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"Das Beste, was uns passieren konnte"

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Wiesbadens OB Helmut Müller und sein Görlitzer Amtskollege Joachim Paulick.
Wiesbadens OB Helmut Müller und sein Görlitzer Amtskollege Joachim Paulick. © Oeser/Stadt Görlitz

Die beiden Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) und Joachim Paulick (parteilos) sprechen im FR-Interview über die Fernbeziehung ihrer Städte.

Görlitz und Wiesbaden führen seit 20 Jahren eine Fernbeziehung. Ist da die Luft allmählich ein bisschen raus?

Paulick: Das würde ich nicht sagen. Neben Zgorzelec verbindet Görlitz mit Wiesbaden die intensivste Partnerschaft. 1990 war die Unterstützung aus Wiesbaden etwas ganz Herausragendes und für uns eine unwahrscheinliche Hilfe. Mittlerweile ist es aber auf das Normalniveau der Städtepartnerschaften zurückgegangen, das heißt, es läuft nun im Wesentlichen über bürgerschaftliches Engagement, Kultur- und Sportvereine. Das ist das Beste, was uns passieren konnte.

Müller: Es sind ganz viele, auch sehr persönliche Kontakte entstanden. Ich kenne eine ganz Reihe von Leuten, die ständig mit Görlitz in Kontakt stehen. Bei den Parteien, zum Beispiel, ich weiß es von der CDU und der SPD. Zwischen der Blücher- und der Nikolaischule gibt es einen Schüleraustausch, und Schüler von der Helene-Lange-Schule absolvieren dort jedes Jahr ein Sozialpraktikum.

Und warum gibt es in den beiden Städten keine Partnerschaftsvereine? Interessieren sich die Bürger vielleicht doch nicht so füreinander?

Paulick: Das haben wir auch für die anderen Partnerstädte nicht. Es läuft über die Stadtverwaltung, wir betreuen die Städtepartnerschaften.

Müller: Vielleicht sind die auch gar nicht nötig, weil es so nahe liegend ist. Offensichtlich funktioniert es von Verein zu Verein so gut, dass man gar keinen Partnerschaftsverein braucht.

Reden wir einmal über Geld - in Beziehungen gibt es deshalb oft Knatsch. Auch Wiesbaden hat mehr davon als Görlitz. Wie viel lässt sich die Stadt jeweils die Partnerschaft jährlich kosten?

Müller: Keine Ahnung. Wir haben einen Etat für Partnerschaften, auch für Vereine, sie werden nach Grad der Aktivitäten unterstützt.

Paulick: Ich kann Ihnen die Zahl auch nicht genau sagen, aber es ist bescheiden. Wir sind zurzeit in unserer zweiten Haushaltskonsolidierungsrunde und müssen in den nächsten vier Jahren 16 Millionen Euro einsparen. Leider sind auch die Städtepartnerschaften davon betroffen. Wir versuchen aber auch, über die Vermittlung von Sponsoren und Spenden zu helfen.

Wie wollen Sie denn die Beziehung auffrischen, damit sie auch noch die nächsten 20 Jahre hält?

Müller: Ich denke, der Anlass der Partnerschaft - die deutsche Einheit - war ein so markantes Ereignis, dass immer eine enge Beziehung bleibt, solange die Generation, die das miterlebt hat, noch lebt.

Paulick: Wenn das zurzeit krisenbedingte Konsolidierungsprogramm wieder alles in Ordnung gebracht hat, wird sicherlich auch wieder die eine oder andere offizielle Besuchsdelegation möglich sein, und wir können die Vereine besser unterstützen, als es jetzt möglich ist. Aber mit den Spenden und dem Sponsoring von Unternehmen klappt das schon ganz gut. Das ist auch ein Stück Engagement für die Städtepartnerschaft.

Gibt es zur "Porzellanhochzeit", also dem 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft am 1. Juli, eigentlich ein Fest?

Müller: Wir feiern immer nur die runden Jubiläen der Städtepartnerschaften größer, und zwar meistens auch nur in einer der beiden Städte. Die Görlitzer haben uns aber dieses Jahr zu einer Feier eingeladen und ich bin mit einigen Leuten aus Wiesbaden hingefahren.

Paulick: Am Samstag haben wir ein kleines Fest gemacht. Tagsüber feierten wir beim Erlebnistag am neu entstehenden Berzdorfer See, abends gab es einen Empfang.

Steigt dann in fünf Jahren ein großes Fest in Wiesbaden?

Müller: Da hätte ich nichts dagegen.

Interview: Mirjam Ulrich

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