Wiesbaden

Die Party ist vorbei

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Die Geschichte der Rhein-Main-Hallen endet. Das Gebäude wird abgerissen. Bis 2018 soll der Neubau mit 30 000 Quadratmetern stehen.

Der Abriss beginnt. Am heutigen Freitag fangen die Arbeiten zum Abbau der Rhein-Main-Hallen an, jedoch zunächst nur im Inneren. Bis die Bagger anrollen und die Außenhülle fällt, wird es noch dauern.

Wiesbaden verabschiedet sich mit dem Abriss von seiner ersten „Mehrzweckhalle“, die nun beinahe sechzig Jahre Bestand hatte und deren Geschichte einige Highlights beinhaltet. „Die Halle wird Wohlstand, Ruf und Ruhm unserer Stadt mehren“, sagte der damalige Oberbürgermeister Erich Mix bei der feierlichen Eröffnung der Rhein-Main-Hallen im Jahr 1957.

Mix, auch damals wegen seiner Nazi-Vergangenheit umstritten, hatte es geschafft, trotz des klammen Stadtsäckels, den 10 Millionen Euro teuren Bau der Hallen durchzusetzen. Zwischen den fünfziger und sechziger Jahren schossen Mehrzweckhallen wie Pilze aus dem Boden. Man versuchte als Gastgeberstadt Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die beste Lokation bekam den Zuschlag.

Internistenkongress war erste Großveranstaltung

Der Internistenkongress war die erste Großveranstaltung, die in die neuen Rhein-Main-Hallen einzog. Doch nicht nur Kongresse fanden im neuen Raum statt, auch diverse Messen, wie etwa die internationale Hutmesse oder die Souvenier- und Geschenkmesse nutzten das neue Angebot. Sportliche Veranstaltungen wie Gustl Kaiser mit seinen Catchern und die großen Eis-Revuen lockten begeistertes Publikum an. Als Rockmusiker Bill Haley im Jahr 1959 ein Konzert gab, kam es vor den Hallen zu Tumulten unter den Rockfans.

Die Hallen brachten Stars und damit Ruhm nach Wiesbaden. Kaum eine Showgröße jener Jahre hatte sich nicht in den Rhein-Main-Hallen präsentiert. Da waren Nana Mouskouri, Caterina Valente, Udo Jürgens, Karel Gott, Peter Alexander und viele mehr.

Unterdessen führte der Direktor der Betriebsgesellschaft der Rhein-Main-Hallen, Arnulf Stenger, einen erbitterten Kampf gegen die Stadtväter für die Erweiterung der Hallen. Denn die hielten flächenmäßig dem Druck der Branche und den Ansprüchen der Veranstaltungen kaum mehr stand. Nach und nach wurden die Hallen, die 1957 mit einer Fläche von 7000 Quadratmetern gebaut wurden, erweitert, bis sie zu ihrem 50. Geburtstag im Jahr 2007 mit einer Fläche von 20 000 Quadratmetern ihr bisheriges Maximum erreichten.

Mit den Hallen wuchsen auch die Veranstaltungen. Stengers Nachfolger Thomas Krohne veranstaltete im April 1977 einen großen Wohltätigkeitsball mit internationalem Showprogramm und gab damit gleichzeitig seinen fulminanten Einstieg. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten bereits acht Millionen Menschen die Rhein-Main-Hallen besucht.

Für „Blauen Block“ genutzt

Auch Fernsehshows nutzten das Angebot an Fläche und technischer Ausstattung. Live aus den Rhein-Main-Hallen wurden unter anderem Hans-Joachim Kulenkampffs Familienquiz „Einer wird gewinnen“, oder auch Heinz Schenks „Blauer Block“ gesendet.

1977 gastierte erstmals der Ball des Sports in den Rhein-Main-Hallen. Ab 1992 fand das Event bis auf ein paar Unterbrechungen regelmäßig in Wiesbaden statt. Größen des internationalen Spitzensports, Politiker und andere Promis schritten einmal im Jahr über den roten Teppich. 2014 fand der Ball zeitgleich mit den olympischen Winterspielen in Russland statt. Der rote Teppich war deshalb nicht wie sonst nur von Autogrammjägern umsäumt sondern auch von Protestierenden. Protestiert wurde auch, als dem Rapper Bushido im November 2011 in den Hallen ein Bambi verliehen wurde.

Nun werden die Hallen, die Wiesbaden zu „Ruf und Ruhm“ verhalfen, abgerissen. Bis 2018 sollen sie mit 30 000 Quadratmetern neu aufgebaut werden. Zur Eröffnung wird sicher wieder der rote Teppich ausgerollt. Und auf ihm neue Geschichten in die neuen Hallen hineinschreiten.

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