige Gartendenkmal zerstören“ zu lassen.

Die SPD-Stadtverordnete Vera Gretz-Roth sagte, das Bürgerbegehren werde den seit einem Jahr diskutierten Neubau noch weiter herauszögern, „und es schadet dem Image und der Wirtschaft der Stadt.“ Hans-Martin Kessler (CDU) nannte das Bürgerbegehren „rein destruktiv“. Denn „rechtssichere Einschätzungen zu Baurecht und Denkmalschutz sind erst möglich, wenn baufertige Entwürfe vorliegen.“

In der nächsten Woche stellt die Bürgerliste in der Innenstadt den ersten Stand auf, um „Für die Erhaltung des geschützten Kulturdenkmals Herbert-Anlage“ Unterschriften zu sammeln, sagte deren Fraktionsgeschäftsstellenleiter Karl-Heinz Maierl. Maierl ist zudem Vertrauensperson des Begehrens, ebenso wie Grünen-Parteichef Herbert Bohr und der ehemalige Grünflächenamtsleiter Hildebert de la Chevallerie. Eine Internetseite (www.herbertanlage.de) sei bereits im Aufbau, die Unterschriftenlisten fertig.

Wenn in den nächsten acht Wochen gut 6000 Unterschriften von Wiesbadener Wahlberechtigten zusammenkommen, kann es einen Bürgerentscheid geben. Dann wären 50000 Ja-Stimmen nötig, um den Parlamentsbeschluss um die Baugrenze zu ergänzen. Es sei denn, die Koalition tut dies freiwillig. Siehe Kommentar

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