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Ein bisschen mehr Geld reicht nicht

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Städtisches Busunternehmen Wibus zahlt höhere Löhne / Gewerkschaftsvertreter rechnet dennoch mit Streik

Von Jöran Harders

Es ist vielleicht nur eine vorläufige Einigung. Wenn heute die letzte Unterschrift unter den von der Gewerkschaft Verdi mit dem Wiesbadener Busunternehmen Wibus ausgehandelten Tarifvertrag gesetzt wird, bekommen die Fahrer mehr Geld als bisher. Damit bezahlt die städtische Busgesellschaft jetzt einen Lohn, der laut Geschäftsführer Dirk Stein „in etwa“ dem entspricht, was die Buslenker auch bei der Konkurrenz, etwa bei der Mainzer City-Bus, verdienen.

Das rückwirkend zum 1. Januar ausgezahlte Gehalt liege zudem „ein Stück über dem Tarifniveau im Omnibusverband Hessen (LHO)“, erklärt Stein.

Schon seit mindestens einem halben Jahr hatte der Personalmangel bei der Wibus drastische Züge angenommen ? durch die bessere Bezahlung erhofft sich das Busunternehmen, dass es leichter werden wird, dringend benötigte Fahrer einzustellen. Auch gegen die Unzufriedenheit der im Vergleich zur Tochtergesellschaft Eswe schlechter gestellten Wibus-Angestellten soll der neue Tarifvertrag helfen. Doch das letzte Wort in Sachen Tarifverhandlungen ist, wenn es nach dem Betriebsrat des Unternehmens und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) geht, noch nicht gesprochen.

„Für uns waren das eigentlich keine echten Tarifverhandlungen“, sagt Wibus-Betriebsratsvorsitzender Cemal Zor. Denn die überwiegende Mehrheit der Fahrer sei in der GDL organisiert. Der mit Verdi ausgehandelte Tarifvertrag habe daher „mit den Forderungen des Betriebsrats und der Mitarbeiter nichts zu tun“. Dass das jetzt Erreichte nicht genug sei, bekräftigt der stellvertretende Vorsitzende der GDL, Michael Krienke. Denn bisher seien „lediglich die Zulagen angepasst und ein Zusatztarifvertrag abgeschlossen“ worden.

Der GDL sei jedoch daran gelegen, im Tarifvertrag nicht nur ein angemessenes Einstiegsgehalt, sondern auch „stufige Aufstiegsmöglichkeiten“ und ein entsprechend höheres Endgehalt festzulegen. Gefordert werden außerdem eine niedrigere Wochenarbeitszeit und bezahlte Pausen. Dass den Arbeitnehmern die Zeit für die vorgeschriebenen Pausen vom Lohn abgezogen werde, sei ebenso „unzumutbar“ wie die Aufteilung von Acht-Stunden-Schichten, die dazu führe, dass die Fahrer für jeweils eine halbe Schicht zweimal am Tag vom Wohnort zum Arbeitsplatz und wieder zurück pendeln müssen. Daher gehe es bei künftigen Verhandlungen nicht nur um Geld, sondern ganz allgemein um bessere Arbeitsbedingungen.

„Falls sich die Wibus nicht verhandlungsbereit zeigt, wird es sicherlich zum Streik kommen“, kündigt Krienke an. Dagegen betont Wibus-Geschäftsführer Dirk Stein, dass die jetzt vereinbarten Konditionen für die Angestellten sehr gut seien. „Wir haben die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen von Jahr zu Jahr verbessert.“ Die Länge der Schichten sei mit durchschnittlich zehn Stunden kürzer als bisher und liege deutlich unter dem möglichen Maximum; bei der Bezahlung müsse man sich im Bereich des LHO-Üblichen orientieren. Zwar bekämen die bei der Eswe angestellten, ehemaligen Stadtwerke-Mitarbeiter deutlich mehr Geld, was aber ausschließlich der Besitzstandswahrung geschuldet sei. Dass die Wibus-Löhne an die der Eswe angeglichen würden, sei daher „nicht diskutabel“.

„Mit dem aktuellen Tarifvertrag haben wir eine gute und brauchbare Lösung gefunden. Das, was ich bisher auf Flugblättern der GDL als Forderung gelesen habe, ist jenseits von Gut und Böse“, so Stein. Der Geschäftsführer habe außerdem den Eindruck, dass die Wibus-Mitarbeiter mit den neuen Bedingungen „überwiegend zufrieden“ seien.

Im Lauf der nächsten drei Wochen will die GDL ihre Forderungen der Wibus vorlegen. Moralische Unterstützung erfährt sie dabei von der Wiesbadener Fraktion der Linken und der Piraten, die sich gestern in einer Presseerklärung „für die Angleichung der Arbeitsbedingungen der in Wiesbaden beschäftigten Busfahrer“ und eine Zusammenführung von Eswe und Wibus in eine gemeinsame Gesellschaft ausgesprochen hat.

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