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Bekenntnis zur Bäderlandschaft

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Von: Arne Löffel

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Statistisch gesehen wird jeder Mattiaqua-Gast mit sieben Euro aus der Stadtkasse bezuschusst.
Statistisch gesehen wird jeder Mattiaqua-Gast mit sieben Euro aus der Stadtkasse bezuschusst. © Rolf Oeser

Der Sparkurs der Stadt gefährdet Mattiaqua nicht. Der Zustand der Bäder in Wiesbaden sei besser als ihr Ruf. Zugleich rechtfertigt der Mattiaqua-Betriebsleiter die hohen Zuschüsse.

Seit fünfeinhalb Monaten ist Thomas Baum Leiter des städtischen Eigenbetriebs „Mattiaqua“ und damit der Herr über alle Hallen-, Frei- und Thermalbäder, über die Henkell-Kunsteisbahn, die Rettbergsaue, das „Lufti“ und auch über die warmen Quellen der Landeshauptstadt.

Dass sich auch seinen Betrieb betreffende Posten auf einer Liste der Projekte befindet, für die im derzeitigen städtischen Haushaltsplan kein Geld bereitgestellt wird, macht Baum keine Sorgen. „Das bedeutet nicht, dass die Wiesbadenerinnen und Wiesbadener in den Jahren 2016 und 2017 nicht mehr schwimmen gehen können“, sagt er.

Überhaupt, so der Betriebsleiter, sei der Zustand der Bäder in Wiesbaden besser als ihr Ruf. Es stimme zwar, dass es einen Sanierungsstau gebe, dass jedes Jahr zum Beispiel eine Million Liter Wasser durch einen Riss im Betonbecken des Schwimmbads Kleinfeldchen versickern, aber die Kosten hierfür summieren sich laut Baum jedes Jahr auf 5000 Euro.

Das defekte Becken zu sanieren, in einer zeitgemäßen und haltbaren Stahl-Variante, würde 1,6 Millionen Euro kosten. Baum könnte verstehen, dass dieses seiner Aussage nach sinnvolle und wünschenswerte Projekt auf der Liste der nicht finanzierbaren Vorhaben landete.

Dass Mattiaqua auf Gedeih und Verderb am Tropf der Stadt hängt, ist laut Baum nichts Ungewöhnliches. „Der Betrieb kommunaler Schwimmbäder ist in jeder Stadt ein Zuschussgeschäft“, betont Baum. 8,956 Millionen Euro habe die Stadt im vergangenen Jahr beisteuern müssen. Allein 7,6 Millionen Euro davon seien Betriebs- und Personalkosten. So müssten zum Beispiel 30 Liter Wasser pro Badegast ausgetauscht werden. Aus hygienischen Gründen.

Schulschwimmen soll bleiben

„Um vor diesem Hintergrund kostendeckend zu arbeiten, müssten wir den Eintrittspreis deutlich anheben. Aber das würden die Besucherinnen und Besucher bestimmt nicht wollen“, so Baum. Rein rechnerisch bezuschusste die Stadt jeden der 1,268 Millionen Besucher im vergangenen Jahr mit sieben Euro. Auf der Eisbahn, im Thermalbad und auch in den Hallen- und Freibädern. „Ein Kostendeckungsgrad von 30 Prozent ist realistisch. Das muss man aber politisch wollen“, kommentiert Baum.

Gründe für das Bekenntnis zur Bäderlandschaft gibt es seiner Meinung nach genug. „Die Thermalbäder tragen zum positiven Bild der Stadt bei, das Einzugsgebiet der Thermen-Gäste erstreckt sich weit über die Grenzen Wiesbadens hinaus“, sagt er.

Besonders deutlich wird der Sanierungsstau laut Baum im Hallenbad an der Mainzer Straße. „Das sollte eigentlich schon im Jahr 2000 geschlossen werden.“ Die notwendigen Instandhaltungen würden zwar erledigt, „aber das Bad ist abgängig“, wie er sagt. Wann es geschlossen und abgerissen werden soll, werde ein neues Bäderkonzept bestimmen, das derzeit in Arbeit sei und im Sommer vorliegen soll.

Die Schließung des Hallenbads an der Mainzer Straße hätte allerdings starke Auswirkungen auf einen anderen wichtigen Aspekt der Wiesbadener Bäderlandschaft: den Schulsport. „In Wiesbaden haben die dritten Klassen flächendeckend zwei Stunden Schwimmen pro Woche. Vier bis sechs Klassen schicken je 20 bis 25 Schüler in die drei städtischen Hallenbäder. Das ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit und wird in den meisten anderen Kommunen so auch nicht möglich sein.“ Es gebe zwar eine Rückvergütung der Kosten über das Schulamt, allerdings sei dies ein echter Sonderpreis.

Auch Wiesbadens Schatz, die heiße Quelle, ist ein Zuschussgeschäft: Die sprudelt nicht einfach aus dem Boden, sondern wird nach oben gepumpt, so dass hier laut Baum ein Defizit von 200 000 Euro aufläuft. Das lasse sich auch durch die Versorgung einiger Häuser in der Nähe mit der im warmen Wasser gespeicherten Energie nicht refinanzieren.

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