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Wiesbaden

„Viele sind wütend auf ‚Querdenken‘“

  • vonDiana Unkart
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Eine Aktivistin spricht im Interview über die „Querdenken“-Szene in Wiesbaden und die Reaktionen der Bevölkerung.

In Wiesbaden hat sich ein „Bündnis gegen Verschwörungstheorien und Polizeigewalt“ gegründet. Es will aufklären über die „Querdenken“-Bewegung, die in der Stadt zuletzt regelmäßig zu Demonstrationen aufgerufen hat. Eine der Initiatorinnen sagt, in Wiesbaden gebe es personelle Überschneidungen mit anderen Bewegungen, die von Experten als diffus und nach rechts offen bezeichnet werden. Sie möchte anonym bleiben. „Ich bin mir der Gefahren bewusst, die von ‚Querdenken‘ ausgehen.“

Wer gehört dem „Bündnis gegen Verschwörungstheorien und Polizeigewalt“ an?

Wir haben uns vor einiger Zeit anlassbezogen gegründet und sind eine Gruppe von etwa 20 Privatpersonen, die immer dann aktiv werden, wenn sich die „Querdenken“-Szene versammelt. Wir melden Gegenveranstaltungen an, weil wir „Querdenken 611“, also der örtlichen Gruppierung, nicht den Platz und den öffentlichen Diskurs in Wiesbaden überlassen wollen. Unser Anliegen ist es, dass die unsolidarischen und antisemitischen Inhalte von „Querdenken 611“ als solche benannt werden und die Öffentlichkeit darüber informiert wird.

Das Bündnis wendet sich auch gegen Polizeigewalt.

In den vergangenen Monaten ist es teilweise zu massiver Polizeigewalt gekommen. Im Sommer zum Beispiel sind in Ingelheim Gegendemonstrant:innen in einem Tunnel geprügelt und mit Pfefferspray besprüht worden. Die Ermittlungen gegen die Polizist:innen sind gerade eingestellt worden. In einem anderen Fall sind Gegendemonstrantinnen und -demonstranten stundenlang eingekesselt worden. Ein solches Vorgehen sehen wir sehr kritisch. Auch psychische Gewalt, wie sie in den mit NSU 2.0 unterzeichneten Drohbriefen ausgeübt wurde, zählen wir dazu. Adressen sind von Polizeicomputern abgerufen worden. Aus unserer Sicht fehlt eine von der Polizei unabhängige Kontrolle.

Wie war bislang die Resonanz auf Ihre Aufrufe?

Positiv auf jeden Fall. Während einer Kundgebung am Staatstheater sind die Leute stehen geblieben und mit uns ins Gespräch gekommen. Viele wussten gar nicht, dass es eine Wiesbadener „Querdenken“-Gruppe gibt. Vor kurzem hat die Stadt eine Demo von „Querdenken“ untersagt. Wir haben dann unsere Veranstaltung auf den ursprünglich von „Querdenken 611“ angedachten Platz verlagert. Das war ein schönes Symbol: Wir überlassen „Querdenken“ nicht den öffentlichen Raum.

Wer gehört in Wiesbaden zur „Querdenken“-Szene?

In Wiesbaden sind die Protagonisten von „Wir sind viel mehr“ und der Gelbwesten-Bewegung jetzt als „Querdenker“ unterwegs – vermutlich weil die anderen Bewegungen nur noch wenig Zulauf hatten. Unterstützt werden sie von Leuten aus dem Pegida-Umfeld, von rechten Meinungsmacher:innen und bekennenden Rechtsextremen aus dem Hooligan-Milieu, die bei den Demonstrationen als Redner auftreten. Samstags findet auf dem Mauritiusplatz der sogenannte Bürgerdialog statt. Der Personenkreis von „Querdenken“ und dem Bürgerdialog ist teilweise identisch. Das zeigt sich auch in den beiden Telegram-Gruppen. Insgesamt schätzen wir, dass 100 bis 150 Personen zur Wiesbadener Szene gehören.

Hat die „Querdenken“-Bewegung in Wiesbaden Zulauf?

Nein, eher nicht. Ich glaube, dass nur wenige Leute aus der bürgerlichen Mitte „Querdenken“ aufgeschlossen gegenüberstehen. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass viele Menschen wütend und genervt sind, allerdings nicht wegen der Inhalte, die „Querdenken“ verbreitet, sondern wegen der Regelverstöße.

Planen Sie weitere Aktionen?

Wir werden weiter zu Kundgebungen aufrufen. Da wir uns als Aktionsbündnis begreifen, das über „Querdenken“ aufklären möchte, wäre es uns am liebsten, wenn wir nicht mehr in Erscheinung treten müssen, weil es keinen Bedarf mehr gibt.

Interview: Diana Unkart

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