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Der schwarze Hut ist das Erkennungs- und Markenzeichen von Citymanager Axel Klug.

Wiesbaden

Belebung in der Wiesbadener City

  • vonDiana Unkart
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Axel Klug will als Vermittler zwischen Einzelhändlern und Politik dafür sorgen, dass die Innenstadt zukunftsfähig wird. Denn Corona ist nicht die einzige Herausforderung des Einzelhadels.

Der schwarze Hut ist sein Erkennungs- und Markenzeichen. Für Axel Klug gehört ein hohes Maß an Präsenz zum Job. Als die Stadt Wiesbaden ihren Citymanager vorstellte, da hieß es, er sei Ansprechpartner, Kümmerer und Ideengeber für die Einzelhändler in der Innenstadt. Und weil sich so jemand nicht im Hinterzimmer der Verwaltung verstecken sollte, bezog der Citymanager ein Büro am Mauritiusplatz mitten in der Fußgängerzone.

Klug trat seinen Job am 3. Februar diesen Jahres an und sagte damals, er wolle zunächst einmal die Händler kennenlernen und sich um die Themen Sicherheit und Sauberkeit kümmern. Zuvor war unter anderem von der Industrie- und Handelskammer beklagt worden, die Sauberkeit in der Stadt lasse zu wünschen übrig, das Sicherheitsgefühl der Passanten schwinde. Zudem trage der Leerstand nicht zu einer Steigerung der Attraktivität bei. Die Stadtverordneten verabschiedeten ein Vorhabenpaket, das auch den Einsatz eines Citymanagers an der Schnittstelle von Handel, Politik, Verbänden und Verwaltung vorsah.

Zu Klugs Aufgaben gehört es nun, Konzepte für eine zukunftsfähige Innenstadt vorzuschlagen. Er ist innerhalb der Verwaltung Ansprechpartner für die Wirtschaftsakteure der Innenstadt und zugleich deren Fürsprecher. Was theoretisch klingt, funktioniert in der Praxis beispielsweise so: Als Teile der Fernwärmeleitung erneuert werden sollten, war Axel Klug in die Planungen eingebunden. Dann kam der Lockdown und von ihm der Anstoß, den Zeitplan so zu ändern, dass die Arbeiten in den Geschäftsstraßen beendet sind, bevor der Betrieb wieder losgeht. Damit seien den Läden weitere Einbußen erspart geblieben.

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben Klugs erste Arbeitsmonate geprägt. Inzwischen gebe es so etwas wie „das neue Normal“. Die Passantenfrequenz habe sich nach der Wiedereröffnung der Geschäfte relativ schnell erholt, die Konsumfreude hinke noch etwas hinterher. Die Gastronomie hat es stärker getroffen. Einige Lokale haben nach dem Lockdown nicht mehr geöffnet.

Sechs Jahre lang arbeitete Axel Klug im Bereich Wirtschaftsförderung der Stadt Mainz, bevor er sich in Wiesbaden bewarb. Sein Spezialgebiet ist der Einzelhandel. Seine Erfahrungen sind gefragt, denn die Corona-Pandemie ist nicht die einzige Herausforderung für die Innenstädte. „Ihre altbekannte Funktion als Marktplatz verliert mit dem Wachstum der Online-Marktplätze leider an Gewicht.“ Die Pandemie habe diese Entwicklung noch verstärkt.

Die Folgen seien nur zu erahnen. „Aber relativ sicher werden sich manche Geschäftskonzepte erneuern müssen – oder sie können sich auf Dauer nicht mehr behaupten.“ Beispiel dafür seien die Schwierigkeiten von Galeria Karstadt Kaufhof. „Für Warenhäuser muss ein neues, tragfähiges Konzept gefunden werden“, sagt Klug. „Ansonsten ist der Transformationsprozess – auch in Wiesbaden – nur vertagt.“ Während die Warenhäuser in Wiesbaden erst einmal weiter geöffnet bleiben, ist das Aus für eine der Karstadt-Sport-Filialen besiegelt. Über den Fortbestand der zweiten Filiale werde derzeit verhandelt. Die Umsätze nach der Wiedereröffnung seien nicht so schlecht.

Damit Innenstädte nicht sterben, seien neue Ansatzpunkte nötig. Digitalisierung des Einzelhandels lauten die Schlagworte oder moderne Verkehrsführung, neuer Wohnraum. Die Stadt, sagt Klug, könne die Rahmenbedingungen schaffen. In Wiesbaden startet demnächst der „Masterplan-Prozess für eine zukunftsfähig aufgestellte Fußgängerzone“.

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