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Der Berglauf „Auf die Platte – fertig – los!“ des LC Olympia Wiesbaden hat inzwischen eine lange Tradition.

Wiesbaden

Berglauf in Wiesbaden ging durch Matsch und Wald auf die Platte

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Zur Belohnung bekommen 450 Läufer nach dem Berglauf in Wiesbaden eine Tafel Schokolade und eine Freifahrt zurück ins Nerotal. Aber: Der nächste Lauf steht schon vor der Tür.

Die obligatorische Tafel Schokolade und den warmen Tee nach dem Zieleinlauf hat sich Marco Noetzel redlich verdient. Das letzte Stück über die Rodelbahn mit bis zu 25 Prozent Steigung war schon ein echter Hammer für den Neuling. Ziel erreicht, der 42-jährige Marco Noetzel – „es geht nur ums Ankommen“ – kam bei seiner Berglauf-Premiere vom Nerotal hinauf zum Jagdschloss Platte vor dem „Besenwagen“ nach knapp drei Stunden und drei Minuten auf dem Hausberg der Wiesbadener an und ließ dabei noch rund 30 Läufer hinter sich. Tim Dally war da wohl schon geduscht, der Sieger in der Kategorie „X-treme“ brauchte 1:43:58 Stunden für die 25 Kilometer durch den Wald mit etwa 900 Höhenmetern, was den Lauf auf die Platte zu einem echten Trail macht.

Unten im Tal ist die Stimmung entspannt. Es ist ein eigenes Völkchen, diese Bergläufer, die sich immer öfter Trail-Runner nennen. Man kennt sich von anderen Läufen, etwa vom „Gletschertrail Run“ oder vom 30-Kilometer-Lauf „Rund um den Winterstein“. Die Finisher-Shirts weisen das aus, die Vorfreude auf neue Erlebnisse ist in der verhalten ruhigen Atmosphäre spürbar. Konzentrierte Spannung im Halbdunkel einer alten Sporthalle, empfindliche Stellen müssen gepflastert, der Chip für die elektronische Zeitnahme befestigt werden. Es gibt Zupfkuchen und Schneebälle mit Gluten und Lactose zur Vorab-Stärkung, Elke Gärtner, Präsidentin des veranstaltenden LC Olympia Wiesbaden, muss noch zahlreiche Nachmeldungen im PC erfassen. Das Vorfrühlingswetter hat viele Spontan-Starter angespült, neben der schlichten Startlinie im Nerotal blühen schon jede Menge bunter Krokusse.

Wiesbaden: Schon nach dem Einlaufen beginnt die Tortur

Nerocup wartet

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf. Jeden Sonntag treffen sich offene Laufgruppen des LC Olympia Wiesbaden um 10 Uhr an der Talstation der Nerobergbahn zum gemeinsamen Trainingslauf.

Am 25. April steht der „Nerocup“ an, ein Triathlon mit Schwimmen, Laufen und Radfahren. Gekürt werden die „Queen und King of Nero“ in einer Wertung aus Berglauf und Triathlon. jüs

„Der Lauf hat sich gut gemacht“, freut sich Elke Gärtner, am Ende stehen bei der 25. Auflage von „Auf die Platte – fertig los“ 450 Namen auf der Teilnehmerliste. Ein bisschen mehr noch als für die „X-treme“-Strecke haben sich in der Kategorie „Classic“ eingeschrieben. Hier geht’s auf direktem Weg nach oben, 8,1 Kilometer vom Talgrund auf die Platte, 450 Höhenmeter sind zu meistern. Jan-Luca Mölling, Triathlet vom Schwimmclub Oberursel (SCO), schafft das in 38:11 Minuten, im Sekundentakt treffen die ersten Verfolger ein. Zusammen standen sie auch schon beim Start ohne Pistolenschuss auf der Frontlinie, mit der Hand an der persönlichen Stoppuhr für die Kontrolle unterwegs.

Als Lauf mit viel Stimmung und an „Sehenswürdigkeiten vorbei“ bewirbt der LC Olympia das Rennen auf die Platte. Aber wer nimmt die schon war, wenn bereits nach kurzem Einlaufen in der Ebene noch vor Kilometer 1 an der Talstation der Nerobergbahn die Tortur beginnt. Schummeln geht nicht, die legendäre Zahnradbahn fährt erst Ende März wieder, der erste steile Anstieg zum Neroberg mit Tempel, Amphitheater und Blick auf die Marktkirche in der Stadt und die goldenen Türme der russisch-orthodoxen Kirche fast am Wegesrand kostet Schweiß und viel Puste. Die 80 Höhenmeter auf kurzer Strecke haben es in sich, für touristisches Begleitgut hat da kaum einer die rechte Muße.

Wiesbaden: Die Rodelstrecke raubt die letzten Reserven

Nach weiteren 1400 Metern passiert der bunte Lindwurm der Läuferschar die legendäre „wildromantische Räuberhöhle“, in die sich angeblich der Wilderer Heinrich Anton Leichtweiß zurückzog, als seine Häscher ihm 1791 auf der Spur waren. Ein beliebtes Ausflugsziel, ein paar nur am Wegesrand feuern die forschen Läufer an. Immer weiter den Philosophenweg hinauf, der irgendwo im Nirgendwo in einen anderen Pfad übergeht, vorbei am Rabengrund und der alten Platterpfadhütte, dann ist es nicht mehr weit. Aber die Rodelstrecke, das raubt die letzten Reserven. Wer soll da im ersten Moment noch einen Blick haben für den Teil des Jagdschlosses aus dem Jahr 1823, das heute noch als „Event Location“ existiert. Zar Alexander II. aus Russland soll mit seiner Zarin dagewesen sein, auch Kaiserin Eugenie aus Frankreich. Wer seinen mehr oder weniger gut trainierten Leib hier raufschafft, für den ist allein der Weg das Ziel.

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