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Bomben statt Bäume

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Das neue Justiz- und Verwaltungszentrum steht an der Mainzer Straße.
Das neue Justiz- und Verwaltungszentrum steht an der Mainzer Straße. © FR/Müller

Was tut der große Bohrwagen am neuen Justizzentrum?, fragen sich irritiert Passanten. Und sind beruhig: Diesmal geht es nicht um Erdwärme, sondern nur um Bomben ... Von Michael Grabenströer

Von Michael Grabenströer

Das Bohrgestänge schraubt sich in den frostigen Boden. Auf den Schnee gesprühte rote Farbkleckse markieren schon die Stellen für die nächsten Bohrungen. Ein Einsatz, der Fragen aufwirft. Sollen hier rund um das neue Parkhaus am gerade bezogenen neuen Justiz- und Verwaltungszentrum an der Mainzer Straße Büsche und Bäume gesetzt werden - mitten im eiskalten Winter? Das ist doch keine Pflanzzeit, vermuten Parkhausnutzer und wundern sich.

Die Aufschrift auf dem Bohrwagen verrät allerdings, dass eine Firma Tauber an der Arbeit ist, ein Unternehmen, das sich auf Kampfmittelräumung spezialisiert hat. Im Januar also erneut Bombensuche im Wiesbadener Untergrund, dort wo nebenan gerade für über 100 Millionen Euro neue Bürokomplexe hochgezogen und bezogen worden sind.

Karl-Heinz Rausch, einer der Beschäftigten am Bohrfahrzeug, klärt auf. Kampfmittelsuche ja. Aber Rausch beruhigt auch. Die Geländeabschnitte, auf denen die teuren Neubauten mit langfristigen Mietverträgen von Land und Stadt in privater Trägerschaft errichtet worden sind - darunter das Gerichtszentrum, das alle Gerichte in Wiesbaden und die Staatsanwaltschaft an einem Ort vereint, seien schon vor der Baumaßnahme abgesucht worden. Damals, so erinnert sich Rausch, seien drei Blindgänger gefunden und entschärft worden.

Nun werde mit systematischen Bohrungen die Umgebung des Parkhauses, das auch zum Justizzentrum gehört, abgesucht. Metallsonden oder Bodenradar würden da nicht viel weiter helfen, versichert der Fachmann.

Also werden systematisch Bohrungen gesetzt. 200 Bohrlöcher werden vorsichtig niedergebrabracht, um dem Untergrund seine letzten Geheimnisse entlocken zu können - falls es welche gibt. Angst, dass bei den Sondierungsbohrungen etwas in die Luft fliegen könnte, hat Rausch nicht. Bei den "erdeingreifenden Maßnahmen" seien die Baustellen abgesucht worden - nun werde zur Sicherheit das Umfeld erforscht.

Bäume, dass ist nach dieser Auskunft sicher, werden nicht gepflanzt und Bomben in der Einfahrt zum Parkhaus hoffentlich nicht gefunden. Warum das gesamte Areal nicht gleich mit dem nun fertiggestellten Bauvorhaben abgesucht wurde, darauf hat der erfahrene Sprengmittelräumer keine Antwort. Die Hochbauten stehen und dort ist der Untergrund sprengmittelfrei, das sei bombensicher. Dafür stehe das Fachunternehmen, das sich trotzdem weiter auf die Nachsuche gemacht hat - beauftragt von den Grundstückseigentümern.

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