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Blitz trifft Marktkirche

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Von: Ute Fiedler

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Kantor Thomas Frank kontrolliert  die Elektronik der Orgel in der Marktkirche Wiesbaden.
Kantor Thomas Frank kontrolliert die Elektronik der Orgel in der Marktkirche Wiesbaden. © dpa

Ein Blitz hat die Stromleitung getroffen. Durch einen Überspannungsschaden ist die Walcker-Orgel der Marktkirche schwer beschädigt worden. Es ist aber schwierig, Ersatzteile zu finden.

Kantor Thomas Frank war gerade auf dem Weg zur Chorprobe in der evangelischen Marktkirche, als am Freitag ein heftiges Gewitter über Wiesbaden tobte. Ein ungutes Gefühl beschlich Frank, schließlich hatte vor einigen Jahren bereits schon einmal ein Blitz in den Nassauer Dom eingeschlagen und einen Schaden in Höhe von etwa 80 000 Euro angerichtet.

Franks Gefühl trog nicht. Bereits auf dem Weg zur evangelischen Kirche am Marktplatz klingelte das Telefon des Kantors. „Ein Kollege hatte einen lauten Knall gehört und daraufhin die Orgel angemacht. Da ging der Lärm erst richtig los“, erzählt Frank auf Anfrage am Montag. Alle Pfeifen hätten auf einmal getrötet. „Und wir wussten, die Elektronik der Orgel hat es erwischt.“

Der Blitz hatte die Stromleitung getroffen, wo genau, ist noch nicht klar. Durch einen Überspannungsschaden seien daraufhin einige Module, die die Übertragung von den Tasten zu den Pfeifen gewährleisten, kaputt gegangen, erklärt Frank. Nicht alle seien zerstört, aber einige wenige reichten, um die große Orgel, die Walcker-Orgel, verstummen zu lassen.

Elektroniker waren bereits am Samstag in der Kirche und hatten die Module ausgetauscht. „Es ist aber schwierig, Ersatzteile zu finden.“ Die Module müssten angefertigt werden, der Lieferant mache gerade Sommerferien, sagt Frank. Der Kantor schätzt, dass die Orgel frühestens in zwei bis drei Monaten wieder komplett bespielbar ist.

Das Konzert am Samstag war kurzerhand in die Bonifatiuskirche verlegt worden. Am Sonntag hatte Frank den Gottesdienst auf der kleinen Truhenorgel begleitet. „Das ist schon ein Unterschied, ob man drei Register oder 85 gewöhnt ist.“ Weitere Schäden an der Marktkirche mit ihren fünf Türmen – der höchste Turm misst etwa 98 Meter – habe es nicht gegeben. „Alles andere, auch die Glockensteuerung und das Carillon funktionieren.“

Wie teuer die Reparatur der Orgel wird, kann Frank nicht einschätzen. „Wir denken, dass es auf jeden Fall weniger kosten wird, als die letzte Reparatur nach dem Unwetter vor vier, fünf Jahren. Da war die komplette Orgel kaputt.“ Die Versicherung war damals für den Schaden aufgekommen.

In den kommenden Tagen müssen laut Kantor Frank noch einmal die Überspannungsschutzvorrichtungen überprüft werden. „Aber leider gibt es bei Unwettern keinen 100-prozentigen Schutz.“

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