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Botschaft der Toleranz

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Von: Arne Löffel

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Werben für Toleranz.
Werben für Toleranz. © dpa

Wiesbaden begeht den Christopher-Street-Day mit einer Demo, aber auch mit viel Party. Schirmherr ist Wiesbadens Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD).

Der Christopher Street Day (CSD) hat einen ernsten Hintergrund. In der New Yorker Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street emanzipierte sich am 28. Juli 1969 zum ersten Mal in der Geschichte eine Gruppe Homosexueller, da sie sich der Verhaftung durch die Polizei widersetzten. Der Tag gilt als Wendepunkt und Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung.

Um so mehr freut es Wiesbadens Oberbürgermeister und Schirmherr Sven Gerich (SPD), dass der vom Verein Warmes Wiesbaden zum dritten Mal ausgerichtete CSD sich nicht wie eine schwul-lesbische Loveparade durch die Landeshauptstadt schlängelt.

„Die politische Botschaft steht im Zentrum, das gefällt mir“, sagt Gerich. Auf den ernsten Kern legen auch die Veranstalter großen Wert. „Wir haben daher eine reine Lauf-Demo organisiert und verzichten auf Wagen mit Disco-Beschallung“, so Meike Vollmar vom Orga-Team des 50 Mitglieder starken Vereins.

Wie tolerant ist Wiesbaden?

Der Wiesbadner CSD steht unter dem Motto „WI IST Liebe?!“. Dazu Vollmar: „Das ist einerseits die Feststellung, dass Wiesbaden eine tolerante, weltoffene Stadt ist. Dafür steht das Ausrufezeichen. Andererseits ist das Fragezeichen ein Symbol dafür, dass es immer noch Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und der Identität gibt.“

Man muss gar nicht erst bis nach Russland schauen, um die Fragezeichen zu entdecken: „Auch in Wiesbaden sind Schwule und Lesben abschätzigen Blicken ausgesetzt, wenn zum Beispiel ein homosexuelles Paar ein Kind dabei hat. Wenn Männer Hand in Hand durch die Stadt gehen, ernten sie immer wieder Blicke und auch Kommentare. Das vermeiden die schwulen Männer, die ich kenne.“

Dieses spannungsreiche Verhältnis wird auch in einer neuen Partnerschaft des Vereins Warmes Wiesbaden und des Open-Air-Kinos der „Bilderwerfer“ in den Reisinger Anlagen thematisiert: Anlässlich des CSD zeigen die Bilderwerfer am 1. August den Film „Ich fühl mich Disco“, der sich mit dem Coming Out beschäftigt.

„Ich bin sehr gerne Schirmherr des CSD, andererseits wünsche ich mir aber, dass wir in Zukunft keinen CSD mehr brauchen, weil die politische Botschaft zur Selbstverständlichkeit geworden ist“, sagt Oberbürgermeister Gerich.

Weitere Infos gibt es unter www.csd-wiesbaden.de.

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