Stadtentwicklung in Wiesbaden

Bündnis gegen neues Viertel in Wiesbaden

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Ein neues Bürgerbündnis macht in Wiesbaden gegen den neuen Stadtteil Ostfeld/Kalkofen mobil. Es tritt für den Erhalt des Biotops Kalkofen ein. Der Mainzer Klimaschutzbeirat fürchtet um Kaltluftschneisen.

Das geplante Großprojekt zum Bau eines neuen Stadtteils Ostfeld/Kalkofen erhält Gegenwind von einem neuen Bürgerbündnis. Die Aktionsgemeinschaft „Hände weg von Os/Ka“ möchte die Bebauung des 450 Hektar großen Geländes zwischen B455 und der A671 verhindern.

Die Mitglieder befürchten gesundheitliche Beeinträchtigungen durch schlechte Luft und die Erwärmung der Umgebung, die mit der Bebauung einhergehen. Es geht ihnen aber auch um den Erhalt wertvollen Ackerlandes und des Biotops Kalkofen. Dem Aktionsbündnis gehören der Arbeitskreis Umwelt und Frieden Amöneburg, Kastel und Kostheim (AUF AKK), die Bürgerinitiative Fort Biehler, der Verein Cyperiuspark, die Bürgerinitiative gegen Lärm und Gefahren durch US-Flugzeuge (Bilgus) und die BI Kein Verkehrskollaps in Erbenheim (KVE) an. 

„Das Amt für Stadtentwicklung lässt Antworten auf kritische Fragen vermissen“, sagt Sabine Maritzen, eine der Sprecherinnen der BI Fort Biehler. Bezahlbarer Wohnraum, wie er von der Stadt beabsichtigt sei, lasse sich dort nicht realisieren, sollen „Verkehrschaos, die entfallende Belüftung und die dramatische Erwärmung des Umfeld“ verhindert werden. Allein die Entwässerung des Stadtteils müsste über Hebeanlagen realisiert werden, was sehr aufwendig sei. 

Mit dem Zusammenschluss der BI’s werde es einfacher, jedes Anliegen öffentlich zu machen. Das Bündnis wolle informieren und suche den Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern. Die Vorstudien für das geplante Wohn- und Gewerbegebiet Ostfeld/Kalkofen sollen im März 2019 abgeschlossen sein, darunter auch Studien zu den Biotopen und zum Klima. Im Anschluss könnte sich die Politik für oder gegen den Planungsprozess entscheiden oder die Pläne verändern. 8000 bis 12 000 Wohnungen sollen dort entstehen. 

Pirol kommt aus Indien

„Im Ostfeld liegen drei natürliche Quellen, die den Cyperiuspark und den angrenzenden Tierpark Kastel mit Wasser versorgen“, berichtet Irmi Jungels, Vorsitzende des Cyperiusparks, warum ihr Verein gegen das neue Viertel ist. „Wir befürchten, dass die Quellen durch die Bebauung versiegen.“ Unter den einhundert Tierarten lebten eines der größten europäischen Vorkommen an Mauereidechsen und zehn als gefährdet eingestufte Vogelarten auf dem Gelände. „Der Pirol findet jedes Jahr den Weg von Indien zu uns. Wenn alles bebaut ist, schafft er das nicht mehr“, sagt Jungels. Bilgus-Sprecher Bernd Wulf hält das Gebiet aus Lärmschutzgründen nicht für die Wohnbebauung geeignet, denn es liegt in der Einflugschneise der US-Airbase Erbenheim. Zudem möchte er darauf achten, dass, sollte doch gebaut werden, alle Sicherheitsrichtlinien eingehalten werden. 

Dass die Bebauung nicht nur Wiesbaden, sondern auch Mainz etwas angeht, berichtet Volker Wittmer vom Klimaschutzbeirat der Stadt Mainz. Er ist zwar kein Bündnismitglied, erörterte aber auf dem Gründungstreffen, dass sich auf dem Gelände Kaltsenken befänden, die für die Frischluftzufuhr nach Kastel und Kostheim und in die Mainzer Neustadt und die Altstadt bedeutsam seien. Sollten die Frischluftströme wegen der Bebauung fortfallen, erwärme sich auch die Mainzer Innenstadt um einige Grade. 

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