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Bürger halfen mit Fuhrwerken

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Eine Ausstellung dokumentiert die 400-jährige Geschichte des alten Wiesbadener Rathauses - zu sehen ist sie direkt gegenüber im neuen Rathaus. Von Michael Grabenströer

Von Michael Grabenströer

Aus dem "Ausland", so steht es im offiziellen Begleittext, kamen vor 400 Jahren die Handwerker, die das Alte Rathaus in Wiesbaden verschönerten. Dabei ist Ausland aus der Sicht der damaligen Zeit zu betrachten. Denn der Steinmetz kam aus dem benachbarten Kurmainz nach Wiesbaden und die Holz- und Balkenschnitzereien fertigte ein Straßburger Künstler an.

Die Einwohner, erfährt der Besucher in der Ausstellung, leisteten Hand- und Spanndienste. Sie waren mit ihrer Arbeitskraft und ihren Fuhrwerken beteiligt, um Steine aus den Brüchen in Sonnenberg und Dotzheim heranzukarren. Eine Art Eigenleistung an einem öffentlichen Bauvorhaben. Die Dokumentation, die im Rathaus gezeigt wird, beschreibt eines der ältesten Gebäude der Stadt. Das Rathaus mit einst reich geschmückter Fachwerkfassade wurde 1609/10 erbaut, obwohl sich der Dreißigjährige Krieg bereits abzeichnete und es zu einer militärischen Bedrohung Wiesbadens durch den katholischen Nachbarn Kurmainz gekommen war.

Die Ausstellung dokumentiert nicht nur die rund 400-jährige Geschichte des Gebäudes, das seit 1957 als Standesamt und Trausaal genutzt wird. Zugleich ist sie eine aktuelle Arbeit des Projektbüros Stadtmuseum. Das Museum im Aufbau will Dokumente der Stadtgeschichte der Öffentlichkeit präsentieren. "Es entsteht ein Bild der Stadt des 16. und 17. Jahrhunderts, mit ihren Ängsten, ihrem Stolz, ihren Idealen und ihrer Schönheit", sagte Kulturdezernentin Rita Thies (Grüne) zur Eröffnung.

Gezeigt werden auch die "Tugendtafeln", die beschrieben, was von den Bürgern der Stadt erwartet wurde. Der Zyklus gehört seit dem 19. Jahrhundert zur Sammlung nassauischer Altertümer und soll im neuen Stadtmuseum präsentiert werden.

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