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"Die Bürger sind doch mitverantwortlich"

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Detlev Bendel (CDU),  Wirtschaftsdezernent, sagt, auch die Politik habe Fehler gemacht.
Detlev Bendel (CDU), Wirtschaftsdezernent, sagt, auch die Politik habe Fehler gemacht. © KFV Wiesbaden

Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel fordert Einkauf im Stadtteil und Beschränkung in Gewerbegebieten

Die Zeit der Tante-Emma-Läden sei leider vorbei, sagt Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (58, CDU). Dennoch werde viel getan, um die Nahversorgung vor Ort aufrechtzuerhalten.

Wirtschaftsminister Dieter Posch hat sich auf der Grünen Woche für die Nahversorgung vor Ort stark gemacht. Was tut die Stadt Wiesbaden dafür, Läden in den Stadtteilen zu halten?

Viel. Wir leisten viel Überzeugungsarbeit, führen viele Gespräche mit großen Einzelhandelsketten, um sie dazu zu bewegen, als kleinerer Laden mit einem vielleicht abgespeckten Sortiment in den Stadtteilen Fuß zu fassen. In Auringen ist das zum Beispiel gelungen.

Schauen wir mal nach Nordenstadt. Dort schließt ein eigentümergeführter Laden nach dem nächsten.

Klar sind in der Vergangenheit auch Fehler gemacht worden. Man hätte zum Beispiel das Sortiment des Gewerbegebiets beschränken können.

Und warum hat man das nicht gemacht? Wegen der Gewerbesteuer?

Wer nur an Gewerbesteuer denkt, denkt nicht weit genug. Wir hatten mal eine Anfrage von Decathlon, der auf die grüne Wiese bauen wollte. Aber ich schaffe mir doch keinen Konkurrenten, der die Kaufkraft aus der Innenstadt zieht. Dann habe ich da Steuereinnahmen gewonnen, aber in der City zehn Unternehmen verloren.

Am Mittwoch schließt in Nordenstadt ein weiterer Bäcker. Wer weiß, wie lange es Metzgereien geben wird. Schließlich eröffnet bald ein Globus.

Man muss mit Qualität überzeugen. Die Menschen sind doch mitverantwortlich. Sie entscheiden, wo sie einkaufen. Um Geschäfte vor Ort zu halten, muss man dort auch das Angebot nutzen. Und nicht erst ins Gewerbegebiet und dann, wenn man ein Päckchen Butter vergessen hat, zum Laden um die Ecke.

So sind die Bürger also selber schuld, wenn sie jetzt zum Einkaufen fahren müssen?

Ja. Wir haben nun eben unser Einkaufsverhalten geändert. Der Staat oder eine Stadt kann nun mal eben nicht umerziehen.

Sehen Sie so gar keine Chance für den Tante-Emma-Laden?

Nein, bedauerlicherweise. Schließlich waren diese Läden ja auch Kommunikationsstätten für die Bürger. Da merkte man, dass das Zusammenleben vor Ort noch funktionierte.

Das Gespräch führte Ute Fiedler.

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