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Bürger fürchten Kahlschlag

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Am Ufer wurde ausgeholzt.
Am Ufer wurde ausgeholzt. © Rolf Oeser

Eine Bürger-Initiative kritisiert die Säge- und Baumfällarbeiten auf der Maaraue: In den Sträuchern am Ufer brüteten viele Vögel, die einfach vertrieben würden.

Von Fabian Siegel

In der Maaraue in Kostheim heulen unaufhörlich die Motorsägen. Sehr zum Ärger der Anwohner, die sich in der Bürger-Initiative „Rettet die Maaraue“ (Birma) organisiert haben. Gleich mehrere Behörden fällen auf der Halbinsel an der Mainmündung Bäume und Sträucher. „Dabei ist das Gebiet doch eigentlich landschaftsgeschützt“, kritisiert Claus Heinacker von der Inititative.

Wer gerade wo sägt und warum erfahre er nicht von der Stadt, sondern nur noch über eigene Nachforschungen. Wie im Fall der Arbeiter, die noch bis vor kurzem fast sämtliche Sträucher am Uferrand der Weichholzaue hinter dem alten Klärwerk entfernt hätten. „Wir haben dann herausgefunden, dass das Leute von der Wasser- und Schifffahrtsbehörde in Aschaffenburg waren“, berichtet Heinacker.

Die habe aber seiner Meinung nach dort gar nichts verloren. Denn wie ein paar kleine Sträucher den Schiffverkehr so stark behindern könnten, dass eine Bundesbehörde eingreifen müsse, verstehe er nicht. „In den Sträuchern am Ufer brüten viele Vögel, die einfach so vertrieben werden.“

Die Behörde in Aschaffenburg sieht das anders: Das Abschneiden sei ein ganz normaler Vorgang, der alle paar Jahre in Absprache mit der Unteren Umweltbehörde durchgeführt werde. Grund seien Schifffahrtszeichen am Ufer. „Wenn die Büsche zu hoch werden, sehen die Bootsführer diese Zeichen nicht mehr“, sagt Sprecher Klaus Dieter Naun.

Für die übrige Verkehrssicherung auf der Halbinsel sei das Grünflächenamt zuständig, sagt Dezernentin Birgit Zeimetz (CDU). Aktuell ruhten die Sägearbeiten aber. Lediglich ein Wäldchen zwischen Freibad und den Sportplätzen von TuS und SV Kostheim sei gesperrt worden, um Fußgänger vor herunterfallenden Ästen zu schützen. „Wenn wir Bäume und Sträucher auf der Maaraue fällen, dann nur, weil sie eine Gefahr darstellen“, sagt Zeimetz.

Das sei in der Vergangenheit aber nicht immer so gewesen, entgegnet Claus Heinacker von der Bürgerinitiative. Oft seien Bäume gefällt worden, ohne über Alternativen nachzudenken. „Im Moment scheint niemand zu wissen, wer sich überhaupt um die Pflege der Maaraue kümmert.“ Verantwortlich hierfür macht er Umstrukturierungen im Rathaus . Die Zuständigkeit für die Fällarbeiten sei nach der letzten Wahl vom Umwelt- auf das Grünflächenamt übergegangen „Seitdem sind wir als Bürgerinitiative außen vor“, beklagt Heinacker.

Unter Umweltdezernentin Rita Thies (Grüne) sei Birma im Vorfeld über anstehende Aktionen informiert worden. Gemeinsam hätten alle Beteiligten dann versucht, Lösungen für Menschen, Pflanzen und Tiere zu finden. Die Bürgerinitiative habe Schmutz und Schädlinge bekämpft oder die Einrichtung eines Naturlehrpfads in die Wege geleitet. Nun hat die Stadt uns aber mitgeteilt, dass wir als Bürgerinitiative nicht mehr bevorzugt behandelt werden“, sagt Heinacker und fordert die Stadt auf, die aktuelle Situation zu überdenken.

Offenbar mit Erfolg: Grünflächendezernentin Birgit Zeimetz denkt darüber nach, die Menschen vor Ort wieder mit ins Boot zu holen. Die Kommunikation dürfe nicht länger „über drei Ecken“ stattfinden, sagt sie.

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